Woher kommt die Redewendung...?
Abhauen
Wir haben etwas angestellt und wollen nicht erwischt werden. Wir müssen abhauen, dass heißt, so schnell wie möglich verschwinden.
Der Ausdruck stammt aus der Sprache des fahrenden Volkes. Dieses zog im Mittelalter von Ort zu Ort und stellten ihre Zelte und Jahrmarktsbuden auf.
War der Jahrmarkt zu Ende, mussten die Buden wieder abgehauen werden. War man mit dem Abhauen fertig, konnte man weiterziehen.
Abhängen
„Oh Du, ich bin heute völlig fertig. Morgen möchte ich einmal wieder so richtig abhängen“. So oder so ähnlich haben wir doch sicherlich schon selbst gedacht, oder jemanden sprechen hören.
Dieses „Abhängen“ kommt nicht vom Rennen oder Laufen wo der schnellere den Langsameren „abhängt“, sondern kommt aus der Jugendsprache und meint schlicht und einfach: Nichts tun !
„Ich möchte morgen mal nichts tun, mich einfach gehen lassen, ohne irgendetwas Bestimmtes tun zu müssen, sondern mich einmal richtig wieder entspannen.
Sich hängen lassen kann man dann auch in der Körpersprache erkennen, die Schultern hängen schlaff herunter, der Kopf wird nicht stolz nach oben getragen, sondern hängt leicht nach vornüber gebeugt.
Es ist interessant: auch frischen Fleisch läst man einige Zeit abhängen, damit es besser genießbar ist.
So sollten wir alle gelegentlich mal abhängen, um wieder genießbar zu werden ?
Früher in den Zeiten der Hippies, nannte man „abhängen“ „ gammeln“. Und diejenigen, die das am besten konnten, waren dann die „Gammler“
Abgespannt aussehen
Nach der Anspannung des Tages sind wir müde und ausgepowert. Wir müssen nun ausspannen, uns erholen.
Diese Worte gehen natürlich auf ein anderes Arbeitstier zurück als wir es sind - auf das Arbeitspferd. Es wird zur Arbeit angespannt und nach getaner Arbeit wieder abgespannt, und es darf sich dann, nach der Ausspannung, erholen.
Am nächsten Tag geht es für das Pferd, wie auch für uns, mit dem gleichen „trott“ wieder weiter.
Alles in Butter
Uns fragt ein alter Bekannter, den wir schon seit Jahren nicht mehr gesehen haben: „ Na wie geht’s Dir ?“ - „ Alles in Butter“ antworten wir. Diese heute so lockere Redensart stammt aus dem Mittelalter.
Der Deutsche Adel liebte Gläser aus Venedig ( Murano). Das Problem war der Transport der Gläser per Pferdekutsche über die Alpen. Durch das Gerüttel und Geschüttel kam nicht selten kam nur Bruch bei den Empfängern an.
Dann kam man auf die Idee, die Gläser in Butterfett einzugießen. Der Empfänger der Waren im Bestimmungsort schmolz dann das Butterfett ab. So waren die Gläser sicher angekommen, denn sie waren ja „alle in Butter“.
Auf Draht sein
Um es vorweg zu nehmen. Diese Redewendung kommt aus der Telefon- bzw. Telegrafensprache. Am ehesten ist wohl der Telegrafendraht gemeint. Gemeint ist, wer andauernd seine Geschäfte am Telefon abwickelt und eben über der maßen lange und/oder häufig telefoniert, der ist eben am bzw. auf Draht.
Im gebräuchlichen Sinne heißt dieses ja: wachsam sein, aufpassen, die richten Schlüsse ziehen, eine entsprechend gute Situation sofort richtig zu erkennen und zu nutzen“.
Auf einen Nenner bringen
Du hast eine Meinung, ich habe eine andere. Wie bringen wir unsere unterschiedlichen Meinungen auf einen Nenner ? Das heißt, unterschiedliche Interessen, Standpunkte oder Meinungen auf eine gemeinsame Grundlage zu bringen.
Wie der geneigte Leser dieser Zeilen sich sicherlich denken kann, kommt diese Rewedung aus der Mathematik. Beim Bruchrechnen muss man Brüche auf einen gemeinsamen Nenner bringen, um bestimmte Rechenoperationen durchführen zu können. „ Du möchtest zur See, ich in die Berge, also ist unser gemeinsamer Nenner ein Bergsee“. ( Axel Kukuk 2009 09 27)
Auf frischer Tat ertappen
Unmittelbar nach der verbotenen Handlung wird der Täter geschnappt. Es hilft jetzt keine Ausrede mehr, es gibt genug Zeugen, der Täter wurde ja auf frischer tat ertappt.
Das von tun abgeleitete Substantiv Tat beschreibt alles das, was wirklich geschieht. Tat steht damit im Gegensatz zu Wort, Wille, Vorsatz oder Rat. Frisch bedeutet im Sinne dieser Redensart neu, gerade erst geschehen oder in einem Bild: noch brennend, analog zu dem lateinischen Lehnausdruck in flagranti (von flagrantia = Glut). Die Wendung ist bereits im 12. Jh. belegt, wobei übrigens zunächst der Ehebruch gemeint war. ( Axel Kukuk/ arcor-home.de 2008 08 30 )
Absteigender Ast
Nach 30 Spielen nur 30 Punkte in der 1. Fußball-Bundesliga, das ist wirklich nicht viel. Diese Mannschaft scheint auf dem absteigenden Ast. Diese Redewendung haben wir doch bestimmt schon mal vernommen. Sie gilt auch für Personen, bei denen scheinbar alles schief läuft. Allerdings hat dieser Ausspruch überhaupt nichts mit Fußball oder irgendeiner anderen Sportart zu tun, sie bezieht sich eher auf die Abstammung eines Stammbaumes in einem Adelsgeschlecht.
Sieht man sich ein einem Stammbaum genauer an, ist der Stamm des Stammbaumes sehr dick und wird dann in den Ästen und Zweigen der Abstammung immer dünner, immer verzweigter.
Man spricht in Adelskreisen von einem absteigendem Ast, wenn sich in der Adel immer mehr mit bürgerlichen Blut mischt, diese Abstammungslinie also immer weniger „blaues Blut“ trägt und so über Generationen hinweg der Adels „verbürgerlicht“ wird. ( Axel Kukuk 2006 09 16)
Akademisches Viertel
Das akademische Viertel ist nicht die Stadtgegend mit den meisten Studentenwohnungen, sondern eine Redensart, die schon auf den Zustand von Universitäten eingeht.
Kaum eine Vorlesung beginnt pünktlich. Entweder kommt der Professor zu später, oder einige Studenten, aus welchen Gründen auch immer. Bis dann Ruhe im Saal herrscht und alle ihrer Funktion entsprechen an ihren Plätzen sind ist eine Viertelstunde um.
Ist eine Lesung zu einer bestimmten Uhrzeit angesetzt, so verzögert sich diese fast immer so um 10 - 15 Minuten. Das ist nicht nur so eine Deutsche Eigenart, sondern scheint sich in Skandinavien einer großen Beliebtheit zu erfreuen. In dem Vorlesungsverzeichnis steht dann der Hinweis: „ c.t.“; cum tempere ( lateinisch: mit Zeit). Das ist dann ein Hinweis auf diese 15 Minuten Verspätung, auf das akademische Viertel. ( Axel Kukuk 2009 09 07 )
Aschermittwoch
Am Aschermittwoch beginnt die 40-tätige Fastenzeit und erinnert an die 40 Tage, die Jesus in der Wüste erbracht hat. Die Fastenzeit geht bis zum Karsamstag und dauert genau 46 Tage. Die Sonntage in der Fastenzeit sind fastenfrei und werden bei der eigentlichen Fastenzeit nicht mit gezählt.
Der Name „Aschermittwoch“ geht auf den kirchlichen Brauch zurück, an diesem Tag den Gläubigen ein Aschenkreuz auf die Stirn zu zeichnen. Bei der Zeichnung des aschenkreuzes spricht der Priester die Worte aus der Genesis:
„Gedenke Mansch, dass Du aus Staub bist, und zu Staub wirst du zurückkehren.“
Altweibersommer
Nach einem schönen Sommer freuen wir uns dann noch auf viele Tage des „Altweibersommers“.
Dieser Name kommt von den vielen Spinnweben im Gebüsch, die man gut im Morgentau erkennen kann. Diese kleinen Spinnen produzieren auch Flugfäden, die man dann zwischen verschiedenen Pflanzen oder Gegenständen sehen kann.
Der Volksmund fühlt sich dann bei diesem Anblick an die langen dünnen Haare einer alten Frau, eines alten Weibes, erinnert.
Astrein
„Astrein“ ist ein Ausdruck aus der Jugendsprache aus den 70er-Jahren. Man gebrauchte es im Sinne von „klasse“ beziehungsweise „ super“.
Der Ausdruck kommt aus der Forstwirtschaft. Hir ist die Astreinheit ein Qualitätsmerkmal des Holzes. Hat ein Holzstück keine Astlöcher, ist es „astrein“ und kann zum Bau von Möbeln, Türen und Fenster verwendet werden.
Um so ein Holz zu erzielen, werden die Bäume eng aneinander gepflanzt. Sie wachsen so schneller und bilden dadurch weniger Äste aus.
Aufpassen wie ein Schießhund
Müssen wir aufpassen wie ein Schießhund, so müssen wir uns besonders auf eine Sache konzentrieren. Diese Redewendung kommt aus der Jägersprache.
Der Schießhund ist dort der Hund, der das erlegte Wild finden und dem Jäger bringen sollte.
In Anbetracht dessen, dass der Hund nicht besonders gut sieht und die Jagdopfer oft in weiter Entfernung liegen, ist die Leistung des Hundes nicht hoch genug einzuschätzen.
Der Ausdruck „Schießhund“ ging der Jägersprache übrigens verloren. Heute heißen diese Hunde Apportierhunde.
Aus seinem Herzen keine Mördergrube machen
Wir als offenherzige Menschen machen aus unserem Herzen keine Mördergrube; was wir denken, erzählen wir auch.
Diese Redenart geht auf die Bibel zurück. Im Alten Testament ( Matthäus 21, 13 ) spricht Jesus, nachdem der den Tempel von Jerusalem von den Händlern gereinigt hat:
„Mein Haus soll ein Bethausheißen; ihr aber habt eine Mördergrube daraus gemacht “.
In neueren Übersetzungen der Bibel taucht anstelle der Mördergrube der Begriff Räuberhöhle auf.
Außer Rand und Band
Feiern wir besonders ausgelassen und sprechen womöglich dem Alkohol zuviel zu, könnte unsere Feier außer Rand und Band geraten, also außer Kontrolle geraten.
Unser Ausdruck kommt aus der Sprache der „Fassmacher“. Das Fass besteht aus den Seitenbrettern, den Dauben sowie aus Deckel und Boden. Befestigt werden die Dauben mit der Randeinfassung an Boden und Deckel. Zusammengehalten werden sie von Bändern. Lockern sich diese Bänder, wird das Fass instabil - es ist außer Rand und Band.
Auf Zack sein
Ist jemand auf Zack, so ist diese Person für ihre schnelle Auffassungsgabe und für ihre rasche und korrekte Arbeitsweise bekannt.
Unser Begriff stammt aus der Soldantensprache. Hier wurden die Leite mit „Zack, Zack“ angefeuert, für ihre Zackigkeit gelobt und wenn es gar nicht anders ging, auf Zack gebracht. Lautmalerisch ist im Wort „Zack“ die Schnelligkeit des Blitzes verewigt, der ich im Zick-Zack fortbewegt.
Aus dem Nähkästchen plaudern
Plaudern wir aus dem Nähkästchen, fördern wir das eine oder andere kleine Geheimnis zu tage, welches wir unter dem Siegel größter Verschwiegenheit anvertraut bekommen haben. Früher geschah das oft in geselliger Damenrunde bei einem Nähkästchen.
Hier wurde genäht und sich ausgetauscht. Das Nähkästchen, der Werkzeugkoffer der Frauenwelt, wurde auch gern als Versteck für geheime Briefe oder sonstige Andenken verwendet. Das Nähkästchen galt als sicherer Ort, denn niemals blickte ein Männerauge dort hinein.
Bei jemandem ist Hopfen und Malz verloren
Ist bei etwas oder jemanden Hopfen und Malz verloren, so ist alle Mühe vergebens (gewesen). Trotz aller Ermahnungen, Hilfsangeboten und sonstigen Unterstützungsmaßnahmen, bessert sich nichts, wir können von unserer Seite aus nichts mehr ändern und bewirken.
Dieser Ausspruch bezieht sich dem Bilde nach auf Kunst des Bierbrauens. Wenn es dem Bierbrauer nicht gelingt, dass Bier ordentlich zu brauen, dann sind wesentlichen Bestandteile, nämlich Hopfen und Malz, verloren.
Eigentlich braucht der Bierbrauer noch Hefe zum Brauen.
Der Hefepilz war entweder noch durch Verunreinigungen im Braukessel vorhanden oder der Braumeister warf ein Stück Brot in den Sud. Da viele diese Geheimnisse nicht wussten und trotzdem ihr Bierbrauen versuchten, konnte das Bier nicht gelingen. Hopfen und Malz waren verloren
( Autor Axel Kukuk 2007 07 14)
Blümerant
Das Adjektiv „blümerant“ ist zum zweitschönsten bedrohten Wort des Jahres 2007 gewählt worden. Kaum noch jemand gebraucht dieses Wort als vornehmen Ausdruck für „Unwohlsein“.
Es stammt aus dem französischen „Bleumourant“ bedeutet eigentlich „sterbendes Blau“. War einer vornehmen Dame das Korsett zu eng geschnürt worden, so bekamt sie nicht mehr ausreichend Luft die die Gesichtsfarbe veränderte sich zum „sterbendes Blau“. Ihr war „bleumourant“ geworden.
Brief und Siegel
Geben wir jemandem „Brief und Siegel „ auf etwas, so sichern wir es ihm besonders fest zu.
In der Mittelalterlichen Gerichtssprache stand die „Brief“ für eine Urkunde. Aber erst die Kombination von „Brief“ und “Siegel“ machten die Urkunde rechtsgültig.
Für die Rechtsgültigkeit der Urkunde war nur das Siegel des „Brief“ - Schreibens vonnöten, der Brief galt auch ohne seine Unterschrift.
Das reißt mir der Geduldsfaden
Wenn wir mit einer schwierigen Sache beschäftigt sind die viel Geschick und vielleicht noch mehr Geduld verlangt, kann einem nicht nur der Kragen platzen, sondern auch leicht der Geduldsfaden reißen. Dann verlieren wir die Nerven und verhalten uns sicherlich nicht mehr der Situation angemessen.
Es ist wahrscheinlich, dass diese Redensart ihren Ursprung beim Spinnen von Garn hat. Das Ziel dieser Arbeit ist es, einen möglich langen Faden zu spinnen, und das auch noch in guten in guter Qualität. Das kann man nur erreichen wenn man viel Fingerspitzengefühl und wohl noch mehr Geduld hat. Riss der Faden durch, riss dann auch häufig der Geduldsfaden des noch so bemühten Handwerkers.
Da brat mir aber einer einen Storch!
Nach einer biblischen Speisevorschrift (3. Mose 11) darf der Storch (ebenso wie die Fledermaus oder der Reiher) nicht gegessen werden.
Dies übertrug sich auf das Mittelalter, zudem der Storch abergläubische Verehrung genoss und sein Fleisch als ungenießbar galt.
Nur scherzhaft wird der Storch daher in der Literatur der Renaissance (ab 14. Jh.) gelegentlich als Leckerbissen genannt.
Der gebratene Storch ist somit das Sinnbild des nie Geschehenen und unerhört Neuen.
( Quelle: arcor-home-.de 2007 08 29 )
Das dauert ewig und drei Tage
Soll ein Vorgang von uns bei einer Behörde bearbeitet werden, so wissen wir schon: „Das dauert ewig und drei Tage.“ Als wenn ewig nicht schon lang genug wäre, haben wir auch noch eine Zusatzzeit zum Warten von drei Tagen.
Diese Art von Zusatzfrist war in der deutschen mittelalterlichen Rechtssprechung gang und gäbe. Das damalige Verkehrswesen war so schlecht, dass dadurch sehr of Fristen nicht eingehalten werden konnten. So setzen die Gerichte von vornherein Zusatzfristen fest. Wie zum Beispiel: „ Ein Jahr Frist plus sechs Wochen plus drei Tage“
Da geht mir ein Licht auf
Nächtelang können wir nicht schlafen. Unsere Gedanken kreisen immer wieder um das gleiche Problem. Um plötzlich haben wir die Lösung, und plötzlich geht uns ein Licht auf.
Diese Redensart geht auf das Alte Testament zurück. So heißt es im Psalm 97, 11: „Dem Gerechten muss ein Licht immer wieder aufgehen“.
Gemeint ist hiermit natürlich das Licht Gottes, der ja auch „der Erleuchtete“ genannt wird. Durch den festen Glauben an den Gott der Christen soll der menschliche Geist erleuchtet werden. ( Axel Kukuk 2007 10 01)
Das ist mir Schnuppe
Ist uns etwas schnuppe, so ist es uns wirklich ziemlich egal. Der Ausdruck stammt von der Berliner Mundart. Den verkohlten Teil des Kerzendochtes nannte man “Schnuppe“.
Es ist klein und unwichtig und außerdem schon verbraucht. Mit diesem Vergleich beton der Berliner sein absolute Desinteresse. Auch der Name Sternschnuppe leitet sich sinnbildlich von der Kerzen-Schnuppe her. Die Sternschnuppe verglüht am Himmel wie ein kleines Stück von einem Kerzendocht.
Das ist des Pudels Kern
Finden wir bei einem Problem die versteckte Lösung, so haben wir des Pudels Kern entdeckt. Unsere Redensart stammt aus Goethes „Faust“. Mephisto belauert Faust in der Gestalt eines schwarzen Pudels.
Faust beginnt seine Bibelübersetzung. Das passt Mephisto überhaupt nicht, der Pudel jault auf. Faust beschwört den Pudel und Mephisto wandelt sich in einen Studenten. Faust daraufhin: „Ein fahrender Scholar. Das ist des Pudels Kern.“
Das kannst Du halten wie ein Dachdecker
Uns fragt jemand nach einem Rat, ob er die Sache lieber so oder anders machen sollte, ob er besser den Weg A. oder den Weg B.) beschreiten sollte.
Wir antworten mit dem Ratschlag: „Das kannst Du halten wie ein Dachdecker.“
Das meint, dass es egal ist, ob er das Eine oder das andere Tut, er kommt allemal zu seinem Ziel.
Wie schon zu erwaten: Diese Redensart geht auf das mittelalterliche Dachdeckerhandwerk zurück. Damals gab es noch keine industriell genormten Schindeln, die wurden mit de4r Hand gefertigt. Ob nun die eine Schindel so oder so herum gelegt wurde, war völlig egal. Hauptsache war, dass das Dach dicht wurde und des nicht nur Regen, sondern auch Stürmen bestand.
Bevor nun eine Schindel auf das Dach montiert wurde, musste sich der Dachdecker nicht fragen, wo oben und untern der Schindel ist, und auch nicht, wo rechts und links ist; es war ja egal. Es konnte diese Schindel ja halten wie ein Dachdecker. Alle Wege führten zum Ziel.
Das Wort /Der Bissen
bleibt jemandem im Halse stecken
Im altgermanischen Recht gab es ein Gottesurteil, das darin bestand, dass dem Verurteilten ein trockener Bissen in den Mund gelegt wurde, den er schlucken musste. Blieb der Bissen im Hals stecken, dann war der Angeklagte schuldig. Gottesurteile dieser Art sind bis ins 14. Jh. hinein belegt. ( Quelle 2008 08 29)
Da brat ich mir doch einen Storch
Wenn wir diese Redewendung von jemandem hören erstaunen wir zunächst erheblich, „Einen Storch braten ?“
Wo kommt den eine solch „abartige“ Redewendung her ?
Es geht hier nicht, wie der Ausdruck meinen könnten, um die Verzehrung eines Storches, nein: Es geht um die Verehrung der Störche.
Diese Tiere wurden durch das Volk schon seit Jahrhunderten verehrt und bestaunt. Wenn Storche auf einem Anwesen nistetet, dann brachten Sie Glück und ja auch Fruchtbarkeit ins Haus. Als Symbol der Fruchtbarkeit war der Storch ja der Vogel, der die kleinen Babys ins Haus brachte. Zumindest wurde dieses Kindern immer und immer wieder und das seit Jahrhunderten erzählt. Natürlich nur den Kindern, die noch nicht aufgeklärt waren. Bevor man diese wundervollen Vögel isst, muss also schon etwas ganz besonderes geschehen. Das will und diese Redewendung sagen.
Die Gretchenfrage stellen
Die „Gretchenfrage“ ist eine Frage, deren Beantwortung für unser Gegenüber oft peinlich oder schwierig ist. Sie trägt aber zu einer grundsätzlichen Klärung der Situation bei.
Die Redensart stammt aus Goethes „ Faust “. In Marthens Garten möchte Gretchen von Faust wissen: „Nun sag`, wie hast Du`s mit der Religion ?“ Wenig später hakt sie nach: „Glaubst du an Gott ? “
Faust antwortet geschickt ausweichend: „ Wer darf ihn nennen ? Und wer bekennen: Ich glaub an ihn “.
Das HB-Männchen machen
In den Neunzehnhundert - sechsziger und- siebiger Jahren war Werbjung für Zigaretten noch erlaubt. Vor allem im Vorspann in den Kinos. Dort gab es Werbung als American-Tabacco ) für die Zigarettenmarke „HB“. Bruno, so war der Name dieses HB-Männchens ging in die Werbegeschichte ein, al ein Männchen, dass immer wieder durch tausend Dinge völlig genervt wurde und dann zum Schluss im wahrsten Sinne drohte in die Luft zu gehen, worauf dann ein beruhigende Stimme sagte: „Aber halt mein Freund wer wird denn gleich in die Luft gehen ? Greife lieber zur HB“. Bruno steckte ich eine HB an und sank völlig entspannt wieder zurück auf den Boden.
Diese Werbung zielte auf die entspannende Wirkung einer Zigarette ab. (Quelle Axel Kukuk 2009 09 09 )
Das ist doch kein Pappenstiel
Wir wollen etwas kaufen. Es kostet auch nicht viel, heißt es. Bei näherer Betrachtung der Sachlage entfährt es uns: „Das ist doch kein Pappenstiel.“ - das ist doch keine Kleinigkeit !
Unsere Redensart geht auf den Blumenstiel des Löwenzahns zurück. Im Niederdeutschen heißt der Löwenzahn „Papenblohme“: Samen- oder Federkrone. Es geht also um den Pappenblumenstiel.
Im Frühjahr bedeckt der Löwenzahn die Weisen. Die robuste Pflanze wächst überall. Doch ist etwas viel vorhanden, so kann es ja nicht viel wert sein.
Der Rubel rollt
Uns geht es wirtschaftlich sehr gut, unsere Einnahmen boomen. Wir nehmen viel Geld ein und können es auch leicht wiedeer ausgeben. „Der Rubel rollt“. Diese Redewendung beschreibt den Zustand einer florierenden Wirtschaft, ob und großen ( Volkswirtschaft ) oder im kleinen Bereich. Die geht auf die russische Währung Rubel zurück. Interessant ist, dass man in Russland diese Redewendung gar nicht kennt. Wahrscheinlich ist die Währung „Rubel“ nur genommen worden, das das gedoppelte „R“ bei „R“ubel und „r“ollt so überzeugend anhört.
Der Stein der Weisen
Wer die Lösung aller Rätsel hat, besitzt sprachlich „den Stein des Weisen“. Oder gegenteilig: „ Ich habe zwar nicht den Stein des Weisen gefunden, aber weiß dennoch wie wir in dieser Sache weiter kommen können.“
Dieser Ausspruch geht auf die Alchimisten des Mittelalter zurück. Die Alchimisten suchten nach dem „Stein des Weisen’“, der als magische Substanz galt, gewöhnliche Metalle in Gold zu verwandeln. ( Axel Kukuk 2008 08 28
Die Reißleine ziehen
Entwickelt sich eine Sache nicht so, wie wir es gern hätten, und bekommen wir es mit der Angst zu tun, so müssen wir schleunigst die Reißleine ziehen und das Projekt beenden.
Unsere Redensart kommt vom Fallschirmspringen. Mit Hilfe der Reißleine kann man den Fallschirm manuell öffnen. Mit zieht mit ihr den Hilfsfallschirm heraus, der dann seinerseits den Hauptschirm herauszieht.
Bei echten Fallschirmprofis ist der Begriff Reißleine allerdings verpönt, da diese eben nicht am Hilfsschirm „reißen“, sondern ihn cool herausziehen.
Die Spitze des Eisbergs
Während einer Diskussion wird ein Problem erörtert. Ist das Problem unserer Meinung nach nur unzureichend beschrieben beziehungsweise nur oberflächlich erkannt, so ist nur „ die Spitze des Eisbergs “ sichtbar geworden. Das besagte Problem hat ungeahnte, nicht kalkulierbare Ausmaße.
Unsere Redensart ist ein Vergleich mit einem echten Eisberg. Nur ein Siebtel seiner Masse erscheint über dem Wasser. Die viel größere Teil liegt unterhalb des Wasserspiegels und ist eine große Gefahr für die Schifffahrt.
Die Würfel sind gefallen
Die Entscheidung ist unumkehrbar gefallen; jetzt können wir nichts mehr tun, wir haben keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis.
Julius Gaius Caesar ( 100-44 v. Chr. ) soll nach der Überschreitung des Rubikons gesagt haben : „Alea iacta est“ ( Der Würfel ist gefallen ). Diese Überlieferung bezieht sich auf den lateinischen Schriftstelle Sueton in seiner Biografie über Caesar.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde offensichtlich aus einem Würfel ein Würfelpärchen.
Eine andere Quelle ( Eramus von Rotterdam ) vermutet jedoch, das Caesar das griechische Sprichwort „Hochgeworfen sei der Würfel“ zitiert habe.
Wenn die Würfel erst hochgeworfen sind, ist die Entscheidung zwar noch nicht gefallen, da sie sich ja noch in der Luft bewegen, aber dass Ergebnis st dennoch unumkehrbar. (Autor Axel Kukuk 2008 08 17)
Die Zähne zeigen
Sind wir bereit, jemandem „die Zähne zu zeigen“, so wollen wir unsere Stärke zeigen. Wir wollen heftig und unerschrocken Widerstand leisten; komme, was wolle.
Diese Wendung stammt vom Verhalten der Hunde und anderer bestimmter Raubtiere ab.
Indem das Tier bei geschlossenem Mund die Lippen auseinander ziehen, so dass die Zähne sichtbar bleiben zeigen sie ( also die Zähne fletscht ) , zeigt er an: 1.) dass er Zähne hat - und 2.) dass er durchaus auch bereit ist, sie auch einzusetzen.
Oft reicht diese Drohgebärde schon aus, um den Gegner einzuschüchtern. So kann es auch sein, dass ein Vorgesetzter nicht gewohnt ist, dass einer seiner Mitarbeiten ihm „ die Zähne zeigt“. ( Axel Kukuk 2007 08 17)
Den gordischen Knoten lösen
Wir haben ein schier unlösbares Problem. Doch plötzlich, durch einen Geistesblitz, können wir auf ganz einfache Art du Weise lösen: Wir haben den gordischen Knoten gelöst. Unsere Redensart kommt aus der griechischen Sagenwelt.
Der gordische Knoten war ein scheinbar unlösbar verschlungener Seilknoten. Die Herrschaft über ein wurde demjenigen geweissagt, der in der Lage sei, den Knoten zu lösen. Alexander der Große hielt sich nicht lange mit der Problemlösung auf. Er zerschlug den gordischen Knoten mit seinem Schwert.
Der Elferrat
Der Elferrat ist die Organisationszentrales des Karnevals. 1823 wurde der Begriff eingeführt. Die linksrheinische Region war zu dieser Zeit von Frankreich besetzt.
In der Karnevalszeit dürfte man die Besatzer kritisieren: Man trug Uniformen und hatte wie die Franzosen einen Bürgerrat, den Elferrat. Seinen Namen bekam er, weil die zahl Elf die Zahl der Narren ist.
Eine andere Lesart ist, dass „E“ für „Egalite“ (Gleichheit ) steht , „L“ für Libertè ( Freiheit ) und „F“ für Fraternitè ( Freiheit ), also, leicht abgewandelt für die französische Trias steht.
Drei Kreuze machen
Gerade haben wir das Unangenehme erledigt und sagen:
„ Jetzt können wir drei Kreuze machen, das diese Sache vorbei ist.“
Diese Redensart kommt aus dem christlichen Bereich, in dem fromme Katholiken ( oder auch orthodoxe Christen ) sich nach Erledigung einer schweren oder unangenehmen Sache bekreuzigen und dann ein Stoßgebet in den Himmel senden, um sich bei Gott für den guten Ausgang dieser Sache zu bedanken. So wurden auch früher schnell drei Ave-Maria gebetet, um der Mutter Gottes Dank zu sagen. Orthodoxe Christen bekreuzigen sich auch heute noch drei Mal, für den Gottvater, den Sohn Gottes und den Heiligen Geist.
Dieser Spruch kann aber auch in die Zukunft gerichtet sein: „Ich mache drei Kreuze, wenn ich das erst überstanden habe.“ ( Axel KuKuk 2006 09 17)
Das Heft in die Hand nehmen
Nehmen wir das Heft in die Hand, übernehmen wir die alleinige Verantwortung für unser Projekt und bestimmen die weitere Vorgehensweise.
Mit unsrer Redensart ist nicht das Schulheft gemeint, obwohl der Lehrer mit dem Notenheft wohl Ähnliches bei seinen Schülern erreichen kann.
Das Heft meint den Griff des Schwertes. Wir nehmen also das Schwert fest am Griff und zeigen so den anderen, dass wir gewillt sind, es bei Widerspruch auch einzusetzen.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es
Das Zitat kommt aus Erich Kästners Sammlungen „Kurz und bündig“ aus dem Jahre 1950. Die Überschrift ist „Moral“ und will uns sagen, das nach unendlichem Gerede über gute taten letztlich nicht darauf an kommt, was und wie man mit wem bespricht, sondern letztlich nur durch das Handeln etwas bewegt werden kann.
Eine Schlafmütze sein
Tituliert man jemanden als Schlafmütze, handelt es sich bei der Person um jemanden, der nicht der Schnellste, der Aufgeweckteste ist. Der jenige hat nicht aufgepasst, er hat verschlafen.
Der Begriff geht auf die heute weitgehend unbekannte Kopfbedeckung für die Nachtruhe zurück. Durch die Schlafmütze verringerte man die Gefahr von Laus- und Flohbefall und zum anderen wärmte sie auch Kopf und Ohren.
Die Schlafmütze der Männer hatte die Form einer Zipfelmütze und die der Frauen die Form einer Haube.
Einen Faible für etwas haben
Sind wir für etwas total begeistert, haben wir „ein Faible“ für etwas. Ob dieses „Tokyo Hotel“ oder „Süßigkeiten „ sind, wenn wir diesen Faible für etwas oder jemanden haben, ist dieses oder jener unsere Schwäche.
Dieser Ausdruck kommt aus dem französischen Sprachraum und heißt dort „Faiblesse oder faible „ und das heißt „Schwäche“ auf Deutsch.
Man sagt ja auch - an diese Redewendung angelehnt - „Kuchen ist meine Schwäche“ oder auch „Wenn ich an Kuchen denke, werde ich schwach.“
„Schwach werden“ in diesem Sinne oder „Eine Schwäche haben für etwas/ jemanden“ ist eigentlich die Eindeutschung dieses „faibles“.
Eine Fahrkarte schießen
Gespannt sitzen vor dem Fernseher, Elfmeter…….. der Ball geht jedoch weit am Tor vorbei. Der Schütze hat „eine Fahrkarte geschossen“.
Diese Redensart hat zunächst einmal gar nichts mit dem Fußball zu tun, sondern kommt aus der Sprache der Sportschützen.
Schießt jemand zwar nicht in die Wertungsringe der Zielscheibe, trifft er aber die Scheibe immerhin, dann entsteht dort Loch. Dieses Loch erinnert die Schützen an das Lochen einer Fahrkarte, die vom Schaffner mit seiner Lochzange durch das Lochen entwertet wird. Dann hat de Schütze eine Fahrkarte geschossen; trifft er die Scheibe gar nicht, so heißt dieses: Fehlschuss;…wie auch sonst ?
Ein große Rolle Spielen
Im Theater wie auch im wahren Leben spielt jeder eine Rolle. Ob diese Rolle wichtig oder nicht ganz so wichtig, sehr groß oder eher klein ist, hängt von sehr vielen Faktoren und gesellschaftlichen Einflüssen ab.
Diese Redenart kommt aus der Sprache der Schauspieler. Es gibt hier - wie allseits ja bekennt - Haupt- und Nebenrollen.
Seit dem 17. Jahrhundert hatten Schauspieler ihre Texte auf Papierrollen geschrieben, die sie dann - übrigens ähnlich dem heutigen Teleprompter - ablesen konnten. War der entsprechende Text gesprochen, wurde die Rolle weiter gedreht.
Hauptdarsteller mit viel Text hatten logischer Weise eine größere Rolle, als ein Nebendarsteller mit wenig Text.
Wer also eine große Rolle mit vielen Textbeiträgen spielen durfte, spielte eine große Rolle.
Eine Finte
Wenden wir eine Finte an, so täuschen wir eine Aktion vor. Reagiert der Gegner auf unseren Täuschungsversuch, haben wir die Gelegenheit, unser eigentliches Ziel anzusteuern.
Der Ausdruck kommt aus der Fechtersprache. Hier gibt es unter anderem die Stoßflinte, die dann zur eigentlichen Umgehung der Abwehr des Gegners führt.
Natürlich werden auch in allen anderen Sportarten Finten geschlagen, was das Zeug hält. Aber die richten großen Finten finden wir im politischen oder militärischen Bereich.
Ein Sache deichseln
Wenn wir denken, dass wir die Sache schon irgendwie „deichseln“ können, dann meinen wir, dass wir diese Sache durch flexiblen Einsatz unserer Fähigkeiten zum guten Abschluss bringen können.
Unsere Redenart stammt aus dem Zeitalter der Pferdekutschen und insbesondere vom Lenken dieser Kutschen mit einer Deichsel. Die Deichsel ist an der beweglichen Forderachse des Wagens befestigt. Mit ihrer Hilfe können die Zugtiere ihre Arbeit verrichten.
Soll nun der unbespannte Wagen rangiert werden, so wird er mit der Deichsel gesteuert. Das funktioniert ähnlich dem Rückwärtseinparken bei unseren Autos. Es ist also nicht do einfach.
Ein Stichprobe nehmen
Wir haben das alle bestimmt schon einmal gesehen. Einkäufer von Kaffe, der in Jute-Säcken geliefert wird, stechen mit einem Metallrohr ähnlichen Instrument in den vollen Sack hinein, bohren einwenig darum herum, bis sich die Pipette mit einigen Bohnen gefüllt hat und zeihen diese dann wieder heraus. Durch schauen, riechen und kosten erhalten dann diese Fachleute Auskunft über die Qualität der ganzen Lieferung.
Auch in der Verhüttung von Eisen kommt diese Stichprobe vor. Nachdem die Schmelze erfolgt ist, werden die Hochöfen mittels eines Anstichs geöffnet, so kann das flüssige Metall in einer kleinen Menge ausfließen und wird zur Kontrolle der Qualität der gesamten Menge verwendet.
Ein Schäferstündchen halten
Wir treffen unsre neue Liebe zwischen vielen anderen Menschen. Wir sind total aufgeregt, wann können wir denn endlich mal „ein Schäferstündchen“ verbringen ?
Dabei ist es uns eigentlich egal, ob wir nur Kuscheln oder ab es vielleicht mehr wird. Wir wollen nur mal allein sein und Kuscheln.
Diese Redewendung stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Es herrschte damals eine idealistische Hinwendung zur Natur. Entsprechend kostümiert und mit Phantasienamen ausgestattet spielte man in diesen Schäferstündchen das anscheinend so naive und sehr liebevolle Landleben nach.
Ein unsicherer Kantonist
Kantonisten war eine im 19. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung für Dienstverpflichtete beim Militär, die weder der Gruppe der Freiwilligen noch derjenigen der Söldner zugerechnet werden konnten. Geprägt wurde der Begriff erstmals durch den polnischen Oberst R. Pastetzky im Jahre 1713.
Der Begriff steht im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Kantonssystem (auch Kantonsreglement), das durch Friedrich Wilhelm I., König von Preußen, im Jahr 1733 eingeführt wurde. Bei dieser verbindlichen Dienstpflicht aller Untertanen handelte es sich faktisch um eine Art von Wehrpflicht.
In Russland waren Kantonisten Kindersoldaten, die seit 1758 jedes Jahr zum Militärdienst eingezogen wurden und von ihrem achten Lebensjahr an auf Staatskosten erzogen wurden.
Diese Einrichtung wurde nach dem Krimkrieg 1856, mit dem Krönungsmanifest Alexander II. abgeschafft. Die Militärangehörigen siedelten sich daraufhin in ihren Garnisonsorten an.
Unsichere Kantonisten waren Wehrpflichtige, die sich dem Wehrdienst auf eine Weise entzogen, welche nicht den (schweren) Straftatbestand der Fahnenflucht erfüllte. Meyers Konversationslexikon von 1889 definiert sie als: "Junge Leute, welche sich der Gestellung entziehen, ohne sich der Fahnenflucht schuldig zu machen; verlieren das Losungsrecht und können außerterminlich eingestellt werden, wobei ihre Dienstzeit vom nächsten Einstellungstermin an rechnet."
Während der Begriff Kantonist als historisch gelten kann, hat sich der Unsichere Kantonist außerhalb des ursprünglichen militärischen Kontextes erhalten. Er bezeichnet heute als Redewendung eine wenig bis unzuverlässige Person. ( Quelle: Wikipedia 2007 09 03 )
Etwas auf sein Panier schreiben
Seit der Kindheit streben wir Menschen nach Individualisierung und nach dem besonderen Weg, der gerade uns auszeichnen soll. Glauben wir, diesen gefunden zu haben, schreiben „wir uns das aufs Panier.“
Dieser Ausspruch kommt wohl aus dem Mittelalter. Es handelte sich um einen Brauch der alten Ritter. Diese malten ihre Banner auf ihr Schild und sollte jedermann die Mission sehen, in der der Ritter unterwegs war.
Schilder und Fahnen mit Kreuzen wurden dann eben von den Kreuzrittern getragen.
An diesen Brauch werden wir noch heute zum Beispiel durch Fan-Artikel erinnert. Vom Bettzeug über den Schlafanzug, Pudelmütze, Schal, halt alles, wofür er Fan steht, trägt er mit sich herum.
Man denke auch nur an die verschiedenen Autoaufkleber, in denen sich der Halter outet, wofür der steht. ( Axel Kukuk 208 08 42 )
Es muss die Spreu vom Weizen getrennt werden
Auch die Menschen, die keine Landwirte sind, müssen oft „die Spreu vom Weizen“ trennen. Das Gute wird vom Bösen getrennt, die fleißigen von den Nichtfleißigen und das Sinnvolle vom Unsinnigen.
Am Ende eines jeden Schuljahrs werden die guten Schüler von den nicht so guten Schülern getrennt, und zwar durch das Sitzen bleiben. Es handelt sich hierbei also um einen Prozess der Auslese.
Der Landwirt drischt am Ende der Ernte den Weizen und andere Körner. Die Spreu als Abfallprodukt fliegt im Wind davon, das wertvolle Korn fällt direkt auf den Boden und wird verwertet.
Daher kommt also unser Ausspruch, aus dem Bereich der Landwirtschaft von vor ca. 100 Jahren. ( Axel Kukuk 2007 08 12 )
Es geht ans Eingemachte
Müssen wir ans Eingemachte gehen, so sind wir in einer Notlage und müssen unsere letzten Reserven angreifen.
Die existenzielle Bedeutung dieses Schrittes ist uns durchaus bewusst.
Früher, als es noch keine Tiefkühlkost, Konserven oder den Import von Obst und Gemüse aus fernen Ländern gab, kochte man Obst und Gemüse ein. Das kam dann in die Einmachgefäße und wartete den Winter über auf seinen Einsatz.
Waren alle frischen Essensreserven aufgebraucht, ging man dann ans Eingemachte.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder
Es ist etwas sehr Überraschendes, nicht Erwartetes geschehen. Wir sehr erstaunt über dieses nicht für möglich gehaltene Ereignis. Und zwar im doppelten Sinn: „Es ist ein Zeichen“ und ein „Wunder“.
Diese Zeichen und Wunder tauchen bereits mehrfach in der Bibel auf, beispielsweise im 2. Buch Moses 7,3, dort heißt es: „…dass ich meiner Zeichen viel tue in Ägyptenland.“
Auch in der deutschsprachigen Literatur, insbesondere in der neuhochdeutschen Zeit wird dieses sprachliche Doppel immer wieder verwendet, manchmal auch in umgekehrter Folge: „Wunder und Zeichen geschehen.“
Auch benutzt Schiller in seinem Wallenstein in der so genannten Kapuzinerpredigt folgende Worte:
„Es ist eine Zeit der Tränen und Not,
Am Himmel geschehen Zeichen und Wunder“
(Autor: Axel Kukuk 2007 08 16)
Etwas auf dem Kerbholz haben
Glauben wir, dass jemand etwas auf dem Kerbholz hat, so nehmen wir an, dass diese Person sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Bevor es die schriftliche Dokumentierung von Warenlieferung oder Arbeitsleistungen gab, wurde dies in einem Kerbholz erledigt.
Das Kerbholz bestand aus zwei Teilen. Beide Teile wurden aneinandergelegt und eingekerbt. Ein Teil bekam der Lieferant, das andere Teil der Leistungsempfänger. So waren beide über den jeweiligen Schuldenstand informiert. Wurden die Schulden bezahlt, wurde auch das Kerbholz entkerbt.
Etwas in petto haben
Haben wir etwas in petto, so haben wir etwas in der Rückhand. Unser Gegenüber weiß nichts davon, aber wir werden es rechtzeitig für uns einsetzen. Der Ausdruck kommt aus dem Italienischen.
„In petto“ bedeutet: „ In der Brust“ . Unser Geheimnis ist in unserer Brust verschlossen. Früher betrachtete man den menschlichen Rumpf, der Sitz des Herzens ist, als eigentliches Zentrum des Menschen. Hier wurde ein Geheimnis verwahrt - und bei Leibe nicht im Kopf.
Eine Marotte haben
Hat jemand eine Marotte so hat diese Person eine ziemlich ungewöhnliche Eigenheit, einen Tick oder eine schlechte Angewohnheit. Das Wort „Marotte“ kommt aus dem Französischen und bezeichnet eine kleine Heiligenfigur oder Puppe.
Die Narren des Mittelalters hatten auch eine „Marotte“. Das war eine Art Zepter mit einem Puppenkopf. Dieser war oft dem Kopf seines Besitzers nachgebildet. Mit ihm hielt der Narr, als Teil seiner Vorstellung, oft Zwiesprache.
Ein zweischneidiges Schwert
Empfindet man eine Sache als zweischneidiges Schwert, so hat diese Sache eine gute aber auch eine schlechte Seite. Man betont damit, dass die Sache nicht so einfach zu händeln ist und dass man vorsichtig sein muss.
Wir fragen uns: Ist ein Schwert denn nicht immer zweischneidig ? Säbel, Krummschwert und Messer haben jeweils nur eine Schneide. Mit ihnen muss man nicht ganz so vorsichtig sein. Das zweischneidige Schwert ist diesen technologisch hoch überlegen. Es stellt aber - wie auch andere hoch technisierte Waffen - eine Bedrohung für seinen Besitzer dar.
Ein großes Brimborium machen
Macht einer ein großes Brimborium um eine Sache, so redet er gern und viel und ist bemüht, sie mit zusätzlichen Aktionen zu unterstützen. Wir, als sein Gegenüber, stehen der Sache relativ normal gegenüber und sind verwundet über so viel Aktionismus.
Unser Ausdruck kommt aus dem Französischen. „Brimborion“ bedeutet hier so viel wie „Kleinigkeiten“. Im deutschen Volksmund bekam der Ausdruck eine lateinische Endung, statt „ion“ heißt es nun „ium“. Das klang gelehrter und war außerdem noch leichter auszusprechen.
Etwas an die große Glocke hängen
Wir haben eine vertrauliche Information erhalten, über die wir am besten nicht sprechen sollen. Wir sollen sie nicht in aller Öffentlichkeit preisgeben und die Sache auch nicht aufbauschen. Doch was passiert ? Wie hängen diese Information an die große Glocke.
Die Glocke war im Mittelalter eine gute Art der Unterrichtung der Bürger über besondere Vorkommnisse. So kennen wir die Sturmglocken, die vor Sturm warnten oder auch die Kirchenglocken die zum Gebet in der Kirche einlud. Aber auch zum Gerichtsversammlung rief man die Bürger per Glockengeläut auf; vor allem wenn es dann um private Fehden ging, wurde es durch das Glockengeläut der Allgemeinheit bekannt und so wurden diese Dinge auch in der Öffentlichkeit ausgetragen, also an die große Glocke gehängt ( Axel Kukuk 2008 08 30 )
Etwas checken
Jeden Tag müssen wir irgendetwas herausfinden oder überprüfen. Wenn wir schon etwas machen müssen, dann tun wir es natürlich auf Neudeutsch: „Wir checken es.“
Der Ausdruck kommt aus dem Englischen. Ursprünglich bedeutete aber „ to check“ Schach bieten.
Beim Schachspiel sind Angreifer und Verteidiger andauernd damit beschäftigt, alle Möglichleiten des Schachbietens oder des Verhinderns durchzuprüfen, also : abzuchecken.
Eine ruhige Kugel schieben
Wenn wir älter werden, lassen wir es nach einem unruhigen leben etwas langsamer angehen. Unser Hauptziel wird immer mehr, „ eine ruhige Kugel “ zu schieben. Die Regensart geht auf das Kegelspiel zurück.
Bei diesem geselligen Spiel kann man nicht gefoult werden. Schnelligkeit ist nicht unbedingt gefordert. Zwischen den Würfen kann man sich entspannen, plaudern und das ein oder andere Gläschen trinken. Wichtig ist nur, die Kugel nicht zu werfen, sondern sie mit Schwung, aber sanft und rund auf die Bahn zu setzen, eben: Die Kugel zu schieben.
Etwas auf die Hohe Kante legen
Hat jemand etwas auf der hohen Kante, so hat er Geld gespart, hat entsprechende Rücklagen gebildet. Auch diese Redwendung geht zurück in das Mittelalter. Die wohlhabenden Bürger hatten meist in Himmelbett mit extra hohen Kanten. Der Himmel des Bettes diente dazu, Ungeziefer fern zu halten, in den hohen Bettkanten waren kleine Schmuckkästchen eingebaut, in der der Schmuck und Bargeld direkt am Bett verwahrt wurde.
So hatten diese Bürger jederzeit einen Zugriff auf die Wertsachen, auch während sie schliefen. Wer also etwas auf der hohen Kante hatte, hatte Geld in der Bettkante ( Axel Kukuk 2008 08 30 )
Etwas ausmerzen
Es läuft nicht richtig rund. Die Fehler, die wir verursachen, müssen ausgemerzt werden. Sie müssen beseitigt werden. Aas Wort „ausmerzen“ ist von der Rechtschreibreform offensichtlich vergessen worden.
Es müsste von seinem Ursprung her mit umlaut - also mit ä - geschrieben werden. Es kommt vom Monatsnamen März. Der Ausdruck entstammt der Sprache der Schäfer: Im. Frühjahr, meistens im März, sortiert der Schäfer kranke und schwache Schafe aus der Herde aus. Er merzt sie aus.
Es knistert im Gebälk
Es liegt eine große Spannung in der Luft zwischen den Partnern. Es läuft schon seit geraumer Zeit nicht mehr so richtig, was beide spüren. Es knistert im Gebälk.
Diese Redewendung kommt sicherlich aus der Zeit der alten Holzhäuser. Bevor der Sturm so richtig aufkam und bisher nur leichte Boen den Dachstuhl des Hauses beeinflussten, knisterte es nur im Gebälk. Der Druck des Sturms oder auch von Schneemassen liegt den Holzdachstuhl erknistern. Es knistert im Gebälk ( in der Balkenlage ). Nach dem Knistern kann der große Krach kommen, des knallt in der Beziehung oder eben das Gebälk des Dachstuhls kracht zusammen.
( Axel Kukuk 2008 08 26 )
Etwas auf die eigene Kappe nehmen
Nehmen wir etwas auf die eigene Kappe, so übernehmen wir Verantwortung für etwas und sind uns über die Folgen eines eventuellen Misserfolges klar.
In der Redensart ist die Kappe als Teil einer Amtstracht zu verstehen.
Machten zum Beispiel der Richter, der Verwalter oder der Burgvogt etwas auf eigene Verantwortung - also, ohne einen Auftrag von den Herrschenden zu haben - und ging es schief, so kostete es sie zwar nicht Kopf und Kragen, aber Amt und Würde und letztlich auch die Kappe.
Fiasko
Was für ein Fiasko, entfährt es uns, wenn wir von einer Theatervorstellung berichten, die ein Reinfall war. So ein Fiasko kann sich aber auch im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichem Umfeld ereignen.
Der Ausdruck kommt aus dem italienischen. „Fisaco“ bezeichnete eine strohummantelte Flasche ( z. B. Chiantiwein)
War im alten Italien ein Stück durchgefallen, warfen die Italiener ihre vorher ausgetrunkenen Weinflaschen auf die Bühne. Essen und trinken zur Vorstellung mitzunehmen, was damals normal.
Fronleichnam
Das Fronleichnamfest wird immer am 2. Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Es ist ein rein katholischer Feiertag. Die Katholiken erinnern an das Letzte Abendmahl von Jesus Christus am Gründonnerstag und feiern die Verwandlung von Brot ( der Hostie ) und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi beim Abendmahl - einer der zentralen Glaubenssätze der katholischen Kirche.
Das Wort „Fronleichnam“ kommt aus dem Althochdeutschen. „From“ bedeutet „Herr“ und „Liknam“ bedeutet „der Leib“. „Der Leib des Herrn“ Also, im Kirchenlateinischen: „Corpus Domini“.
Gehe hin, wo der Pfeffer wächst
Wenn wir diese zu jemandem agen, dann wünschen wir unser Gegenüber sehr, aber auch sehr weit weg. Am besten nach Indien, was früher wirklich sehr weit weg war.
Indien gilt als Herkunftsland des Pfeffers. „Du kannst von mir aus dahingehen, wo der Pfeffer wächst.“ …oder auch „ Bleibe doch dort, wo der Pfeffer wächst.“ Das sind übliche Abwandlungen unserer Redewendung.
Auch eine andere Herkunft des Pfeffers wünscht unseren Gegenüber weit weg. Und zwar der „Cayenne Pfeffer“. Cayenne ist die Hauptstadt von Französisch Guyana, den größten französischen Übersee-Departemants - und gehört deshalb auch zur EU -. Vor der Küste von Cayenne liegt die „Teufelsinsel“, die von 1852-1946 französische Strafkolonie war. Über diese Strafkolonie schrieb Henri Charrière, seine Autobiografie „Papillon“, die auch mit Dustin Hoffmann und Steve McQueen verfilmt wurde. Egal, wenn Sie jemanden dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst, ist der sehr weit weg; Ob in Indien oder im Norden von Süd-Amerika ist doch auch eigentlich egal.
( Axel Kukuk 2009 09 05 )
Goldene Brücken bauen
Irgendetwas hast Du wohl total verkehrt gemacht, und nun möchte ich gern wieder, dass alles so ist, wie es vorher war. Ich möchte gern die Versöhnung einleiten, Dir eine goldene Brücke bauen. Woher kommt diese Redensart ?
Sie kommt aus der mittelalterlichen Kriegskunst. Es war als sinnvoll anzusehen, dass man den abziehenden Feind nicht in neue Kämpfe verwickelt um ihn aufzuhalten, sondern ihm notfalls „goldende Brücken“ baut, damit er ja möglichst schnell verschwindet.
So baut man einem guten Freund, der vielleicht einen riesigen Fehler begangen hat ja auch eine „Goldene Brücke „ zum Beispiel dadurch, dass man selbst von den eigenen Dummheiten und Fehlern erzählt.
Gut betucht sein
„Der fährt ein dickes Auto, der muss ja gut betucht sein.“
Oder „ Der muss sich ja keine großen Sorgen machen. Der ist ja bestimmt gut betucht.“
Diese Redeart kommt aus der Vergangenheit, aus der Zeit, als man noch an der Kleidung der Leute den Wohlstand ablesen konnte. Wer in besseren, hochwertigeren Kleidungsstücken herumstolzierte, trug mit Sicherheit auch ein „gutes Tuch’“, gemeint ist: Einen guten, hochwertigen und wohl auch teueren Stoff.
Diese Kleidungsstücke waren nicht nur Statussymbol, sondern auch eine Art Kapitalanlage, denn in eventuellen Notfällen, kommen man den teuren Stoff ja auch wieder versilbern, zu Geld machen. Auch legte man der Aussteuer für die Tochter immer gern teure Tücher, zum Beispiel teure Bettwäsche oder auch Stoffballen von erheblichem Wert bei.
Hokuspokus (..Fidibus, 3 x schwarzer Kater)
Diese Zauberformel, mit wir auch noch heute unsere Kindern amüsieren und zum Staunen bringen, stammt wohl aus dem 16. Jahrhundert. Zugrunde liegt wohl die pseudo-lateinische Formel „hax, pax, max, deus adimax“. Diese Formel wurde durch das Land fahrende Schüler verwendet und wurde dann wohl im Lauf der Jahrzehnte verkürzt.
Um dieses „Hokupokus“ möglichst noch magischer zu gestallten, wurde dann später das Fidibus ( Fidibus ist eigentlich ein gefalteter Papierstreifen, der auch als Pfeifenanzünder Verwendung fand) und dann noch der schwarze Kater ( drei Mal ! ) hinzugefügt. Als wenn ein schwarzer Kater für die Abergläubischen nicht schon schlimm genug wäre)
Heulen wie ein Schlosshund
Weint jemand laut und heftig, sagt man schnell: „ Du heulst ( oder: weinst) wie ein Schlosshund. “
Diese Redewendung entstammt literarisch Käthe Normann „ Tagebuch aus Pommern 1945-1946 “, in dem es heißt. „ Jetzt wurde mir aber das Herz so weh, dass wir beide heulten wie ein Schlosshund.“
Diese Redewendung bezieht sich auf die sehr lang gezogenen Laute, die ein Hund in einer offenen Landschaft oder von einer Anhöhe aus - vielleicht ja auch von einem Schloss aus - weithin hörbar ist. ( Axel Kukuk 2009 09 10)
In die Flitterwochen fahren
Unsere besten Freunde haben geheiratet. Die Feierlichkeiten haben allen Gästen sehr gut gefallen. Und was macht das Brautpaar nun: „Wir fahren jetzt erst einmal in die Flitterwochen! “
Flitterwochen..?? Woher kommt den dieser Begriff ?
Der Ausdruck kommt aus dem Althochdeutschen. Das Wort liebkosten hieß damals „filtarazan“. Im Mittelhochdeutschen wandelte sich das Wort dann in „gevlitter“. Das bedeutete so vier wie heimlich lachen.
Die Fortentwicklung dieses Wortes wiederum hießt dann „vlittern“, was so viel wie „kichern, albern sein, flüstern, liebkosen“ bedeutete.
Damit sind also die Abwandlungen und die Herkunft des Wortes „Flitterwochen“ beschrieben.
In Morpheus Armen schlummern
Wenn wir uns den ganzen Tag so richtig abgemüht haben und dann am Abend so völlig fertig sind, dann könnten wir uns nur so in das Bett fallen lassen und sofort einschlafen und dann „ schlummern wie in Morpheus Armen“.
Unsere Träume verarbeiten die Erlebnisse der vergangenen Zeit; egal, ob es sehr lang her ist oder sie sich auf Ereignisse am Vortag beziehen.
Man erahnt es schon, dass sich diese Redewendung auf die griechische Mythologie bezieht. Morpheus ist der Sohn des griechischen Hotte des Schlafes „Hypnos“ ( daher auch : Hypnose) und auch der zuständige Gott für Träumen.
Träume sind leider nicht immer nur schön, es können auch Albträume sein. Also gilt Morpheus auch als Gott des Traumdämons. Das Wort Morphium geht auf Morpheus zurück. ( Axel Kukuk 2007 10 20 )
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In den Wind reden oder auch Gegen den Wind reden Man sabbelt auf jemanden ein, um ihn hier oder davor zu überzeugen, schafft es aber trotz klarer und guter Argumente nicht. Es ist so, als wenn man gegen wind redet. Diese Wendung ist eine alte rhetorische und poetische Formel, die schon bei Ovid (röm. Dichter, 43 v. Chr. - 18 n. Chr.) und Lukrez (röm. Dichter, 97 v. Chr. - 55 n. Chr.) zu finden ist. Luther hat die antike Formel wieder entdeckt und sie verwendet, um eine Stelle des ersten Korintherbriefes zu übersetzen. Dadurch wurde die Formel auch wieder populär. Überhaupt hat die Wendung in den Wind dieselbe Bedeutung wie ein Schlag ins Wasser, nämlich die Sinn- und Nutzlosigkeit. ( Axel Kukuk/ arcor-home.de 2008 08 30 )
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Jemandem eine Laus in den Pelz setzen
Wenn wir jemanden ärgern wollen, müssen wir etwas anstellen, dass wir auch sicher sein können, dass es wirklich richtigen Ärger bereitet. Unser Spaß muss sich für uns lohnen. Also „ setzen wir jemandem eine Laus in den Pelz“.
Seit des Mensch und Tiere gibt es auch Läuse. Jahrhunderte lang lebten Läuse in unmittelbarer Nähe des Menschen, wenn nicht sogar aus seinen Körper. Gerade in Kriegszeiten oder auch in Zeiten großer Armut, waren die Menschen Körper ein perfekter Wirt für Läuse.
Nicht war also überflüssiger, als jemandem noch eine zusätzliche Laus in den Pelz ( auf die Haut) zu setzen. Da waren ja schon genug andere.
Jemanden am Gängelband führen
Ein Gängelband benutzte man früher bei Kindern als so eine Art Laufleine oder noch besser: So eine Art Hundegeschirr. Wenn wir nun jemanden am Gängelband führen, dann bevormunden wir ihn andauernd, wir hindern ihn daran, selbständig Entscheidungen zu treffen. Derjenige, der am Gängelband geführt wird, ist kaum selbst bestimmt, sondern fast nur fremdbestimmt.
Stellt man sich vor, dass das Kind in dieser Art von Hundgeschirr geführt wird, ist die Bewegungsfreiheit doch extrem eingeschränkt. Das Kind kann sich nur in einen von seinen „Führern“ vorgegebenen Rahmen einwenig nach rechts oder ein wenig nach links bewegen. Eltern, die ihr Kind an diesem Gängelband führen, geben nicht nur die Richtung des Fortkommens vor, sondern lassen auch keine Entwicklung des Kindes zu.
Jemanden in Rage bringen
Können Kinder nicht die Eltern richtig in Rage bringen ? Man versucht es im Guten, wird dann energischer und vielleicht auch etwas lauter, wir versuchen es mit allen Mitteln, das erwünschte Verhalten zu erreichen. So
langsam geht uns die Fantasie aus, mit welchen Mitteln wir das erreichen können, wir kommen richtig in Rage.
Woher kommt dieses Wort ?
Im englischen Sprachgebrauch heißt „rage“ Wut, Zorn, Sucht oder auch Gier. Ins deutsche geriet diese Redensart aber wohl über die französische Sprache. „La rage“ im französischen hat die gleiche Bedeutung wie in englischen: „Wut“. Der deutsche Adel sprach vom ca. 12. bis hin ins 19. Jahrhundert vornehmlich französisch. Es schwappten immer wieder diese „vornehmen Worte“ des Adels auf das Bürgertum über und wurde dann mehr und mehr auch Bestandteil des bürgerlichen Sprachgebrauchs.
( Axel Kukuk 2009 09 12)
Lehrgeld bezahlen
Mit dieser Redewendung soll zum Ausdruck gebracht werden, dass man durch Unerfahrenheit Schaden erleiden kann. „Bis wir das Ziel erreicht hatten, mussten wie eine Menge Lehrgeld bezahlen“.
Diese Redenart geht auf das Handwerk im Mittelalter zurück. Der Auszubildende hieß damals Lehrling und dessen Eltern mussten tatsächlich dem Handwerksmeister ein Lehrgeld bezahlen, damit dieser die Ausbildung des Sohnes übernahm.
Damals wurde der Nachwuchs in einem bestimmten Beruf vor allem innerhalb der Familie rekrutiert. Wenn nun der Meister, der häufig auch der Onkel oder ein ähnlicher verwandter des Lehrlings war, ein zusätzliches Einkommen für die Ausbildung bekam, hatte er wohl kaum etwas dagegen einzuwenden.
Mit etwas Spicken
Dieses „ spicken“ hat mit dem abspicken in der Schule nichts zu tun. Es geht darum, etwas mit „Speck zu versehen“. So „ spicken“ wir unsere trockene Sprache mit scheinbar intelligenten Redewendungen wie diese.
Wir kennen dieses „ spicken“ aber auch noch aus der Hausmannküche. Ein trockener Hasenrücken, an sich eine Delikatesse, aber eben ein eher trockenes weil fettarmes Fleisch, wird mit Speckstückchen bespickt. Diese Speckstückchen werden mittels einer Stricknadel durch das Fleisch gezogen und mit gebraten. So bestickt, schmeckt der leckere Braten nicht so trocken, spicken wir unsere Sprache hin und wieder mit Redewendungen, ist sie sich nicht so trocken. ( Axel Kukuk 2009 09 18)
Formatierung
Trübsahl blasen
Die Herkunft dieser Redewendung ist nicht eindeutig erklärbar. Es gibt unterschiedliche Versionen. Vielleicht kommt dieser Ausspruch aus dem landschaftlich gebräuchlichen „ Trauer blasen“; meint die Blasmusiker bei einer Beerdigung, die mit langsamer, schwerer Musik und dunklen, tiefen Tönen die Trauergäste in die entsprechende Stimmung zur Beerdigung bringen. So sagt man doch auch zu den traurig erscheinenden Kindern um sie aufzumuntern: „Nun hört mal auf, Trübsal zu blasen.“
Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, das Taucher beim Tauchen in trüben Gewässern beim Ausatmen ihre Sauerstoffs „Trübsal Blasen“. Woher also dieser doch häufig verwendete Ausspruch kommt: Man weiß es nicht genau. ( Axel Kukuk 2007 09 06 )
Kapriolen machen
Wenn wir einer Person wundervolle Einfälle oder „verrückte“ Ideen mit allerlei Unsinn attestieren, „ schießt sie Kapriolen“ oder „macht sie Kapriolen“.
Die Herkunft dieser Redewendung „Kapriolen“ ist mehrfach belegt:
a.) der Tänzer im Tanztheater macht sehr kunstvolle Luftsprünge, ohne jeden Respekt bezeichnete man sie im 16. Jahrhundert auch als Bocksprünge ( Capriola)
b.) Ein lustiger Sprung oder eine Artistische Vorführung im Circus oder Varietee wird auch als Kapriole bezeichnet
c.) oder eben die lustige Nummer eines Zirkusclowns, die die Leute zum Lachen bringt, heißt auch heute noch Kapriole.
d.) Den Kunstsprung eines Reitpferdes der Hohen Reitschule in der klassischen Reitkunst wird auch noch als Kapriole bezeichnet
Die Herkunft dieser Redensart ist also mehrfach abgeleitet. ( Axel Kukuk 2009 09 19)
Starallüren haben
Es gibt manche Stars, die haben ein ganz besonderes Verhalten in der Öffentlichkeit. Sie zeigen ein Verhalten, dass sich bei Weitem von denen eines „Normalbürgers“ abhebt. Das Wort „Allüren“ leitet sich aus der französischen Sprache ab und bedeutet so viel wie Gangart, Tempo, aber auch Benehmen.
Heute verwenden diese aus dem 19. jahrhundert stammenden Redensart bei Menschen, wie wir nicht besonders mögen. Aus unserer Sicht verhalten diese sich komisch und auffällig. Das hat jemand „ Starallüren“ und ist noch nicht einmal ein Star, er spielt sich halt nur so auf. ( Axel Kukuk 2009 09 05 )
Vom Hundertsten ins Tausendste kommen
Wir unterhalten uns mit jemandem, der Gesprächspartner kommt langsam aber sicher vom eigentlichen Thema ab, er erzählt immer und immer mehr Nebensächlichkeiten, er kommt vom Hundertsten ins Tausendste. Der eigentlich Sinn des Gesprächs oder auch das angefangenen Thema selbst gerät mehr und mehr ins Vergessen. Das kommt davon.
Diese Redewendung bezieht sich wohl auf die im 17. Jahrhundert vielfach benutzte Rechenbank. Diese Redenwendung bezieht sich darauf, dass jemand beim Rechnen von den Hunderten gleich auf die Tausender sprang, also die 200, 300, 400 und so fort einfach ausließ, entweder durch einen Rechenfehler, oder weil er seinen Gegenüber betrügen wollte. ( Axel Kukuk 2008 09 02 )
Mit Speck fängt man Mäuse
Da fragen sich die Regierenden jedes Mal vor der neuen Wahl: Wie kommen wir an die Stimmer der Wähler. Dann werden häufig Wahlversprechen gemacht, um sie dann später doch nicht einzuhalten. So fängt man mit Speck Mäuse.
Das Sprichwort besagt, dass man mit einem verlockenden Angebot jemanden dazu bewegen kann, das Gewünschte zu tun.
Wenn man eine Maus auf dem Dachboden vermutet, und dann eine Mausefalle aufstellt, bespickt man die auch heute noch mit Speck, manchmal auch mit Käse um die Maus in die Falle zu locken.
Wenn Sie Werbung eines Kaufhauses für bestimmte sehr kostengünstige Artikel in der Zeitung sehen - ist das denn der Speck - und die Massen strömen dann zu diesen Kaufhaus hin - sind das die Mäuse. Es funktioniert also fast immer: Mit Speck fängt man Mäuse oder durch geschickte Werbung fängt man Kunden. ( Axel Kukuk 2008 08 28)
Irgendwie gehört es wohl dazu, wird von vielen nahezu romantisierend als Teil des Schauspielerjobs erfasst, doch für viele ist es einfach nur ein Problem. Irgendwie fühlt es sich ein wenig so an wie bei den ganz wichtigen Rendezvous in der Pubertät, ist beinahe so wie Schmetterlinge im Bauch, manchmal ist es aber auch noch viel schlimmer.
Sich kringeln vor Lachen
Der Witz war gut, wir lachen total heftig in der Gruppe, wir kriegen uns kaum ein, schnappen nach Luft, Lachtränchen fließen, alle wie wir da sind kringeln wir uns vor lachen. Doch, woher kommt der Ausdruck, „sich vor Lachen kringeln “ ?
Einen Kringel kennen wir doch vom Bäckereifachgeschäft, es handelt sich um ein Hefeteiggebäck mit sehr unterschiedlichen Füllungen. Die Form dieses Kringels entspricht einem Halbkreis.
Wenn wir uns jetzt alle oder jeder für sich allein vor lachen kringeln, beugen wir uns nach vorn, halten uns den Bauch, bekommen durch die Haltung einen Buckeln und sehen von der Seite aus die der Kringel beim Bäcker, so ist es halt: Wir kringeln uns vor Lachen.
( Axel Kukuk 2008 08 25)
Sturm im Wasserglas
Was haben wir uns aufgeregt. Was war das für ein Theater. Es war ein Sturm im Wasserglas. Viel Aufregung um so gut wie Nichts.
Diese Redewendung ist nicht auf eine Komödie gleichen Namens von Bruno Frank ( 1887-1945) zurückzuführen. Vielmehr entstammt sie wohl dem französischen Staatsreformer Montesquieu. Er soll Unruhen in der kleinen Republik San Marino als „tempete dans un verre d` eau“ bezeichnet haben.
Aber auch Montesquieu hatte wohl sprachliche Vorbilder in der Antike. Der römische Politiker und Schriftsteller Cicero ( in. 1. Jhr. v. Chr. ) soll zum Beispiel die Redewendung „excitare fluctus in simpulo“ benutzt haben, zu deutsch: „Stürme in der Schöpfkelle erregen.“
So wurde im Laufe der Zeit aus „Stürme“ „ der “Sturm“ und aus einer Schöpfkelle ein Wasserglas. Wir sehen, dass auch Redenwendungen mit der Zeit gehen und sich verändern können. ( Axel Kukuk 2008 08 24)
Jemanden in seine Schranken weisen
Mit dieser Redewendung weisen wir jemanden zu Recht, er soll in seinem verhalten in den Bahnen bleibe, nicht zu sehr extreme Verhaltensweisen an den Tag legen.
Im Mittelalter bezeichnete man als „Schranke“ die Bahn, in der Ritter bei Turnieren zu reiten hatten. Um den Zusammenstoß zweier Ritter zu verhindern, wurden die Bahnen durch eine Absperrung voneinander getrennt.
Wurde ein Ritter „in die Schranken“ gewiesen, wurde ihm die Bahn zum Kampf vorgegeben. Diese durfte er unter keinen Umständen verlassen, ansonsten wurde er wieder von anderen in die Schranken gewiesen. ( Axel Kukuk 2008 08 30 )
Sodom und Gomorrha
Dein Kinderzimmer sieht aus wie Sodom und Gomorrha ! ...schimpfen manche Eltern…oder „ es geht hier zu wie in Sodom und Gemorrha.“ Solche und ähnliche Aussprüche kennen wir alle, haben wir doch alle schon einmal gehört. Doch woher leitet sich diese Redewendung ab ?
Im Alten Testament im Buch Mose ( I. Moses 18 und 19) wird von den Sünden und der Lasterhaftigkeit in diesen beiden Städten berichtet. Der Begriff steht aber auch ein großes Durcheinander. Ausschweifungen und Sittenlosigkeit waren in Soddom und Gomorrha wohl an der Tagesordnung.
Als Strafe ließ der Herr „Schwefel und Feuer regnen“ und beide Städte wurden vernichtet.
Auch leitet sich der Begriff der „Sodomie“ von dem Städtenamen Sodom ab. ( Autor: Axel Kukuk 2008 08 21)
Jemanden dingfest machen
Ein Gesetzesbrecher wird jemand von der Polizei festgenommen und verhaftet. Es gelang der Polizei den Täter innerhalb von kurzer Zeit dingfest zu machen.
Solche oder sehr ähnliche Schlagzeilen kenne wir doch, aber woher kommt diese Redewendung ?
Das „Ding“ war ursprünglich das Gericht. In der germanischen Rechtssprechung wurde mit „Thing“ die Versammlung freier Männer bezeichnet, die über andere Gericht halten durften.
Das Wort „dingfest“ wurde aus dem Gegenwort „dingflüchtig“ abgeleitet. Wer also auf dem Gericht geflohen war, galt als „dingflüchtig“, wer dem Gericht zugeführt werden kann, gilt als „dingfest.“ ( Autor: Axel Kukuk 2008 08 19)
Von Tuten und Blasen keine Ahnung haben
Wer hier an Tätigkeiten aus dem Bereich der käuflichen Liebe denkt, liegt falsch. Dem Sinne nach, besagt dieser Spruch, dass man von einem bestimmten Tun, nicht die geringste Ahnung hat, man versteht überhaupt nichts davon.
Diese Redenwendung stammt aus der Zeit, als die Nachtwächter noch vom Kirchturm bliesen. Die Nachtwächter waren eine der unteren Berufsgruppen. War unter dieser Berufsgruppe ein absoluter Anfänger oder Taugenichts, hatte dieser keine Ahnung vom Tuten und Blasen und musste so als besonders dumm angesehen werden. ( Axel Kukuk 2008 08 29)
Wie aus einem Guss
Wir hören eine Lesung. Spannend von Anfang bis Ende, ohne jegliche Fehler, und dann noch mit Spannung vorgetragen. Dieses war „wie aus einem Guss.“
Wie das Wort „Guss“ schon andeutet, kommt diese Redewendung von Giessen, Hauptwort: der Guss. Es ist also nicht der „ Regenguss“ gemeint, obwohl sich mit Sicherheit eine Wortverwandtschaft herleiten lässt.
Größere eiserne Statuen und andere Kunstwerke konnten noch nicht in einem Teil hergestellt werden, sie mussten verschraubt oder zusammen genietet werden. Oder sie wurden am Ort der Aufstellung zusammen geschweißt. Das hinterließ hässliche Schweißnähte, die auch als erstes zu rosten begannen. Die dann notwendigen Schweißnähte sollten möglich unauffällig sein, damit alles wie „ aus einem Guss“ erstellt erschien.
Die ersten „Eingusswerke“ waren vor allem Kirchenglocken. (Autor Axel Kukuk 2007 08 17)
jedes Wort auf die Goldwaage legen
Die Redensart findet sich bereits seit der Antike in der Rhetorik, wo sie von Verro und Cicero (röm. Schriftsteller) gebraucht wurde.
Luther hat eine Bibelstelle (Sirach 21,27,28,29) mit der Wendung übersetzt: "Du wägest dein Gold und Silber ein; warum wägest Du nicht auch Deine Worte auf der Goldwaage?"
Diese Stelle hat entscheidend zum Eindringen der Redensart in die Umgangssprache beigetragen, in der sie seit dem 16. Jh. oft gebraucht wird. ( Quelle: arcor-home.de 2008 08 29)
In den sauren Apfel beißen müssen
Wir müssen uns entscheiden, die Folgen dieser Entscheidung könne wir nicht umgehen, obwohl wir es unbedingt wünschen. Wir müssen in den sauren Apfel beißen.
Die erste Erwähnung dieser Redewendung beziehungsweise dieses schönen Sprachbildes findet sich schon bei Martin Luther, aber man kann davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine wesentlich ältere Redewendung handelt. ( Axel Kukuk 2008 08 29 )
Jemanden unter die Haube bringen
Wollen „wir jemanden unter die Haube bringen“, so möchten wir nicht den Automechaniker unter der Motorhaube sehen, sondern wir möchten unsere Tochter verheiraten.
Die Redenart geht aus den germanischen Brauch zurück, dass nur unverheiratete Frauen ihr Haar offen tragen durften und verheiratete Frauen eine Kopftracht trugen.
Waren die Frauen erst verheiratet, mussten sie sich eine Haube aufsetzen. So konnten die Freier bereits auf den ersten Blick erkennen, welche Braut noch zu heiraten war. (Axel Kukuk 2007 08 17)
Steckenpferd
Diese Redewendung ist angelehnte Übersetzung aus dem englischen „to ride one`s hobby horse“ und wird scherzhaft übersetzt mit „sich einer Liebhaberei widmen.“
Hat man ein „Steckenpferd“, beschäftig man sich in der Freizeit mit kleinen Liebhabereien.
Man sammelt etwas, malt oder tut sonst etwas, das einem keinen Profit bringt, dafür aber herrlich entspannend ist.
Der Ausdruck stammt aus auch aus einem Kinderspiel: einem Holzstecken mit einem Puppenpferdekopf. Als Kind konnte man auf einem solchen Pferd wundervoll reiten.
Im Englischen heißt dieses Spielgerät - wie erwähnt- „hobbyhorse“ und so schließt sich der Kreis, denn obige Beschäftigung heißt im Neudeutschen „Hobby“. ( Axel Kukuk 2008 08 21)
Spatzenhirn
Ruft uns jemand zu: „Du Spatzenhirn !“, so will uns diese Person beleidigen. Bei Licht betrachtet beruht diese Beschimpfung auf mangelndem Wissen. Spatzen, auch Sperlinge genannt, sind nämlich sehr intelligente Tiere.
Sie sind gesellige und soziale Tiere. Gefressen wird nur im Gruppenzusammenhang. Findet ein Spatz Nahrung, ruft er die anderen herbei und fängt erst zu essen an, wenn diesen anderen angekommen sind. In der Stadt lebende Spatzen hat man schon beobachtet, wie sie, die am Autolack klebenden Insekten abernten.
Ross und Reiter
Soll uns jemand „ Ross und Reiter’“ nennen, so möchten wir von dieser Person klipp und klar wissen, wer hinter gewissen Anspielungen steckt und welche klar umrissenen Ziele diese Person hat.
Unsere Redensart kommt aus dem Mittelalter. Bei Ritterturnieren wurden beide Kontrahenten vor Kampfbeginn dem Publikum vorgestellt. Auch der Name der tapferen Pferde wurde nicht vergessen. Dies musste geschehen, da nur Eingeweihte den Ritter an seinen Farben und seinem Wappen erkennen konnten.
Mit jemandem quitt sein
Sind wir mit jemandem quitt, so haben wir alle finanziellen Verbindlichkeiten erledigt oder wir haben alle menschlichen Angelegenheiten ausgeglichen. Wir sind so allen weiteren Verpflichtungen enthoben.
Unsere Redenart kommt aus dem lateinischen. „Quitte“ bedeutet so viel wie: nichts mehr schuldig sein, frei, los und ledig sein. Die Quittung - als Zahlungsbeleg - hat hier auch ihren Ursprung.
Man hat schon Pferde kotzen sehen
Etwas Unglaubliches soll passieren. Wir bekräftigen unsere Zuversicht mit dem Spruch: „Man hat schon Pferde kotzen sehen.“ Das soll heißen, dass man schon unglaubliche Dinge erlebt hat.
Unsere Redensart geht auf eine Eigenart der Pferde zurück. Pferde übergeben sich nicht. Denn bei ihnen liegt zwischen Speiseröhre und Magen ein sehr starker Schließmuskel. Dieser Muskel verhindert den Rückgang des Mageninhalts.
Nur selten - zum Beispiel bei einem Darmverschluss - kann es passieren, dass der Mageninhalt zurückgedrückt wird. Er tritt dann aber meistens aus der Pferdenase heraus.
Nach uns die Sintflut
Die - angeblich - globale Klimaerwärmung macht uns hilflos und man einem kommt der Gedanke: „Nach uns die Sintflut.“
Ob es der Klimawandel ist oder die Staatsverschuldung, die Auswirkungen auf die folgenden Generationen sind uns egal. Vielleicht klingt bei unserer Redensart unbewusst der Wunsch nach göttlicher Nachbesserung mit. Wie das Alte Testament in der Bibel beschreibt, trieben es die Menschen vor der Sintflut ähnlich bunt wie heute. Gott war unzufrieden und schickte die Sintflut als eine Art finaler Waschgang.
Jemanden abkanzeln
Haben wir jemanden abgekanzelt, so haben wir ihn von oben herablassend kritisiert, zurechtgewiesen und ihn so richtig auseinander genommen.
Unser Ausdruck stammt aus der Kirchensprache. Der Pfarrer steigt auf die Kanzel und beginnt mit seiner Predigt.
Nun konnte es im Laufe seiner Predigt passieren, dass ein Gemeindemitglied herausgenommen und hart kritisiert wurde. Kein Gemeindemitglied war davor geschützt.
Anstelle Erbauung zu erfahren, wurde man an solchen Tagen von der Kanzel ausgehen, „abgekanzelt“.
In eine Sackgasse geraten
Geraten wir beim Versuch, ein Problem zu lösen in eine Sackgasse, so müssen wir erkennen, dass es so nicht weitergeht und wir an einer andere Stelle von vorne beginnen müssen.
Unsere Redensart geht auf die Gasse oder die Strasse zurück, die an einer Häuserwand oder sonst einem Hindernis endet.
Gerät man in eine solche Gasse, kommt man nicht weiter, da muss umkehren und dann diese Sackgasse umgehen.
Keinen Pfifferling wert
Ist etwas keinen Pfifferling wert, so ist es absolut nichts wert.
Unsere Redensart stammt aus dem Mittelalter. Zu dieser Zeit war Deutschland viel mehr bewaldet als heute Dementsprechend gab es viel mehr Pfifferling zu ernten. Der Pilz war in Massen vorhanden und somit auch nicht viel wert.
Heute dagegen ist der Pfifferling eine Delikatesse und kostet richtig viel Geld. Alle Versuche, Pfifferling zu züchten, schlugen bisher fehl. Die meisten hier erhältlichen Pfifferlinge kommen mittlerweile aus Osteuropa.
Vor Neid platzen
Platzt jemand vor Neid, ist er total aufgeregt, lässt keine Ruhe, und bläht sich im wahrsten Sinne des Wortes auf.
„Wie können die sich das nur leisten…“
Diese Redewendung geht auf eine Fabel der römischen Fabeldichters Phaedrus (um. 20 v.Chr. - ca. 50 n. Chr.) zurück. In dieser Fabel geht es darum, dass ein Forsch ienem Ochsen seine Größe und seine Kraft neidet. Jetzt will dem Ochsen beweisen will, dass er größer und stärker ist als er.
Also fängt der Frosch sich aufzublähen und bläht sich weiter auf und immer weiter, bis er platzt. ( Axel Kukuk 2007 08 30 )
In Harnisch bringen
Haben wir jemanden in Harnisch gebracht, natürlich, ohne es zu wollen, so ist diese Person richtig zornig auf uns.
Unsere Redensart stammt aus dem Mittelalter. Wurde damals ein Ritter von jemandem gereizt, war ein Kampf unvermeidlich. Der Ritter zog seine Rüstung an, er war nun in Harnisch zum Kampf bereit.
Ursprünglich wurde mit „Harnisch“ nicht nur der Körperpanzer des Ritters bezeichnet, sondern auch seine komplette Ausrüstung.
Dunkel war der Rede Sinn
Wir verstehen etwas nicht. Das teilen wir unserem Gesprächspartner auf möglichst gebildete Art und Weise mit: “Dunkel ist deiner Rede Sinn.“ Unsere Redensart stammt aus der Ballade „ Der Gang nach dem Eisenhammer “ von Friedrich von Schiller ( 1759-1805 ).
Der Knappe Fridolin soll einer Intrige zum Opfer fallen. Er entgeht ihr. Auf die Frage, was er am Eisenhammer gehört hat, sagt Fridolin:
„ Herr, dunkel war der Rede Sinn,
zum Ofen wies man lachend hin:
Der ist besorgt und aufgehoben,
der Graf wird seiner Diener loben“.
Keinen Mumm in den Knochen
Haben wir keinen Mumm in den Knochen, so fehlt es uns nicht an der gleichnamigen Sektsorte, sondern wir sind irgendwie abtriebs- und kraftlos.
Das Wort Mumm ist die Abkürzung des lateinischen Wortes: „Animus“, was so viel wie Mut, Leidenschaft und auch Tatkraft bedeutet.
Sind wir mit dieser Tatkraft nicht gesegnet, so haben wir auch ein entsprechendes Körperbild: Mit gesenktem kopf und hängenden Schultern schleichen wir durchs leben, als wenn unsere Knochen aus Gummi wären.
Jemanden gewogen sein
Die Waage ist das Sinnbild für gerechten Ausgleich und die Unparteilichkeit. Wenn sich diese Waage, bildlich gesprochen, auf die Seite einer Person neigt, dann bedeutet dies, dass diese Person zusätzliche positive Aspekte in die Waagschale werfen kann. Eine andere Deutung der Wendung geht in die Richtung, dass man sich vorstellt, gefühlsmäßig ausgeglichen zu sein, das heißt nicht für die eine oder die andere Person auszuschlagen. Dieses übermittelte Bild der charakterlichen und moralischen Bewertung ist uralt. Man kann es auch schon im Alten Testament, in "Menetekel" finden ( Buch Daniel 5, 25 - 27): "Eine geheimnisvolle Hand hatte an die Wand des Palastes des Königs Belsazar die Worte > Mene Tekel < geschrieben. Keiner der Weisen des Königs konnte diese deuten, bis auf Daniel. Seine Deutung war: Mene, das ist: Gott hat dein Reich gezählt und vollendet...., Tekel, das ist: man hat dich in einer Waage gewogen und zu leicht gefunden." So bleibt mir auch diesmal gewogen, Euer Thomas von Gleni Arcor-home.de 2008 08 30
Patt-Situation
Sind wir einer Auseinandersetzung in eine Patt-Situation geraten, so gibt es weder Seiger noch besiegte. Patt ist ein Begriff aus dem Schachspiel. Einigt man sich im Schach auf ein Unentschieden, so endet die Partie Remis.
Patt eine Sonderform des Unentschieden. Der gegnerische König steht nicht im Schach, aber mit dem nächsten Zug würde er unweigerlich ins Schach geraten. Da man einem König einen solchen Selbstmord nicht zumuten möchte, ist hier ein Patt entstanden.
Jemanden schröpfen
Ist jemand geschröpft worden, so ist die diese Person hereingelegt worden und hat dadurch viel Geld verloren. Schröpfen ist ein traditionelles Therapieverfahren und wird auch heute noch in der Alternativmedizin angewandt.
Der Arzt nimmt ein Glastöpfchen, erhitzt das Innere des Glases und setzt es auf den Rücken des Patienten.
Durch den Unterdruck im Glas saugt es sich fest. Der Unterdruck soll eine Ausleitung der krankmachenden Schadstoffe über die Haut erreichen. Beim Blutigen Schröpfen wird die Aufsatzstelle eingeritzt. Blut tritt aus der Wunde.
Tabula rasa machen
Wollen wir Tabula rasa machen, so wollen wir endlich reinen Tisch machen, also alle Probleme letztlich klären und noch einmal ganz von vorn anfangen.
Unser Ausdruck kommt aus dem Lateinischen. „Tabula rasa“ bedeutet: die „geglättete Tafel“.
Eine Tabula rasa war ein eine kleine Tafel, mit einer wächsernen Schreinfläche. Eingeritzte Schriftzeichen konnte man wieder glatt drücken. Ein Organizer der Vergangenheit.
Schwer auf dem Quivive sein
Ist jemand schwer auf dem Quivive, so ist die Person ein kluger, hellwacher Mensch.
Unsere Redensart stammt aus er Zeit des deutsch-französischen Krieges von 1870/71. Hier wollten die französischen Wachposten wissen: „ Qui vive ? “, was wörtlich eigentlich „Wer lebt ? “ bedeutet, aber letztlich
„ wer da ?“ meint.
Die deutschen Soldaten übertrugen den Wachruf in die deutsche Sprache.
Sich sputen
Wir haben verschlafen. Um noch pünktlich zur Arbeit zu kommen, müssen wir uns ordentlich sputen, wir müssen uns ordentlich beeilen.
Unser Ausdruck stammt aus dem Althochdeutschen. „Spout“bedeutete so viel wie Eile oder Eifer. Auch das englische Wort „ Speed“ hat einen ähnlichen Ursprung.
Im Plattdeutschen wurde daraus: „Spuden“, aus dem wiederum unser heutiges „sputen“ entstand.
Nach Jahr und Tag
Diese Wendung hat ihren Ursprung in einer alten Rechtsformel, die der Jahresfrist noch einen Tag hinzufügte.
Ursprünglich verwies die Formel auf eine Frist von einem Jahr, sechs Wochen und drei Tagen, da das Landgericht zu Zeiten Karls des Großen (747-814 n.Chr.) alle sechs Wochen für drei Tage tagte. Die Einspruchszeit verjährte genau nach dieser Frist und das Urteil war nicht mehr anfechtbar. ( Quelle: arcor-home-.de 2008 08 29)
Schachern
Handeln wir bei einem Kauf den Verkäufer so weit herunter, dass ihm die Tränen in den Augen stehen, so verstehen wir uns auf die Kunst des „Schacherns“.
Unser Ausdruck stammt aus dem Jiddischen. Der „Schacherer“ ist das Wort für den „Handelsmann“. Da die Juden im Mittelalter kein Land erwerben durften und ihnen andere Berufe durch die christliche Zunftordnung verwehrt waren, lebten sehr viele von ihnen vom Handel. So wurde oft der Begriff des „Schacherers“ gleichgesetzt mit „Jude“.
Jemanden an der Nase herumführen
Machen wir jemandem falsche Hoffnung und treiben wir mit ihm obendrein noch unseren Scherz mit ihm, so „führen wir ihn an der Nase herum“. Unsere Redensart stammt aus dem Mittelalter.
Auf den Jahrmärkten waren Tanzbären eine beliebte Attraktion. Ehemals wilde Tiere, die dort das eine oder andere Kunststückchen aufführten. Ihre Tierbändiger zogen ihnen Ringe durch die Nase, um sie besser kontrollieren zu können. Dann konnten die Tiere an der Nase herumgeführt werden.
"Wir reden mit Engelszungen“
Wir reden betörend und beschwören, also mit Engelszungen, auf unser Kind ein: „Räume doch bitte Dein Zimmer endlich auf !“
In der Bibelübersetzung vom Martin Luther heißt es im ersten Korintherbrief (13, 1): "Wenn ich mit Menschen und Engelszungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle." ( Axel Kukuk 2008 08 29)
Gänsefüßchen
Setzen wir beim Schreiben etwas in „ Gänsefüßchen “, so heben wir das Wort besonders hervor oder kennzeichnen das Geschriebene als wörtliche Rede. Diesen schönen Namen haben die Anführungszeichen wegen ihrer älteren Schreibweise bekommen: << >>
Während die heutige Ausführung “…..…..“ Doch eher an Hasenöhrchen erinnert, wie schon der deutsche Schriftsteller Jean Paul ( 1763 - 1825 ) in seinem Buch „ Doppelwörter “ ( 1820) schrieb
Der Wolf im Schafspelz
Der Wolf säuselt uns mit Kreide in der Stimme zu: „ bei mir bist Du gut aufgehoben.“ Sein Pelz erinnert uns an unseren eignen. Wir fühlen uns wohl und behütet und schlafen ein - ob wir wohl auch wieder aufwachen ?
Unsere Redensart stammt aus der Bibel. Im Neuen Testament heißt es bei Matthäus 7; 15: „ Sehet euch vor, vor den falschen Propheten, die in Schafskleidung zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“
Unter die Gürtellinie
Hat uns jemand verbal in Schlag unter die Gürtellinie versetzt, so empfinden wir uns in einer Auseinandersetzung unfair behandelt.
Unser Gegenüber hat die unausgesprochenen Regeln des Anstandes verletzt. Der Ausdruck stammt aus dem Boxsport. Nach den Regeln zählen die Treffer, die oberhalb der Gürtellinie gelandet werden, während alle Schläge unterhalb mit Punktabzug, Verwarnung oder gar Disqualifikation bestraft werden.
Marode sein
Ist zum Beispiel ein Auto marode, so ist es total herunter gekommen. Unser Ausdruck stammt aus dem Mittelalter. Hinter dem Krieg führenden Soldatenheer zogen die „Marodeure“ her. Diese waren körperlich zu schwach zum Kämpfen.
Sie waren krank, verletzt und schmutzig: ein schlimmer Haufen. Um ihr Essen mussten sie sich selber kümmern und so plünderten sie auch noch die letzten Reste, die das Heer übrig gelassen hatte.
Jemanden etwas andrehen
Das Telefon klingelt. Wir heben ab und wieder einmal versucht es ein Callcenter, uns einen neuen Telefontarif oder eine noch preiswerte Flatrate anzubieten.
Unser Ausdruck kommt aus der Ganovensprache und gelangte von dort in die Sprache der Verkäufer. Ein fehlerhafter Verkaufsgegenstand wird dem Käufer so präsentiert, so gedreht, dass der Mangel vom Käufer nicht erkannt werden kann.
Woher kommt der Name Expresso ?
„Un espresso, per favore“. So schön unsere Bestellung bei unserem Lieblingsitaliener um die Ecke auch klingen mag, das Wort „Espresso“ stammt aus dem Französischen.
Der französische Begriff Cafè d´Expression heißt zu Deutsch so viel wie „gepresster Kaffee“ und spielt auf den druck bei der Brühung an. Übrigens: In Italien sagt niemand Espresso, dort nennt man den Espresso schlicht „Caffe“.
Gehörig bimsen müssen
Sommerzeit. In der Schule naht die Zeit der Versetzungszeugnisse. Einige Schüler haben einen blauen Brief bekommen. Ihre Versetzung erscheint gefährdet. Jetzt muss gehörig gebimst, sprich gelernt, werden, um es doch noch zu schaffen.
Unsere Redensart geht auf den Bimsstein zurück. Bekam man mit der Seife allein die Hände nicht sauber, kam früher der Bimsstein zum Einsatz. Damit wurde vorsichtig der Dreck abgerubbelt.
Jemandem etwas zuschanzen
Wollen wir jemanden etwas zuschanzen, so wollen wir jemanden etwas Gutes tun, und lassen der Person - auf die eine oder andere Art - einen Vorteil zukommen.
Unsere Redensart kommt aus dem mittelhochdeutschen Wort: „Schanze“. Damit war der Einsatz bei einem Würfelspiel gemeint. Den gleichen Wortstamm hat das Wort: „Chance“. Wollen wir nun unseren Mitspieler gewinnen lassen, agieren wir so, dass er das Spiel und somit die „Schanze“ gewinnen kann.
Von etwas Wind bekommen
Bekommen wir von etwas Wind, so erhalten wir eine Information, die nicht für uns bestimmt war. Wir sind gewarnt und auf alles vorbereitet. Unsere Redewendung kommt aus der Sprache der Jäger. Der Jäger pirscht sich an das Wild heran.
Das macht er natürlich so lautlos, wie möglich. Außerdem achtet er darauf, dass der Wind von der Wildseite her weht. Plötzlich schlägt der Wind um. Das Wild wittert den Jäger und flieht. Es hat vom Jäger Windbekommen.
Mal Hü, mal Hott
Heute wollen wir in den Zoo, doch keine 5 Minuten später ins Kino, und wiederum einen kurzen Augenblick wollen wir uns einen gemütlichen Fernsehnachmittag machen.
Das ist so ein typisches „mal Hü, mal Hott.“ Ein fast irrwitziges Hin und Her.
Bei diesen Worten handelt es sich ursprünglich um Kommandos von Kutschern aus dem Zeitalter der Pferdewagen.
Damals wurden Perde- oder auch Ochsenkarren nicht mit den Zügeln oder gar der Peitsche gelenkt, sondern mit scharfen Kommandos. So bedeutete „Hü“ links und „Hott“ rechts.
Werden diese Begriffe heute noch verwendet, dann allenfalls als „Los“ und „Stopp“: „Hü“ meint dann „los“und „Hott“ bedeutet „Stopp.“ ( Axel Kukuk 2007 09 26)
Mit der gleichen Elle messen
Messen wir etwas mit der gleichen Elle, behandeln wir eine Person oder eine Sache so, wie wir das auch mit allen anderen tun würden.
Die „Elle“ war ein so genanntes Naturmaß und bei Leibe nicht überall gleich. Die Länge eine Elle konnte zwischen 50 und 80 cm schwanken. Als Grundlage diente die Länge des Unterarms. Um nun doch mit gleicher Elle messen zu können, waren in den damaligen Rats- und Gerichtshäusern Mustermaße ausgestellt. Diese galten dann für die jeweilige Region.
Schlitzohr
Nennen wir jemanden „Schlitzohr“, so klingt immer ein wenig Bewunderung mit. Diese Person ist anders al wir. Sie ist listig und erreicht ihre Ziele auf ungewöhnliche Weise.
Unser Ausdruck stammt aus dem mittelalterlichen Gerichtswesen. Gerissenen Gauner, und Betrügern wurden, sofern man ihrer habhaft werden konnte, zur Strafe die Ohren eingeschlitzt. So waren die braven Bürger vor diesen „Schlitzohren “ gewarnt.
Jemanden an die Kandarre nehmen
Wollen wir jemanden an die Kandare nehmen, so wollen wir diese Person besser kontrollieren, besser lenken. Der Freigang ist vorbei. Unsere Redensart kommt vom Reiten.
Die Kandare ist eine Weiterentwicklung der Trense. Sie ist eine Art Gebisstange, die im empfindlichen Teil des Mauls des Pferdes liegt. Zieht man nun am Zügel, schneidet die Kandare in die Mundwinkel ein. Dem Pferd wird damit unmissverständlich klar gemacht, wo es langgeht.
Mauscheln
Mauscheln wir mit jemandem, so vereinbaren wir mit dieser Person etwas unter der Hand. Andere Personen sollen keinesfalls davon etwas mitbekommen. Unser Ausdruck kommt aus dem Hebräischen. „Möscheln“ bedeutet so viel wie:
„ Sprechen wie ein Jude.“ Zugrunde liegt hier der Name „Mosche“, was von Moses kommt. Da die Juden im Mittelalter kein Land erwerben durften, waren viele von Ihnen gezwungen, vom Handel zu leben. Sie wurden dabei misstrauisch beobachtet. Handelten die Juden untereinander etwas aus, so sprach man schnell vom Mauscheln
Mit Haut und Haar
Meint: Ganz und gar.
Es handelt sich wie bei vielen anderen Stabreimen um eine sehr alte Wendung. Sie ist zum ersten Mal im „Sachsenspiegel" belegt und wurde dort als juristische Formel verwendet. Im Sachsenspiegel wurde die Formel auch als Synonym für „Leben" verwendet.
Der Sachsenspiegel (nds. Sassenspegel) ist das bedeutendste, gemeinsam mit dem Mühlhäuser Reichsrechtsbuch älteste Rechtsbuch des deutschen Mittelalters und zugleich das erste Werk mittelalterlicher, deutschsprachiger Prosaliteratur. ( Arcor-home.de - wikipdeia 2008 08 29)
Luftschlösser bauen
Jeden Mittwoch und jeden Samstag ruft uns das Lottoglück. Wenn der Jackpot noch dazu besonders hoch ist, sind wir wie von Sinnen. Warum wohl ? All die kleinen und großen Luftschlösser unserer Phantasie könnten Wirklichkeit werden.
Die Wahrscheinlichkeit eines Hauptgewinns von 1 zu 140 Millionen 8 bei 6 Richtigen mit Superzahl) stört einen überzeugten Luftschlossbauer überhaupt nicht. Unsere Redensart ist 1541 zum ersten Mal schriftlich belegt. Der Theologe Sebastian Frank (1499-1542) schrieb über das Thema: „Ein Schloss in die Luft bauen“.
Das Heft in der Hand haben
Wer das Heft in der Hand hat, der hat die Leitung zum Beispiel einer Gruppe oder aber er hat die entsprechende Macht.
Das Heft war ursprünglich die Halterung oder der Griff eines Gerätes. Im engeren Sinne bezeichnet es den Griff eines Schwertes, woraus sich allgemein ein Begriff für Gewalt und Macht im Sinne der Redensart durchsetzte. Über den Aspekt der Halterung bildete sich im 18. Jahrhundert. die heute gebräuchlichste Bedeutung des Wortes eine Anzahl gebundener Papierbögen aus, die mit der Redensart nichts mehr zu tun hat. ( Axel Kukuk - arcor-home.de 2008 08 29)
Jemandem die Hölle heiß machen
jemand streng ermahnen, zur Arbeit anhalten, jemand zusetzen
Die Hölle wird als Ort des Feuers beschrieben, wo Pech und Schwefel brennen. Auch die Hitze, Flammen und die Glut sind sprichwörtlich weit verbreitet. Schon bei Luther findet sich der Ausdruck jemand die Hölle heiß machen, allerdings mit einem starken theologischen Bezug. Erst Goethe verwendet dann die Wendung in der Bedeutung von Bedrängung. ( Quelle. Arcor-home.de 2008 08 30 )
"Stein und Bein schwören"
Wir sind einer Sache einhundertprozentig sicher. Wir können darauf Stein und Bei schwören .
Die Wendung ist seit dem frühen 16. Jh. belegt, und zwar bei Hans Sachs. Sie ist vielfach auf alte Rechtsbräuche zurückgeführt worden. So soll der Stein, den man beim Schwur berührt, einem heidnischen heiligen Stein und später dem Altarstein entsprechen, Bein (Gebein) den Reliquien eines Heiligen. Letzteres ist seit dem 6. Jh. im Lex Allemannorum und auch im Parzival (um 1200) belegt. Die Kombination von Stein und Bein beim Schwur hätte dann durch die Berücksichtigung heidnischer und christlicher Schwurbräuche eine verdoppelnde Intensivierung bedeutet. Diese Deutung ist aber wegen des späten Erscheinens der Redewendung und durch das Fehlen der Präposition (bei oder auf Stein und Bein schwören, ähnlich wie in der Formel beim Barte des Propheten) umstritten.
Stein und Bein tauchen nämlich schon weit früher formelhaft verbunden auf, etwa in der ersten Hälfte des 13. Jh. bei dem schwäbischen Dichter Freidank: "Die Zunge hat kein Bein / und bricht doch Stein und Bein." Diese Wendung tadelt die böse Zunge und geht auf ein lateinisches Vorbild zurück (osse caret lingua, secat os tamen ipsa maligna). Stein und Bein stammen also wahrscheinlich nicht aus dem Bereich des Rechtswesens, sondern sind als Sinnbilder der Härte und Bruchfestigkeit allgemein zur Verstärkung einer Aussage oder eines sprachlichen Bildes genutzt worden.
( Quelle: arcor-home.de 2008 08 30)
Gemüt wie ein Fleischerhund
Hat jemand ein Gemüt wie ein Fleischerhund, so zeigt diese Person wenig Gemütsbewegungen; sie ist eher phlegmatisch. Unsere Redensart geht auf die Beobachtung einer tierischen Eigenheit zurück. Der Fleischerhund ist der Hund eines Fleischers, er hat ausgesorgt.
Jeden Tag gibt es genug Fleisch zu fressen. Der Hund regt sich nicht aufm wenn ihm etwas weggeschnappt wird. Es gibt ja bald neues Fressen. Und die Freude über das tägliche Essen hält sich auch in Grenzen, ist die Völlerei doch alltäglich. Über die Jahre werden die Pfunde auch immer mehr und die Bewegungslust lässt auch nach.
Verpetzen
„Du alte Petze“, hallte es uns in Kindertagen nach. Dabei mussten wir doch unser hochgeheimes Wissen mit irgend jemanden teilen - und wenn es selbst unser Lehrer war.
Wir hatten jemanden auf das Schlimmste verraten. Unser Ausdruck kommt aus dem hebräischen. „Pazeh“ bedeutet hier „ den Mund aufreißen “. er geriet zuerst in die Ganovensprache, um dann Anfang des 19. Jahrhunderts in die Studentensprache zu gelangen.
Auf der gleichen Wellenlänge liegen
Wir haben jemanden kennen gelernt. Die Person war uns gleich sympathisch. Wir haben ähnliche Interessen und verstehen uns gut. Kurz: „Wir liegen auf der gleichen Wellenlänge“.
Unsere Redensart entstammt dem Radio- und Funkverkehr. Ein Sender sendet auf einer festgelegten Wellenlänge. Die Botschaft kann nur dann empfangen werden, wenn das Empfangsgerät auf die gleiche Wellenlänge eingestellt wird.
Im richtigen Fahrwasser sein
Ein wunderbarer Tag. Die Sonne scheint. Alles geht uns leicht von der Hand. Heute sind wird im richtigen Fahrwasser.
Unsere Redensart kommt von der Binnenschifffahrt. Fährt ein Schiff in der markierten Fahrrinne in der Mitte des Flusses, so befindet es sich im richtigen Fahrwasser. Hier muss man auf keine Untiefen aufpassen und kommt schnell und gut voran.
Tretmühle
Kaum haben wir wochentags die Augen aufgeschlagen, dämmert es uns: Wir müssen wieder in die Tretmühle. Die Arbeit ruft. Ein gleichförmiger Arbeitstag erwartet uns. Unser Ausdruck kommt aus dem Mittelalter.
Tretmühlen brauchte man, um Burgen und Häuser zu bauen oder Schiffskräne zu betreiben. Auch im Bergbau wurden sie eingesetzt. Man muss ich die Tretmühle wie ein großes Hamsterrad vorstellen, indem sich ein oder mehrere Menschen bewegten. Diese Bewegungsenergie wurde dann über ein Gestänge und verschiedene Zahnräder weitergegeben.
Wo kommt der Name „Flohmarkt“ her ?
Die beleibte Tradition des Trödelmarktes stammt ursprünglich aus Frankreich. Händler ließen sich im 18. Jahrhundert vor den Stadttoren von Paris nieder und verkauften dort allerlei Krempel.
Diese Veranstaltungen glichen einem chaotischen, bunten Treiben und erfreuten sich bald großer Beliebtheit. Mit den Waren wechselten auch gelegentlich Flöhe den Besitzer, weswegen die Pariser dem Markt „marchè aux puces“ nannte - zu Deutsch: „Flohmarkt“.
Mit jemandem Katz und Maus spielen
Dieser Ausspruch bezieht sich auf das tödliche Spiel einer Katze mit der Maus. Die Katze ist natürlich viel stärker, aber trotzdem lässt sie ihr Opfer, die Maus, noch scheinbar immer und immer wieder entkommen, um sie schließlich doch zu töten. Auch Luther verwendet eine verwandte Wendung: "Der Katze Spiel ist der Mäuse Tod." ( Axel Kukuk 2008 08 29 )
Menetekel
Das ist schlimmes „Menetekel“ sagen wir, wenn wir glauben, dass etwas noch Schlimmeres passiert. Der Ausdruck geht auf die Bibel zurück.
Im Alten Testament berichtet der Prophet Daniel von einer Weissagung an den babylonischen König Belsazar. Bei einem königlichen Gelage erschien eine Schrift an der Wand: „Meme, Mene, Tekel, Upharsin“ ( Daniel 5, 23).
Daniel übersetzte: „gezählt, gewogen, aber zu leicht befunden und zerteilt.“ Eine Weissagung, die die spätere Teilung Babylons vorhersah.
Pfingsten
Der Name kommt aus dem Griechischen. „Pentekoste“ und beteuted: „ Der fünfzigste ( Tag ). Am 50. Tage nach Ostern beginnt das Pfingstfest. An diesem Tag versammelten sich die Apostel um das altjüdische „Schawout“ zu feiern.
Der Heilige Geist kam über sie „und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen“. ( Apostelgeschichte 1, 1-4). Am Pfingsten feiert die Christliche Kirche also nicht nur die Sendung des Heiligen Geistes, sondern auch ihren eigentlichen Geburtstag.
Kohldampf haben
Haben wir Kohldampf, so haben wir richtigen Hunger. Unser Ausdruck ist keineswegs nach unseren Altbundeskanzler Helmut Kohn benannt, obwohl man es wegen seiner Leibesfülle denken könnte.
Unser Ausdruck stammt vielmehr aus der Ganovenstrasse. Die beiden Worte „Kohl“ und „Dampf“ bedeuten beide so viel wie Hunger. Durch die Verdoppelung wurde die eigentliche Größe des Hungers betont.
Pleitegeier
Die Konjunktur brummt, die Steuereinnahmen sind viel höher als erwartet und schon kreist nicht mehr der Pleitegeier über Deutschland, sondern der stolze Bundesadler.
Der Pleitegeier hat nichts mit den aasfressenden Vogel zu tun. Das Wort „Pleite“ kommt von dem hebräischen „Peleta“ und bedeutet soviel wie „Entrinnen“. Das Wort „Geier“ kommt hier von Gehen. Jemand der Pleite geht, hat absolut kein Geld mehr. Da nutzt auch keine Schuldhaft mehr- der Pleitegeher ist also dem Schuldenturm entronnen.
Schlagseite haben
Wir wanken hin und her. Die Sicht auf die Welt scheint einmal nach links, und einmal nach rechts verschoben zu sein. Wir haben dem Alkohol zu sehr zugesprochen und haben eine ziemlich schlimme Schlagseite.
Unsere Redensart stammt aus der Seemannssprache. Liegt ein Schiff schief im Wasser, hat es Schlagseite. Das kann entweder durch verrutsche Ladung oder durch ein Zusammenstoß kommen.
Manschetten vor etwas haben
Haben wie Manschetten vor irgendetwas, so haben wir Angst oder Furcht vor etwas. Diese auch heute noch gebräuchliche Redenswendung kommt aus dem 18. Jahrhundert.
Die damalige Männermode war sehr geckenhaft. Aus den Rockärmeln hingen weiße, über die Hand reichende Spitzenmanschetten heraus. Zu einem hätten die Männer Furcht davor, diese schönen Manschetten zu beschmutzen. Zum anderen behinderten diese Manschetten beim Fechten. Zog sich ein Mann so an, war klar, dass er vor einer Auseinandersetzung mit dem Degen eher Angst hatte.
Sich verzetteln
Wir arbeiten planlos vor uns hin. Machen mal dies, und dann das und nichts geht richtig voran: „Wir haben uns verzettelt “. Eine Abart dieser fruchtlosen Tätigkeit ist auch die Zettelwirtschaft. Alles wird aufgeschrieben, irgendwo abgelegt und dann nicht mehr gefunden.
Unser Ausdruck stammt aus dem Mittelhochdeutschen und hat mit den papierenen Zetteln nicht zu tun. „Zetteln“ bedeutete damals soviel wie „verstreuen“. Wir bündeln unsere Arbeitskraft nicht, sondern wir „verstreuen“ sie.
Im Althochdeutschen bedeutete zetten so viel wie ausbreiten, verstreuen.
Daraus entstand verzetteln im Sinne von nutzlos ausbreiten. Zette(l)n war auch ein Fachwort aus der Weberei, so dass sich das heute verwendete anzetteln erklären lässt als: beginnen, ein Gewebe zu weben. Beide Verben haben also nichts mit dem Zettel zu tun, den wir verwenden, um darauf Notizen zu machen. Dieses Wort kommt vielmehr von dem mittellateinischen cedula. Es gelangte als Zeddel Anfang des 14. Jh. ins Deutsche und ist daher weit jünger als die Wurzel von verzetteln. ( arcor-home.de / zdf-text 2008 08 30)
Mehrere Eisen im Feuer haben
Haben wir mehrere Eisen im Feuer, so haben wir viele Möglichkeiten, unser Ziel zu erreichen. Wir sind auch nicht böse, wenn eine Sache nicht so richtig klappt, denn wir haben ja genug Alternativen. Unsere Redensart kommt aus dem Schmiedehandwerk.
Sobald der Schmied das Feuer entfacht hat, legt er mehrere Eisen ins Feuer, die dort verglühen. Dann bearbeitet er eins nach dem anderen. Rationeller kann man nicht arbeiten.
Ich höre das Gras wachsen
Ich bin gut informiert, ich weiß etwas und habe auch eine gewisse Vorahnung von dem, was passieren wird. Ich bin entsprechend sensibilisiert.
Oder……
Es ist gar nichts passiert und es wird auch nicht passieren, alles nur in unserer Einbildung und unserer Vorstellung. Wir hören das Gras wachsen !
Diese Redenwendung ist seit dem 15. Jahrhundert dokumentiert und wird heute abschätzig über Personen gesagt, die sich überklug anstellen.
Unter dem Aspekt der Weisheit und der gut Informiertheit ist diese Redewendung erst seit dem 17. Jahrhundert bekannt. ( Axel Kukuk 2007 08 30 )
Wie Pech und Schwefel
Zusammenhalten wie Pech und Schwefel geht auf die mittelalterliche Vorstellung zurück, dass es in der Hölle brennendes Pech und Schwefel gibt. Brennt Pech, wird es sehr klebrig. Mit Pech und Schwefel wurden zum Beispiel auch Holzeile im Schiffsbau miteinander verbunden, die nicht genagelt werden konnte. So waren Pech und Schwefel eine lang anhaltende, stabile Verbindung eingegangen. Freunde in den Kindetagen hielten ja auch zusammen wie Pech und Schwefel, halt unzertrennlich, fast….. ( Axel Kukuk 2008 08 30 )
Sich drücken
Drückt sich jemand davon, eine Aufgabe zu erledigen, so verschwindet die Person elegant vom ort des Geschehens, taucht erst gar nicht auf oder beschäftigt sich hoch konzentriert mit andere Dingen.
Der Ausdruck kommt aus der Jägersprache und meint so viel wie:„Sich klein machen.“
Ist der Hase auf der Flucht, „drückt“ er sich in die Ackerfurche, um von seinen Feinden nicht gesehen zu werden. Es ist ein „Drückeberger“ - nicht aus Faulheit, sondern aus der Not heraus.
Jemanden an den Pranger stellen
Der mittelalterliche Pranger war oft eine zweigeteilte Vorrichtung aus Holz mit Öffnungen für Hals und Hände.
Ein Verurteilter musste die Hände und den Hals in die Öffnungen legen und die Vorrichtung wurde geschlossen.
Für eine gewisse Zeit wurde er nun der Öffentlichkeit zur Schau gestellt. Stellen wir heute zutage jemanden an den Pranger, so machen wir „nur“ seine Verfehlungen öffentlich bekannt.
Jemanden auf den Schild heben
Schlangen wir jemanden für ein Amt oder einen Posten vor, so heben wir diese Person auf den Schild: Wir heben sie hervor und zeigen sie allen. Bei den Franken war der Spruch wörtlich gemeint.
Der gewählte König wurde auf den Schild gehoben und dreimal im Kreise aller Versammelten herumgetragen. Bei „Asterix und Obelix“ will der Dorfchef „Majestix“ gar nicht mehr runter von seinem Schild. Ob es sich in Frankreich die jeweiligen Präsidentschaftskandidaten auf dem Schild in Zukunft gemütlich machen können, bleibt abzuwarten.
Jemanden matt setzen"
"Matt" ist ein Ausdruck aus dem Schachspiel und geht auf den persischen Ausspruch "schah mate" (der König ist tot) zurück.
Zusammen mit dem Spiel ist der Ausdruck im 12. Jh. in die romanischen Sprachen und in das Deutsche gekommen. Seit dem 13. Jh. existieren einige Bedeutungserweiterungen, die sich alle auf Erschöpfung des Geistes oder des Körpers beziehen.
Im visuellen Bereich wird der Mangel an Glanz als "matt" bezeichnet. ( Quelle: arcor-home.de 2008 08 29 )
Die Quintessenz
Bei allem was wir tun und beobachten, sollten wir danach streben, das wesentliche, das Entscheidende zu erkennen, nämlich die „Quintessenz“. Der Ausdruck kommt vom lateinischen „Quinta essentia“, was das „Fünfte Seiende“ bedeutet.
Das griechische Allroundgenie Aristoteles ( 384 v. Chr. -322 v. Chr. ) vertrat die Meinung, dass nicht nur die vier Grundelemente Feuer, Wasser, Erde und Luft existieren, sondern auch ein fünftes Element, Äther genannt. Dieses Element durchdringt die anderen vier Elemente und bildet gleichzeitig deren Grundlage.
Das fünfte Rad am Wagen
Wir sind zu einem gesellschaftlichen Anlasseingeladen. Die meisten der Gäste kennen sich. Wir selbst kennen so gut wie niemanden.
Diese Einladung werden wir nicht wahrnehmen, da wir uns nicht das fünfte Rad am Wagen vorkommen wollen: nämlich völlig überflüssig. Diese Redensart war schon im 11. Jahrhundert bekannt.
Das dieser Spruch aus alten Zeiten stammt war wohl klar, denn die Wertigkeit des fünften Rades am Wagen ist heute eine ganz andere. Für den Autofahrer ist das Reserverad sehr wichtig - es sei denn, man hat ein Reparaturset dabei.
Kurze fuffzehn machen
Wollen wir mit etwas „kurze fuffzehn“ machen, so wollen wir es schnellstens erledigen.
Der Ausdruck kommt aus dem Norddeutschen. Dort duften die Werftarbeiter an der Nord- und an der Ostsee nur 15 Minuten Mittagspause machen. Eben „kurze fuffzehn“
Während wir es heute mit dem Ruck-Zuck-fertig-Machen haben, und uns bei der Arbeit beeilen wollen, beeilten sich die die Arbeiter mit ihrer Pause, die vermutlich stets viel zu schnell zu Ende ging.
Halt die Ohren steif
„ Halt die Ohren steif “ geben wir gerne lieben Menschen mit auf den Weg. Und meinen, sie sollen aufmerksam sein, sich für alle Dinge interessieren und standhaft bleiben.
Diese Redenart geht auf Beobachtungen in der Tierwelt zurück. Bei Hunden und Pferden kann man den Grad der ihr Aufmerksamkeit unter anderem an der Stellung der Ohren erkennen. Sind die Ohren steil aufgereichtet und nach vorn gerichtet, so sind die Tiere höchst aufmerksam und besonders interessiert. Hängen die Ohren herab, so sind die Tiere müde und unbeteiligt.
Seit Fett abbekommen
Der Trainer versammelt seine Mannschaft um sich. Die Mannschaft hat schlecht gespielt. Jeder Spieler wird kritisiert: es bekommt sein Fett ab.
Unsere Redensart kommt von Schweineschlachten, vom Butter- und vom Käsemachen. Der Brauch bei diesen dörflichen Gemeinschaftsaktionen war, dass jeder der Beteiligten - je nach Beteiligung - auch eine gewisse Menge Fett zugeteilt bekam.
Wie von Furien gehetzt
Unserem Gegenüber scheint es nicht gut zu gehen. Fahrige Bewegungen, unsteter Blick, er sieht aus „wie von Furien gehetzt“.
Er hat wohl etwas angestellt und hat nun deswegen ein furchtbar schlechtes Gewissen.
Unsere Redenart geht auf die griechische Sagenwelt zurück. Im Griechischen hießen die drei Rachegöttinnen „Erinyen“ und im lateinischen „Furien“. Alketo, die Unaufhörliche, Megaira, der neidische Zorn und Tisiphone, die Vergeltung, waren 3 Göttinnen, die sich gerne über Schuldige hermachten und diese in den Wahnsinn trieben.
Etwas in den falschen Hals bekommen
Jemand versteht etwas völlig falsch und ist deshalb sehr verärgert: Diese Person hat etwas in den falschen Hals bekommen. Das hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt.
Auch der Vorgang, auf den sich unsere Redensart bezieht, kennt jeder: Beim Essen oder beim Trinken gelangt ein teil der Speise oder des Getränkes in die Luftröhre und nicht in die Speiseröhre. Er ist in den falschen Hals gerutscht. Unsere Reaktion ist immer sehr heftig. Wir husten und ringen krampfhaft nach Luft.
Sich verhaspeln
Gerade noch floss unser Redefluss einwandfrei einher, schon jagt ein Versprecher den anderen: Wir haben uns verhaspelt.
Unsere Redensart geht jedoch auf das Garnspinnen zurück. Die Haspel ist eine Erweiterung des Spinnrades. Sie hat die Funktion einer Winde, auf der das fertig gesponnene Garn aufgewickelt wird. Geht dabei etwas schief, wickelt sich der Faden nicht außen um die Haspel, sondern verfängt sich in der Achse der Haspel. Der Faden hat sich verhaspelt.
Wer suchet, der findet
Ein Teil unseres Lebens sind wir auf der Suche: Nach der Fernbedienung des Fernsehers, dem Haustürschlüssel, nach der der ach so wichtigen Akte, die wir gerade noch in der Hand hielten.
An unserer Ordnung kann das nicht liegen - aber wir wissen, wenn wir suchen, werden wir es auch finden.
Diese Redensart finden wir zum ersten Mal in der Bergpredigt ( Matthäus 5, 7-8 ). Jesus gibt hier Anweisungen.
Mumpitz reden
Wenn jemand Mumpitz redet, so verbreitet er besonders unerträglichen Unsinn. Diesem eigenartigen Ausdruck merkt man schnell seine mittelalterliche Herkunft an.
Er geht auf den Ausdruck „Mummelputz“ zurück. „Mumme“ steht hier für „Maske “. Das Wort „ vermummen“ ist noch im täglichen Gebrauch. „Butze“ wurde früher ein Kobold genannt. Wir haben also hier den verkleideten Kobold, der auch im sprachlichen Gewand sein Unwesen treibt.
Nach allen Regeln der Kunst
Tun wir etwas nach allen Regeln der Kunst, so machen wir es so, wie es von uns erwartet wird. Diese Redensart geht auf die Meistersinger zurück. Die Meistersinger waren bürgerliche Dichter und Sänger im 15. und 16. Jahrhundert.
Die Mehrheit von ihnen waren Handwerksmeister. Ihre Gesangeskunst war sturen Regeln unterworfen, die im Gesetzbuch der Meistersinger, der Tabulator, festgehalten waren. Wurde nun ein Stück vorgetragen, beurteilten es die „Merker“ nach allen Regeln der Sangeskunst. Richard Wagner beschrieb dies in seiner Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“
Vom Regen in die Traufe kommen
Wir sind in einer schlimmen Lage, aber es kann noch schlimmer kommen: Vom Regen in die Traufe.
Stellen wir uns vor, es regnet. Um uns zu schützen, stellen wir uns weiter vor, stellen wir uns unter ein Dach. Passen wir nun nicht richtig auf, so können wir unter die Dachtraufe geraten. Das vom Dach abfließende Regenwasser läuft in die Regenrinne und von dort aus über den Regenabfluss - die Traufe - nach unten. Ein dicker Wasserstrahl schießt aus der Traufe und trifft uns. Nasser werden können wir nun nicht mehr.
Alle Register ziehen
Um etwas ganz bestimmt zu erreichen, sind wir bereit, alle Register unseres Könnens zu ziehen. Unsere Redensart kommt vom Orgelspielen her.
Zieht der Organist alle Register, so schaltet er eine Reihe von Orgelpfeifen gleicher Klangfarbe an. Doch er zieht nicht nur ein Register, sondern je nach Charakter des Stückes mehrere unterschiedliche Register. Je mehr Register er zieht, desto voluminöser hört sich die Orgel an.
Der Geist ist willig,
doch das Fleisch ist schwach
Jeder von uns hat immer wieder gute Vorsätze. Doch auch das kennen wir: was im Geiste beschlossene Sache war, will der Körper einfach nicht mitmachen.
Diese Redensart geht zurück auf die Leidensgeschichte von Jesu ( Matthäus 26, 40-46). Jesus ist mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane.
Er möchte allein beten, bittet die Jünger aber wach zu bleiben. Als er zurückkehrt, schlafen alle. Da weckt sie Jesus mit den Worten: „Könnt ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen ? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt ! der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Vor dem Erfolg haben
die Götter den Schweiß gesetzt
Wie gerne hätten wir das: Glück und Erfolg, ohne dass wie etwas dafür tun zu müssen.
Doch leider zieht sich durch unser ganzes Leben die Weisheit: „Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.“
Unsere Redensart geht auf den griechischen Dichter Hesiod ( um 700 v. Chr. ) zurück. In seinem Lehrgedicht „ Werke und Tage“, geschrieben für seinen arbeitsscheuen Bruder Peres, heißt es: „ Vor den Verdienst setzten den Schweiß die Götter, / die unsterblichen, lang aber und steil ist der Weg zu ihm hin.“
Etwas auf Geratewohl tun
Tun wir etwas aufs „Geratewohl “, so haben wie keinen genauen Plan und lassen uns mehr vom Gefühl als vom Verstand leiten. Dabei verlassen wir uns auch auf unser Glück, ohne über die Folgen zu kennen oder über etwaige Folgen nachzudenken. Wir handeln in guter Hoffnung.
Diese Redensart kommt aus dem volkstümlichen Wunsch, dass das, was passieren wird, uns „wohl geraten“ sein wird. Es wird schon gut ausgehen. ( Axel Kukuk 2008 08 13)
Alle Jubeljahre
Wenn etwas alle „Jubeljahre“ passiert, so passiert sehr selten. Der Ausdruck des Jubeljahres geht auf die Bibel zurück. Im Alten Testament im 3. Buch Moses ( 25. 8ff) werden die Kinder Israels aufgefordert, alle 50 Jahre ein Jubeljahr zu feiern, mit einem allgemeinen Schuldenerlass, der Freilassung alles Sklaven und der Rückgabe von verkauftem Boden.
Das Blasen des Widderhorns „ yovel“ genannt, sollte das Jubeljahr einleiten und gab ihm letztlich seinen Namen. Angesichts unserer hohen Staatsverschuldung bräuchten wir auch schnellstens regelmäßig „Jubeljahre“.
Auf Zeit spielen
Jeder kennt die Situation. Gefühlsmäßig vergeht die Zeit mal extrem langsam, mal rennt sie einem förmlich durch die Finger weg. Je nach dem, was wir gerade in dieser Zeit machen; tun wir etwas gern, scheint die Zeit schneller zu vergehen als wenn wir in einer weniger beliebten Situation sind, dann nämlich scheint die Zeit langsamer zu vergehen.
Es gibt aber noch eine Perspektive: Auf Zeit spielen. Dieses meint, dass man eine gewisse Zeit noch zur Verfügung hat, und versucht nun aktiv diese Zeit mit Sinnlosigkeiten oder durch eine Ziellose Aktivität möglichst schnell herum zu kriegen.
Den Begriff „auf Zeit spielen“ kennen wir eigentlich aus allen Ballsportarten, in dem es keine effektive Spielzeitmessung gibt ( Basketbatt, Eishokey ) geht, sondern das Spiel unabhängig vom Geschehen auf dem Platz nach einer der Uhr fixierten Spielzeit ein Ende nimmt. So wie beim Fußball. Die Zeit rennt herunter, wenn unsere Mannschaft unbedingt noch ein Tor braucht; die Zeit bleibt wie stehen, wenn unsere Mannschaft den Vorsprung gegen die anstürmenden Gegner verteidigen muss. Haben wir aber den Ball und sind auf der Siegerstrasse unterwegs, dann haben wir alle Zeit der Welt, der Ball wird in den eigenen Reihen hin und her gespielt und an wieder zurück zum Torwart. Es wird darauf geachtet, dass in der verbleibenden Zeit keine Fehler mehr gemacht werden; es wird auf Zeit gespielt. (Axel Kukuk 2009 09 11)
Eine Zeitungsente
Aus so manchem Boulevardblatt flattert sie uns entgegen, die Zeitungsente. Eine Ente in der Zeitung ist eine Falschmeldung.
In England bekamen Berichte, die nicht von einer anderen Nachrichtenagentur oder einem Korrespondenten bestätigt wurden, den Vermerk: „ N.T.“ für „ not testified “. Das bedeutet übersetzt: „Nicht bestätigt“ und liest sich im Deutschen wie „ EN - TE “.
Das geht mir gegen den Strich
Geht uns etwas gegen den Strich, so ist uns etwas so unangenehm, dass wir eine körperliche Abneigung dagegen entwickeln. Mit dem „Strich“ bezeichnet man die Richtung des Haarwuchses bei Tieren.
Streichelt man eine Katze oder einen Hund nicht der Richtung des Haarwuchses, also gegen den Strich, so fühlt sich das Tier unwohl und wehrt sich gegen die unsachgemäße Behandlung. Ähnlich geht es uns Menschen im übertragenen Sinne.
Kleinod
„Kleinod“ ist zum schönsten bedrohten Wort des Jahrs 2007 gewählt worden. Ein Kleinod ist, wie der Name schon anmutet, eine Kleinigkeit, aber eine von besonderem Wert für uns: Ein Bild, ein Schmuckstück oder auch ein Gedicht - eben etwas, das unser Hertz erfreut.
Das Wort stammt aus dem Mittelalter. Ein Kleinod war ein Zeichen, eine Verzierung am Ritterhelm. Hiermit zeigte der Ritter seine familiäre Herkunft an. Die Reichskleinodien des Kaisers hingegen, auch Reichsinsignien genannt, waren alles andere als Kleinigkeiten: Reichskrone, - apfel und -zepter.
Benehmen wie eine gesengte Sau
Benimmt sich jemand wie eine gesenkte Sau, so hat diese Person absolut kein Benehmen. Unsere Redensart geht auf das Brandmarken von Schweinen zurück. Wird einem Schwein das Brandzeichen gesetzt ( sengen = brennen ), so wird das Tier durch den Schmerz schier verrückt, es quick wie am Spieß und rennt wie toll durch die Gegend.
Eigentlich eine verständliche Reaktion. Der Mensch aber, der sich freiwillig piercen oder tätowieren lässt, wundert sich darüber.
Seite Haut zu Markte tragen
Ist jemand bereit, seine Haut zu Markte zu tragen, so übernimmt diese Person die volle persönliche Verantwortung für sein Handeln. Weniger dramatisch hört sich die Herkunft dieser Redensart an.
Nicht die menschliche Haut wurde früher zu Markte getragen, sondern der Viehbesitzer trug die Viehhäute auf dem Markt. Im Laufe der Jahrhunderte redete man immer weniger von Tierhäuten, sondern von Leder und Pelzen. Spricht man heute von Haut, denkt man sofort an die menschliche Haut.
Salz in die Wunde streuen
Streuen wir sprichwörtlich Salz in die Wunde unseres Gegenübers, so haben wir durch einen meist unbedachten Ausspruch seinen Kummer verstärkt. Diese Redensart geht aber keinesfalls auf irgendwelche Foltermethoden zurück.
In der Antike und im Mittelalter gab es viele Medikamente auf Salzbasis. Besonders wichtig war die trocknende Wirkung des Salzes. So streute man Salz in die Wunden, um sie durch Austrocknung zu desinfizieren. Das war zwar sehr schmerzhaft, oft aber lebensrettend.
Frank und frei
Sagt uns jemand „frank und frei“ seine Meinung, so ist er „offen und ehrlich“. Diese Redensart geht auf die Franken zurück. Schon der Name „Franken“ bedeutet die „Freien“ oder die „Kühnen“. Sie waren große Eroberer und freie Herren.
Auf dem westeuropäischen Gebiet des einstigen Römischen Reiches errichteten sie zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert das „ Fränkische Reich“. Die größte Ausdehnung hatte es unter Karl dem Großen. Später teilte es sich in das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und in Frankreich.
Salamitaktik
Egal welche Salami, richt gut schmeckt diese Wurst, wenn sie in ganz dünne Scheiben geschnitten wird. In der Politik steht diese Redewendung für ganz besonders zähres Verhandeln.
Die Verhandlungspartei, die sie anwendet, geht nur Scheibchen für Scheibchen von ihrem ursprünglichen Verhandlungsziel ab und sabotiert so eine schnelle gütliche Einigung. Der Ausdruck „ Salamitaktik “ stammt von einem ungarischen Politiker der Nachkriegszeit. Zoltan Pfeiffer prägte ihn 1947. Er beschrieb damit die schrittweise Machtübernahme der Kommunisten in Ungarn.
Etwas aus dem Stegreif sprechen
Auf einer Feier werden wir gebeten, eine kleine Rede zu halten. Völlig ohne Vorahnung und ohne Vorbereitung stehen wir jetzt auf und halten eine kurze Rede aus dem Stegreif.
Wir sprechen halten eine kleine Rede, einen Vortrag, oder auch ein kleines Gedicht ohne Vorbereitung, also spontan.
Steg-reif, nicht "Steh-greif", ist die ältere Bezeichnung für den Steigbügel und bedeutet eigentlich Reif/Ring zum besteigen des Pferdes.
Die Redensart bezieht sich auf den eiligen Reiter, der schnell etwas erledigt oder zu sich nimmt, ohne abzusteigen. Die Stegreifdichtung war seit der Antike verbreitet und auch in der Skalden- und Spielmannsepik (Skaldenepik = altnordische Dichtkunst) gepflegt worden.
Besonders in Volksdichtung wurden Spielformen bevorzugt, in denen der Schauspieler den Text seiner eigenen oder der Stimmung des Publikums entsprechend variieren konnte. Die allmählich als Verwilderung der Theatersitten empfundene Stegreifdichtung wurde durch die Theaterreform Gottscheds im 18. Jh. abgeschafft und in Österreich aus Gründen der Zensur 1752 sogar verboten. Die freie Improvisation als Kunstform ist seither mehr oder weniger auf das Kasperltheater und das Kabarett beschränkt. Auch die Stegreifrede, eine alte rhetorische Kunst, wird nicht mehr gelehrt, sondern den mehr oder weniger ausgeprägten rhetorischen Begabungen des Einzelnen überlassen. ( Axel Kukuk / arcor-home.-de 2008 08 30)
Glaube kann Berge versetzen
Wer fest im Glauben an Gott oder auch eine Sache ist, da kann der Glaube Berge versetzen. Man glaubt, fast Unmögliches erreichen zu können.
Diese Redewendung tritt in vielen Bibelstellen zu Tage und bezieht sich stets darauf, dass man mit Glauben Berge versetzen kann (Matth. 17, 20; Mark. 11, 23). Im deutschen Sprachraum wurde die Wendung erst durch Luthers Bibelübersetzung bekannt. ( Quelle: Axel Kukuk / arcor-home-.de 2008 08 29)
Mit Engelszungen
Mit Engelszungen reden wir auf jemanden ein, um ihn von etwas zu überzeugen. Zart und betörend, mit aller größter Beredsamkeit bringen wir unsere Argumente vor. Unsere Redensart entstammt der Bibel.
Im Neuen Testament im ersten Korintherbrief ( 13, 1) heißt es in einem der schönsten Bibelzitate:
„Wenn ich mit Menschen- und Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönern Erz oder eine klingende Schelle.“
Aller guten Dinge sind drei
Konnten wir mit den ersten zwei Versuchen unser Problem nicht lösen, starten wir einen weiteren Versuch mit dem Ausspruch: „ Aller guten Dinge sind Drei “. So können wir unsere zwei Fehlversuche als Teil einer Gesamtstrategie darstellen.
Der Ausspruch geht auf das altdeutsche Gericht - das „Thing „ - zurück. Dreimal musste der Angeklagte vor Gericht geladen werden. Kam der Angeklagte auch zum dritten Mal nicht vor das „Thing“, so wurde er in Abwesenheit verurteilt.
Vors Schienbein treten
Wollen wir jemanden „vors Schienbein treten“, so wollen wir ihm wehtun. Aber nicht, um ihn zu verletzen, sondern um ihn aufzuwecken: Er soll seinen Verpflichtungen nachkommen.
Im übertragenen Sinne heißt das: Man möchte jemanden an einer sehr empfindliche Stelle treffen, um eine Reaktion zu erhalten. Um die Empfindlichkeit des Schienbeins wissen unsere Fußballer: Sie schützen sich beim Spiel mit einem Schienbeinschoner.
Nach Schema F
Gerade bei großen Firmen oder Behörden wird gerne nach Schema F verfahren. So verlässt man die eingefahrenen Strukturen nicht und kann bewusst wie gehabt vor sich herwerkeln. Unser Ausdruck entstammt er Preußischen Armee.
Ab 1861 gab es dort in regelmäßigen Abständen einen Frontrapport. Dieser „-F-Rapport“ fragte nach einem bestimmten Schema, einem bestimmten Muster.
So wurde zum Beispiel immer wieder die Mannschaftsstärke und deren Ausrüstungsstand abgefragt. Daraus wurde dann Umgangssprachlich das Schema F.
Ein Dorn im Auge
Ist uns etwas ein Dorn im Auge, so ist uns etwas unerträglich. Das kann eine Person oder ein Zustand sein, ein Kunstwerk oder ein sonstiger Schandfleck sein.
Unser Ausdruck geht auf die Bibel zurück. Dort steht im Buch 4. Moses ( 33, 55): „ werdet ihr aber die Einwohner des Landes nicht vertreiben vor eurem Angesicht, so werden euch die, so ihr überbleiben lasst, zu Dornen werden in euren Augen.“
Den Stein ins Rollen bringen
Bringt jemand den Stein ins Rollen, so stößt eine Person eine Sache an und trägt zu ihrer Klärung bei - oder aber die Ereignisse führen dazu, dass eine Entwicklung in Gang gesetzt wird.
Unsere Redensart geht sinnbildlich auf den ersten Stein zurück, der ins Rollen gerät und dann unweigerlich, Stein um Stein, eine Lawine auslöst.
Jemanden zur Strecke bringen
Wollen wir jemanden zur Strecke bringen, so sind wir hinter ihm her und wollen ihn wegen seines bösen Verhaltens bestrafen.
So wird momentan überall auf der Welt versucht, Terroristen zur Strecke zu bringen. Wie es hier schon anklingt, kommt dieser Ausdruck aus der Sprache der Jäger.
Auch heute noch legen die Jäger nach der Jagd die erlegten Tiere der Größe nach auf den Boden. Diese Reihe der erlegten Tiere nennt der Waidmann „Die Strecke“.
Einen hinter die Binde gießen
Eine der schönsten Freizeitbeschäftigungen vor allem der Männerwelt ist es, sich „einen hinter die Binde zu gießen.“
Hierbei geht es um den Konsum von Alkohol in jeglicher Form. Unsere Redensart geht auf die modische Verschönerung der Männer zurück - die Halsbinde. Der Hemdkragen war noch nicht erfunden und die Halsbinde sollte den Gehrock vor Verschmutzung schützen.
Diese Binde wurde Anfang des 20. Jahrhunderts noch getragen und hinter dieser Binde rann so mancher Schluck den Rachen herunter.
Einen Aprilscherz machen ?
Heute schlagen wir die Zeitung auf und lesen von einer Spaghettiernte in Albanien. Noch einigermaßen verwirrt, werden wir von unseren Kindern auf den Fleck auf unserer Kleidung aufmerksam gemacht, den wir nicht entdecken können. „April, April“ hören wir dann.
Der Aprilscherz geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Eine wirklich schlüssige Erklärung für diesen Brauch gibt es allerdings nicht. Vielleicht hängt es mit den einsetzenden Frühling zusammen. Die Laune wird von Tag zu Tag besser - und die wenigen griesgrämigen Menschen muss man einfach zum Narren halten
Die volle Breitseite
Geht es um politische Ämter, so fühlt sich so mancher einer vollen Breitseite seiner Gegner ausgesetzt. Hier wird mit allen Argumenten gefeuert, die man gegen weinen Gegner verwenden kann und selbst untersten dunklen Schublade wird noch gewühlt.
Unser Ausdruck entstammt der Sprache der Kriegsmarine. Feuert ein Kriegsschiff mit allen verfügbaren Kanonen aus der dem Gegner zugewandten Schiffsseite, gibt man dem Gegner eine „volle Breitseite“.
Jemand auf die Folter spannen
Spannen wir jemanden auf die Folter, so tut das niemandem weh. Unser Gegenüber würde aber gern etwas von uns wissen. Wir lassen ihn aber noch ein wenig zappeln. Ganz so zart ging es in der Folter leider nicht zu.
Gefoltert wurde schon immer und wird es leider immer noch. Im Mittelalter gab es eine Menge von standardisierten Foltermethoden. Eine davon findet sich in unserer Redensart wieder: „Jemanden auf die Folterbank spannen“. War das Opfer befestigt, begannen die Folterknechte ihr schreckliches Werk
Last, but not least
Auf den Showbühnen der Welt wird mit dieser Vorstellung der eigentliche Star des Abends angekündigt: „Der Letzte, aber nicht der Geringste“. Uns erscheint es selbstverständlich, dass der Star am Schluss der Show auftritt, als Höhepunkt.
Warum muss man denn betonen, das der Letzte nicht der „Geringste“ Künstler ist ?
Das hängt wohl, mit dem urtümlichen Drang der Menschen zusammen, nicht „der Letzte“ oder „das Letzte“ sein zu wollen. Wenn man als Star schon zum Schluss kommt, dann muss aber bitte auch beton werden, dass das nicht das „Allerletzte“ ist.
Jemanden über den Schemel barbieren
Diese Redensart kommt aus der Gaunersprache und bedeute, dass man jemanden etwas vormacht, um ihn zu betrügen. Der Schemel hat mit dem Hocker nichts zu tun, sondern war früher ein Handwerkszeug des Barbiers.
Mit dem löffelartigen Schemel hob der die eingefallenen Wangen älterer Männer an. Die Wange wurde glatt nach außen gedrückt und konnte der Barbier sein Werk vollenden.
Jemandem etwas anhängen
Hängen wir jemandem etwas an, so reden wir schlecht über ihn. „ Etwas wird schon hängen bleiben “.
Im Mittelalter war es üblich, verurteilten Verbrechern etwas um den Hals zu hängen, was auf deren Verbrechen hinwies. Gotteslästerern und zänkischen Weibern wurde ein Lasterstein um den Hals gehängt, den sie dann durch die Strassen tragen mussten. Trunksüchtige wurde eine Schandflasche ungehängt und der Verurteilte auf dem Scheiterhaufen bekam ein Schild umgehängt, auf dem der Grund der Verurteilung stand.
Herein, wenn es kein Schneider ist
Klopft es an der Tür, rufen wir dem draußen Stehenden gern scherzhaft zu:
„ Herein, wenn es kein Schneider ist. “ Eine Variante davon ist immer öfter zu hören: „Herein, wenn es kein Gerichtsvollzieher ist.“
Diese Redensart kommt aus dem 18. bzw. 19. Jahrhundert. Studenten kleideten sich gern gut, ließen sich vom Schneider etwas auf den Leib schneidern - und waren dann empört, wenn der für sein Werk Geld haben wollte. Letztlich verbinden sich so die beiden obigen Redensarten- die Angst des Schuldners vor dem Schuldeneintreiber.
Jemanden im Schlepptau haben
Haben wir eine Person im Schlepptau, so führen wir sie irgendwo hin, um ihr etwas zu zeigen oder um ihr letztlich zu helfen. Oft hat sich diese Person auch bei uns eingehängt, ohne unseren Willen.
Die Redenart kommt aus der Seemannssprache. War ein Schiff antriebslos, musste es von einem anderen abgeschleppt werden und zwar mit dem Schlepptau.
Schmiergeld
Jahrelang dachten wir Deutschen, wir hätten nichts mit Korruption zu tun. In den letzten Jahren häuften sich jedoch gegenteilige Meldungen. Wir sind auch hier im globalen Dorf angekommen. Was aber ist „Schmiergeld“ ?
Um einen Auftrag zu erhalten, bekommt der verantwortliche Geld oder Sachwerte zugesteckt. Das Wort geht auf das schmieren der hölzernen Wagenachsen zurück.
Im Mittelalter hing unter jedem Fahrwerk ein Eimer mit Pech und zu jedem Fuhrlohn musste auch ein Schmiergeld gezahlt werden. Daher kommt auch die Redensart: „Wer gut schmiert, der gut fährt“.
Das Zeitliche segnen
Das "Zeitliche" und die "Zeitlichkeit" sind schon sehr alte Begriffe für die vergängliche Welt. Von ihr nimmt der Sterbende Abschied, indem er Gottes Segen für sich herbeiwünscht.
Der letzte Wunsch eines Sterbenden wird für sehr wirkungsvoll gehalten, und so ist der Segen, den er ausspricht, das Beste, was er für seine Hinterbliebenen und die Welt tun kann.
Einige dafür früher verwendete Segenssprüche sind noch erhalten, wie der folgende, der aus dem 17. Jh. überliefert ist: "Nun sieht mich kein Mensch nimmermehr, Gott gesegn euch alle, wo ihr seyt! Gott gesegn mit alle Wollustbarkeit! Gott gesegn mein Herren und Gemahl! Gott gesegn euch, Berg und Tal!"( Quelle: arcor-home.de 2008 09 29)
Mit harten Bandagen kämpfen
Gerade in politischen Auseinandersetzungen wird heute oft „mit harten Bandagen“ gekämpft. Alles ist erlaubt und der Gegner wird nicht geschont.
Unsere Redenart stammt aus dem Kampfsport. Hände oder Füße werden - je nach Sportart - mit einer Art Binde umwickelt. Diese Bandagen sollen den Kämpfer vor Verletzungen schützen. Im alten Griechenland stand hingegen nicht er eigene Schutz im Vordergrund, sondern de Schaden, den man dem Gegner zufügen konnte.
Die Bandagen bestanden aus festem Leder und waren teilweise auch mit Metallplättchen „verfeinert“.
Einen Zahn zulegen
Leg mal einen Zahn zu ! Geh mal etwas schneller. Mach es doch schneller! Erledige die Aufgabe schneller, leg mal einen Zahn zu.
In den Burgküchen hingen die großen Töpfe an gezackten, einem Sägeblatt ähnliche Eisenschienen, mit denen man die Höhe der Töpfe über dem Feuer regulieren konnte. Wenn man also früher einen Zahn zulegte, hieß das, den Topf näher ans Feuer hängen, um die Speisen schneller zu garen. ( Quelle: Arcor-home. de / Axel Kukuk 2008 08 30)
Alle Wege führen nach Rom
Mit dieser Redewendung möchte man klar machen, dass es mehrere Lösungsmöglichkeiten für ein Problem gibt.
Für den Zusammenhalt des Römischen Reiches war der Straßenbau von zentraler Bedeutung. Er war absolute Chefsache und dem Kaiser direkt unterstellt. Jede römische Provinzhauptstadt war über eine römische Strasse direkt mit Rom verbunden.
Auf der „Miliarium Aureum“, der goldenen Meilensäule in Rom, waren die Namen und Entfernungsangaben jeder römischer Provinzhauptstadt dokumentiert; zusammen über 76.000 Kilometer.
Alte Xanthippe
Xanthippe war die Frau des Philosophen Sokrates ( 470 - 399 v. Chr. ), die sich wahrscheinlich ärgerte, dass ihr Ehemann, trotz seiner Mittellosigkeit lieber auf Athens Strassen philosophierte, statt einem Broterwerb nachzugehen.
Eine Xanthippe ist heute der Ausdruck für eine besonders streitsüchtige Frau. Dieser Xanthippe - Mythos geht letztlich zurück auf ein einziges Wort, das der athenische Geschichtsschreiber Xenophon um 380 v. Chr. nicht dem Sokrates, sondern einem seiner Diskussionsgegner in den Mund legt: „ Xanthippe, die Unverträgliche.“
Am Hungertuch nagen
Nagt jemand am Hungertuch, so halten wir ihn für besonders arm. Unserem Ausspruch liegt aber eine umgangssprachliche Verwechslung zu Grunde. Früher hieß es nämlich: „ Am Hungertuch nähen“ -und das war ein uralter kirchlicher Brauch.
Das Hungertuch war ein großer, weißer Vorhang, der in der Fastenzeit den Altar verhüllte. Nähte man an diesem oder verzierte es, so nähte man am Hungertuch. Dieses Brauchtum geriert im Laufe der Jahre jedoch in Vergessenheit und da „ Nähen „ am Hungertuch“ konnte man sich nicht mehr erklären, wohl aber das „ Nagen“.
Alles zu seiner Zeit
Diese Redewendung spiegelt die philosophische Einsicht, dass es für jedes Vorhaben eine bestimmte, eine gute Zeit gibt.
Erstmalig tauchte diese Einsicht im Alten Testament auf ( Prediger Salomo, Kap. 3, Vers. 1 ). „ Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde.“
Alter Ego
Alter Ego“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: „ Andres Ich“. Man bezeichnet damit einen sehr guten Freund. In einer Vielzahl von literarischen und philosophischen Werken wird dieser Ausdruck verwendet, von Aristoteles ( 384 - 322 v. Chr. ) bis Senece 4. v. Chr. - 65.n. Chr.) reicht die Spanne der Autoren.
Als Urherber der Bezeichnung gilt der griechische Mathematiker Pythagoras. Heute benutzen wir den Ausdruck, wenn ein Autor die Hauptfigur seines Werkes nach seiner eigenen Persönlichkeit gestaltet hat.
Moos haben
Hat jemand viel Moos, ist er sehr reich. Er hat viel viel Geld. Woher kommt diese Redewendung ?
Der Begriff „Moos“ kommt aus dem hebräischen Wort für Münze (ma'oth).
Ursprünglich wurde es nur im Rotwelsch, einer Gaunersprache ab dem 13. Jahrhundert verwendet. Erst später wurde es dann in die Studentensprache übernommen. ( Axel Kukuk - arcor-home.de 2008 08 29)
Jemandem Sand in die Augen streuen
Das Sandmännchen streut den Kindern Sand in die Augen, damit sie diese schließen und dann gut schlafen können. Wollen wir jemandem „Sand in die Augen streuen“ so wollen wir ihm nichts Gutes. Wir wollen diese Person über unsere wahren Absichten täuschen.
Unsere Redensart kommt aus der Kunst des Schwertkampfes. Der Schwertkämpfer greift mit der freien Hand in den Dreck und wirft dem Gegner den Inhalt seiner Hand nach Möglichkeit in die Augen. Das ist eigentlich unehrenhaft, aber zum Reklamieren kam der Gegner dann im Ernstfall nicht mehr.
Das ist aber poplig
Ist etwas poplig, so ist es klein und unbedeutend. Man ist versucht, an unseren Nasenpopel zu denken, doch unser Wort geht auf den lateinischen Ausdruck „ Populus“ zurück, was übersetzt „das Volk“ bedeutet.
Die Verachtung der Herrschenden bekam das Volk zu spüren, indem es als „Pöbel“ beschimpft wurde. Besaß der „Pöbel“ etwas, war es poplig, also unbedeutend, ja verachtend.
Da liegt der Hund begraben
Die Herkunft dieses Spruches liegt weitgehend im Dunkeln. Es gibt mehrere Deutungen:
Vielleicht weil gemäß
altem Volksglauben war es in Schweden so, dass wenn jemand stolperte,
dann war es weil tief im Boden lag ein toter Hund.
Der heutige
Sinn ist: "Die Ursache, der Auslöser, der Sinn von etwas
sein - meist von einem Übel. Der Ursprung hat aber (aller
Wahrscheinlichkeit nach) nicht mit dem Wort Hund (mit der heutigen
Bedeutung = "vierbeiniges Haustier") zu tun, sondern mit
dem althochdeutsch. Wort: "hunda" = Beute, Raub (bzw. dem
mittelhochdeutsch. Wort: "hunde" = (mit gleicher
Bedeutung).
Das Sprichwort bedeutet ja: Da ist die Ursache für
das Problem. Viele Sprichwörter wurden früher wörtlich
gemeint. Heute sind sie übertragen. Manche Leute begraben ihren
Hund heute noch im Garten.
Der Ausspruch stammt vom
mittelhochdeutschen "hunde", dem damaligen Begriff für
Beute, Raub und Schatz. Also bedeutet der Satz ursprünglich: "Da
liegt der Schatz begraben."
"Da liegt der Hund
begraben." Die Redensart bezieht sich auf den in der Erdentiefe
verborgenen Schatzhüterhund der Volkssage. Oft ist es der
Geizige selbst, der nach seinem Tode als Hund die Schatzgräber
abschreckt.
Das ist ( nicht ) der wahre Jakob
Unsere Redensart braucht man, wenn man nach langem Überlegen endlich auf die Lösung eines Problems stößt. Auch Hape Karkeling war auf der Suche nach dem „wahren Jakob“ wie er in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ beschreibt.
Er pilgerte über den Jakobsweg ca. 800 km nach „ Santiago de Compostela“ zum Grab des Apostels Jakobus, dem Schutzheiligen Spaniens. In früheren Zeiten war einigen Pilgern der weg u weit und so pilgerten sie zu anderen Grabstätten von Heiligen, die auch Jakob hießen. Aber der „wahre Jakob“ liegt nun mal in Spanien begraben.
Das ist doch Jacke wie Hose
Wenn wir sagen, dass ein Umstand „ Jacke wie Hose“ ist, so meinen wir, es sei einem einerlei.
Tatsächlich stammt dieser Ausspruch aus dem 17. Jahrhundert. In der Zeit davor, verwendete man für die Hose andere Stoffe als für die Jacke. Das fand man modern und schick.
Dann kamen flotte Schneider auf die Idee, für die Jacke den gleichen Stoff zu verwenden wie für die Hose. Es war also der gleiche Stoff, oder eben ein und derselbe Stoff, aus nun Anzüge gefertigt wurden.
Es war von nun an völlig „ Jacke wie Hose“, denn die beiden Kleidungsstücke aus dem gleichen Stoff gefertigt.
Den Faden verlieren
Was kann einem schlimmeres passieren als bei einer Rede oder kurz vor dem Beginn eines Vortrages den Faden zu verlieren ?
Man weiß nicht weiter, weiß nicht mehr, was man sagen soll.
Hätte in der griechischen Sagenwelt der athenische Prinz Theseus den Faden verloren, den ihm Ariane übergab, wäre ihm wirklich schlimmeres passiert.
Es hätte wohl nie aus dem minoischen Labyrinth gefunden, kein Mensch hätte von seinem Sieg über den Minotaurus erfahren können und er wäre wohl niemals König von Athen geworden.
Den Laufpass bekommen
Beendet von sich aus eine Person eine Liebesbeziehung, bekommt der einstige Partner den Laufpass. Das Gleiche gilt natürlich auch bei Beendigungen von Arbeitsverhältnissen. Hier bekommt der ehemalige Angestellte den Laufpass.
In früheren Zeiten bekamen Soldaten, deren Dienstzeit zu Ende war, von ihren Vorgesetzten einen Laufpass ausgestellt. Dieser Laufpass war Empfehlung und Zeugnis zugleich und sollte den Soldanten bei der Arbeitssuche helfen.
Kein Blatt vor den Munde nehmen
Wer immer offen seine Meinung sagt, ob sie den andere passt oder auch nicht, der nimmt kein Blatt vor den Mund. Der Trainer stauchte seine Mannschaft in der Halbpause zusammen, er nahm kein Blatt in den Mund.
Diese Redewendung kommt von einer alten Sitte aus der Theaterwelt. Es war üblich, sich Blätter - oder auch Fächer - als quasi Maske vor Mund zu halten, um für das was man sagte, später nicht zur Verantwortung gezogen zu werden. So konnte jeder für sich ordentlich lästern, und keine wusste im Nachhinein, wer was gesagt hatte. ( Axel Kukuk 2007 08 31 )
Die Arschkarte ziehen
Hat jemand die Arschkarte gezogen, so ist er unangenehm aufgefallen und oder er muss etwas Unangenehmes machen.
Eine geläufige Erklärung lautet: Sah der Schwarz-Weiß- Fernsehzuschauer, dass der Schiedsrichter eine aus seiner Gesäßtasche zog, so wusste er, dass es die rote Karte sein würde.
Leider ist diese Erklärung falsch, gelbe und rote Karten gibt es erst seit der WM 1970; Farbfernsehen in Deutschland jedoch bereit seit August 1967.
Der Begriff „ Arschkarte“ kommt vielmehr aus dem alten Kartenspiel „ Arschloch“. Der Verlierer zieht immer die Arschkarte.
Jemandem
das Wasser (nicht) reichen können
Bekanntlich
wurde im Mittelalter nicht mit Besteck gegessen, sondern mit den
bloßen Fingern.
Um hierbei den untersten Anforderungen der Hygiene zu entsprechen, wurde vor und nach dem Essen eine Schale Wasser gereicht, um den Gästen das Waschen der Finger zu ermöglichen.
Freilich wurde dies nur in vornehmen Häusern so gehalten. Und in vielen Erzählungen über ebendiese Essen bei vornehmer Herrschaft, etwa bei Hofe, wird das so genannte "wazzer nemen" erwähnt.
Derjenige, der das Wasser den Gästen reichen "darf", ist ein Untergebener des Hausherrn. Wenn man also nicht einmal wert genug ist, das Wasser reichen zu dürfen, dann ist man so weit vom Standard der Gäste entfernt, dass "man diesen nicht das Wasser reichen kann." Diese übertragene Bedeutung wurde vor allem auch durch das Zitat in Goethes "Faust" bekannt: "Aber ist eine im ganzen Land, / Die meiner trauten Gretel gleicht, / Die meiner Schwester das Wasser reicht?" ( Quelle: home-arcor.de 2008 08 29 )
Mit Glacehandschuhen anfassen
Wenn wir etwas oder jemanden mit Glacehandschuhen anfassen, dann behandeln wir ihn oder es mit einer ganz besonderen Vorsicht und Schicklichkeit.
Was sind denn nun Glacehandschuhe ?
Heute wieder in vornehmen Häusern modern waren die meist weißen Glacehandschuhe vor allem für den Frack tragenden Herren Pflicht. Diese Handschuhe bestanden ursprünglich aus feinen weißen Leder und glänzten. Daher auch der Name.
Heute werden häufig diese Glacehandschuhe aus Baumwolle hergestellt und vor allem von männlichen Dienstpersonal getragen, aber auch Taxifahrer in Süd-Ost-Asien tragen diese weißen Handschuhe.
Der eigentliche Ursprung dieser seltsamen modischen Erscheinung könnte wohl darin liegen, dass das Dienstpersonal beim Anfassen teurer Vasen und Keramiken keine Fingerabdrücke hinterlassen sollte.
Diese wertvollen Teil „sollten eben mit Glacehandschuhen“ angefasst werden.
Die Büchse der Pandora
Wenn sich heute Menschen z. B. gegen die Gentechnologie aussprechen, warnen sie oft davor, „die Büchse der Pandora“ zu öffnen. Der griechischen Sage zufolge hatte Prometheus den Menschen das Feuer gebracht - gegen den Willen der Götter.
Zum „ Ausgleich“ schenkte Zeus dessen Schwägerin eine Büchse, in die er alles Böse einschloss. Pandora sollte sie nicht öffnen - aber aus Neugier tat sie es doch. Und alles Schlechte kam über die Welt. Es gibt Versionen, wonach Pandoras Ehemann Epimetheus die Büchse öffnete. Einige Wissenschaftler glauben auch, dass die Büchse viel ehe ein Krug gewesen sein könnte.
Die diebische Elster
Die Elstern sind hochintelligente Vögel, die unter anderem Futterverstecke anlegen und nicht wie andere Vögel vom Boden in den Schnabel leben.
Seit dem Mittelalter haben die Elstern den Ruf. Diebisch zu sein und dem Menschen silbrig glänzende Dinge zu entwenden.
Wahr ist, dass die Elstern, sollten sie auf Futtersuche solche Dinge finden, diese gern untersuche und gegebenenfalls einzeln verstecken.
Humor bewiesen die Finanzbehörden, als sie die neue Internet-basierte Steuererklärung „Elster“ nannten.
Die graue Eminenz
Als „ graue Eminenz“ wird in der Politik jemand mit sehr viel Einfluss beschrieben, der aber nicht nach außen hin auftritt.
Zuerst wurde dieser Beiname für den französischen Kapuzinerpater Pere Joseph ( 1577 - 1638) gebraucht.
Er war der engste und einflussreichste Berater des französischen Staatsmannes Kardinal Richelieu ( 1585-1642).
Als Kapuniermönch war Pere Joseph immer grau gekleidet. Richelieu hätte ihm gerne zum Kardinalstitel, zum Titel „ Eminenz“, verholfen, doch politische Gegner verhinderten dieses.
Die Platte putzen
Wenn wir die Platte putzen machen wir nicht die Herdplatte sauber, sondern wir machen uns besonders schnell davon, ergreifen die Flucht.
Der Ausdruck kommt aus dem Rotwelschen, einer Art Geheimsprache. Sie wurde im Mittelalter vom fahrenden Volk und von Vertretern so genannter unehrlicher Berufe benutzt.
Die jiddischen Worte p`lat ( Flucht) und puz ( sich zerstreuen ) gaben hier die Grundlage für unsere Redewendung.
Die Seele baumeln lassen
Es geht einem gut, Körper und Seele sind im Einklang - man lässt seine Seele baumeln.
Diese Redensart geht auf Kurt Tucholsky ( 1890 .- 1935 ) zurück. In seinem Werk „ Schloss Gripsholm“ von 1931 erzählt er eine heiter-melancholische Liebesgeschichte. Der Ich-Erzähler und seine Freundin Lydia „lagen auf der Wiese und baumelten mit der Seele“.
Die Unschuld vom Lande
Ist jemand unerfahren und naiv, so bezeichnen wir ihn als “Unschuld vom Lande“. Oft spielt uns diese Person jedoch die Unschuld nur vor. An diese Art Deutung hat Friedrich Schiller ( 1759 - 1805 ) wohl nie gedacht, als er sein Drama „Wilhelm Tell“ schrieb. Nachdem der Landvogt Gessler von Tells Pfeil tödlich getroffen niedersank, ruft Tell:
„ Du kennst den Schützen, suche keinen anderen !
Frei sind die Hütten, sicher ist die Unschuld
vor Dir, Du wirst dem Lande nicht mehr schaden
Dreikäsehoch
„Dreikäsehoch“ wurde zum drittschönsten Wort des Jahres 2007 gewählt. Den Begriff „Dreikäsehoch“ benutzen wir für ein kleines Kind, um ihm seine wahre Größe und Reife in Erinnerung zu rufen.
Unser Begriff stammt aus dem Mittelalter. Da es zu dieser Zeit keine überregionalen Maßeinheiten gab, behalf man sich mit der Größenbeschreibung mit damals allgemein bekannten Größen. Ein Kind, das so groß war wie drei übereinander gestapelte Käseleiber, war eben noch ein kleines Kind.
Der Fluch der bösen Tat
Wenn jemand etwas Böses tut, so zieht dies weitere Untaten nach sich - das ist der Fluch der bösen Tat.
Diese Redensart ist ein Zitat aus Schillers Triologie „Wallenstein“ ( vollendet 1799 ). Das Drama spielt im 30-jährigen Krieg.
In einer Szene sagt Oktavio Piccolomini, der Vertraute von Wallenstein, zu seinem Sohn Maxi: „Das ist eben der Fluch der bösen Tat, dass sie fortzeugend immer Böses muss gebären.“
Die böse Tat besteht im „Wallenstein“ darin, dass Fürst Wallenstein Kaiser Ferdinand den II. hintergehen und sich heimlich mit den Schweden verbünden will.
Die Latte hochlegen
Wir haben hohe Ansprüche an die Schulleistung unserer Kinder. Wir wollen dass, sie in schweren Leistungsprüfungen gut bestehen. Wir erwarten das es so sein wird. Wir legen die Latte sehr hoch.
Der Ausdruck kommt aus der Leichtathletik vom Hochsprung oder auch Stabhochsprung.
Bei jedem neuen Versuch wird die Latte ein kleines Stück höher gelegt. Die Leistungen der Springer müssen sich im Wettkampf entsprechend immer und immer mehr steigern.
Wer drei mal hintereinander die Latte nicht überspringt, also die „Latte reißt“, ist draußen. ( Axel Kukuk 2007 08 19)
Der letzte Schrei
Der letzte Schrei bezieht sich meistens auf Angelegenheiten aus der Modewelt. Jedes Jahr wird die Mode neu erfunden und wer sich dem jährlichen Modediktat unterwirft, kann sicher sein, nach dem letzten Schrei gekleidet zu sein.
Da Frankreich in Modesachen eine Vorreiterrolle einnimmt, kommt „der letzte Schrei“ von „le dernier cri“. Der Ursprung ist leider ungeklärt und so können wir nur spekulieren. Unsere Vermutung ist, das „le dernier cri“ eine sprachliche Abschleifung ist von „le dernier creation“, der neuesten Modeschöpfung also.
Dumme Gans
Mit „Dumme Gans“ bezeichnet man in beleidigender Form, eine Frau, die nicht besonders schlau ist oder die man nicht besonders mag.
Das Vorurteil, dass Gänse dumm sind, kommt höchstwahrscheinlicher Weise daher, dass sie sich auf dem Land reichlich unbeholfen fortbewegen und in ihrer Schar immer viel zu schnattern haben.
In Wirklichkeit sind diese Tiere sehr intelligent. Das was schon in der Antike wohl bekannt.
So wurden sie im alten Rom wie eine Art Wachhund eingesetzt und haben der Sage nach das Kapitol gerettet.
Eine abgekartete Sache
Stellen wir fest, dass etwas eine abgekartete Sache ist, so hat man versucht, uns zu betrügen. Unsere Kontrahenten haben miteinander schon von vorneherein alles zu unseren ungunsten beeinflusst.
Unsere Redensart stammt aus der Ganovensprache. Beim Kartenspiel vereinbarten die Kartenspieler - durch manipulierte Karten oder durch andere Tricks - fremde Mitspieler zu betrügen und sie so auszunehmen.
Ein Aufschneider sein
Ein Aufschneider ist ein Mann, der angibt - ohne dass es dafür eine realistische Grundlage gäbe. Ein klassisches Beispiel für einen Aufschneider ist wohl die literarische Figur des Lügenbarons von Münchhausen.
Vom Begriffs her abgeleitet ist die Vorstellung von jemandem, der von einem Braten so dicke Stücke abschneidet, dass man sie kaum essen, geschweige denn verdauen kann.
Eine Heidenarbeit
Haben wir eine große Menge an Arbeit zu erledigen, so sprechen wir oft von einer Heidenarbeit. Unsere Redensart geht auf das Mittelalter zurück. Hier durften Heiden damit meinte man Nichtchristen - keinen Grundbesitz erwerben.
So mussten sie sich in den Städten ansiedeln. In den Städten waren jedoch die Handwerker in Zünften organisiert, die wiederum nur Christen aufnahmen. Also hatten sie hier auch keinen Zugang. Es blieb Ihnen nur übrig, besonders unangenehme und verachtete Arbeit auszuführen, wie zum Beispiel den Geld- oder Zinshandel - eben eine Heidenarbeit.
Busenfreund
Kennen wir nicht noch unser Teeny-Alter, in dem jeder Junge einen „Busenfreund“ und jedes Mädchen „eine Busenfreundin“ hatte ?
Das waren ganz enge Freunde bzw. Freundinnen, mit dem man jeden Herz-Schmerz teilte und durch dick und dünn ging.
Mit der weiblichen und/oder männlichen Brust hat dieser Begriff gar nichts zu tun, er zeigt eher, dass Busenfreunde eine Herzenssache ist.
Tatsächlich kommt dieser Begriff aus der Romantik und wurde als poetisches Wort für das Innerste gern verwendet. So heißt es schon in Mozarts Zauberflöte:
„ Ich möchte sie dann voll Entzücken
An meinen heißen Busen drücken“
( Axel Kukuk 2007 08 20 )
Eine Retourkutsche
Wir werfen jemanden etwas vor und bekommen anstelle von Einsicht einen Gegenvorwurf gemacht - das kann doch dann nur eine billige Retourkutsche sein.
Wird eine ausgesprochene Beleidigung oder Beschimpfung an den Absender zurück gegeben, spricht man auch hier von einer „ billigen Retourkutsche“.
Der Begriff geht in der tat auf das Kutsche fahren zurück. Mit einer kutsche erreicht man sein Ziel, man erledigte seine Geschäfte und konnte oft mit der gleichen Kutsche wieder zurück- , also retour - fahren.
So, wie wir den Begriff heute gebrauchen, fahren - anstelle von Passagieren - Vorwürfe und Beleidigungen hin und her, ohne jeden Zwischenaufenthalt.
( Axel Kukuk 2008 08 20)
Einen Schuss vor den Bug
Bekommt jemand einen Schuss vor den Bug, so ist das die letzte Warnung, aber oft auch eine Chance, von seinem bisherigen Tun abzulassen.
Aus der Seemannssprache kommt diese Redensart. Wollte man ein gegnerisches Schiff aufhalten oder zum Beidrehen zwingen, bekam es zu allererst einen Schuss vor das Schiffsvorderteil, den Bug, gesetzt.
Reagiert das gegnerische Schiff auf diese letzte Warnung nicht, so wurde es dann aus allen Rohren beschossen.
Ein Irrwisch
Den Begriff wählt man häufig für ein besonders lebhaftes Kind, das in seiner Art ein wenig unstet ist. Unwillkürlich denken wir an den tanzenden Derwisch. Das aber hat mit dem Irrwisch nichts zu tun.
Ein anderer Ausdruck für Irrwisch ist Irrlicht. Irrlichter sind kleine Flämmchen, die mal hier mal dort in sumpfigen Gebieten oder Mooren aufflackern. Abergläubig werden diese irrlichter als brennende Seele angesehen. Doch wissenschaftlich betrachtet, handelt es höchstwahrscheinlich um sich selbst spontan entzündende Faulgase.
Eine drakonische Strafe
Mit einer drakonischen Strafe bezeichnet man eine überharte Strafe. Der Ausspruch geht auf den griechischen Gesetzreformer Drakon ( um 650 v. Chr. ) zurück, der 621 v. Chr. Das alte griechische Gewohnheitsrecht aufzeichnete.
Außerdem setzte er durch, dass allein die staatlichen Gerichte für die Vergeltung von Verbrechen zuständig waren.
Das alte Recht war äußerst grausam, so stand z. B. auf Obstraub die Todesstrafe und Blutrache war noch selbstverständlich. Damit das Volk die neue Gerichtsbarkeit auch anerkannte, musste der Strafenkatalog von althergebrachter Strenge sein.
Eine Katzenwäsche machen
Sind wir sehr in Eile, wird oft aus der gründlichen Köperpflege eine Katzenwäsche. Alles muss rasend schnell gehen. Nur ein paar Wassertropfen werden ins Gesicht gespritzt.
Die Redensart geht auf eine tierische Eigenart zurück, die von uns Menschen falsch gedeutet worden ist: Katzen waschen sich nicht mit Wasser, sondern säubern ihr Fell auf das Gründlichste mit ihrer Zunge.
Wenn man eine Katze bei der Pflege es Fells beobachtet, weiß man nicht, wie es zu so einem abschätzigen Vorurteil über die Katzenwäsche kommen konnte.
Aus einer Mücke einen Elefanten machen
Wir übertreiben maßlos, wir bauschen etwas völlig übertrieben auf, wir machen aus einer Mücke einen Elefanten.
Diese Wendung stammt bereits aus der griechischen Antike und wurde im Anschluss daran von Erasmus von Rotterdam (um 1466 - 1536) latinisiert. Das rhetorisch-stilistische Mittel, das der Wendung zugrunde liegt, ist der extreme Kontrast. ( Axel Kukuk - acor-home.de 2008 08 29)
Einen Streit vom Zaun brechen
Bricht man einen Streit vom Zaun, so provoziert man mit Absicht eine Auseinandersetzung. Die weit verbreitete Erklärung, bei einem Streit breche man aus einem Zaun als Waffe einen Pfahl heraus, erscheint sehr konstruiert.
Denn in den früheren Zeiten gab es gar nicht so viele Zäume mit Zaunpfählen. Diese Redensart erklärt sich eher aus dem englischen Wort „ Town“ ( Stadt ) heraus, dass mit dem Wort „Zaun“ verwandt ist.
Diese Worte bezeichnen nicht das Hindernis, sondern das von einem Zaun umschlossene Gebiet. Brach man einen Streit vom Zaun, begann man danach eine Streitigkeit über ein Gebiet.
Eine Scharte auswetzen
Versuchen wir eine Scharte auszuwetzen, so bemühen wir uns, einen dummem Fehler oder eine peinliche Niederlage wieder auszugleichen. Unsere Redensart kommt aus der Bauernsprache.
Beim Mähen konnte es passieren, dass die Schneidegeräte - Sichel oder Sense - auf einen Stein trafen, was eine Scharte im Schneideblatt zur Folge hatte.
Diese Scharte wurde dann vom Bauern mit einem Wetzstein wieder ausgeglichen, also ausgewetzt.
Jemandem einen Korb geben
Dies entspricht einem alten volkstümlichen Motiv, dem Hochziehen des Freiers in einem Korb, der aus dem Fenster der Angebeteten heruntergelassen wurde.
War der Freier unerwünscht, wurde ein Korb mit lockerem Boden heruntergelassen. Dieser brach unter dem Gewicht des Freiers durch. Der durch eine derart "bodenlose" Gemeinheit durchgefallene Liebhaber war auch bei der Bevölkerung dann "unten durch". Eine andere Variante der Abweisung bestand darin, den Korb mit dem Freier auf halber Höhe des Hauses "hängen zu lassen".
Diese mittelalterlichen Bräuche waren im 17. Jh. bereits nicht mehr bekannt, so dass die Wendung auch den allgemeinen Sinn eines negativen Bescheids erhalten konnte. ( Quelle: arcor-home.de 2008 08 29)
Ein Kassandraruf
Seit Jahren hören wir von den Umweltschützern, wie einen Kassandraruf, dass wir Menschen an der Erderwärmung schuld sind.
Ähnlich der Kassandra, einer Gestalt aus der griechischen Mythologie, wollen auch ihnen nur sehr wenig Verantwortliche glauben.
Kassandra bekam von Apollon die Gabe der Vorhersehung. Als Apollon aber dann von ihr abgewiesen wurde, bewirkte er, dass die Menschen nicht mehr auf ihre Warnungen hörten. o warnte Kassandra ihre trojanischen Mitbürger vor den Gefahren des „ Trojanischen Krieges “. Aber da ihr keiner glaubte, musste Troja fallen.
Ein Pechvogel sein
Ist jemand andauernd vom Unglück verfolgt, so sprechen wir von ihm als Pechvogel. Der Ausdruck geht auf die mittelalterliche Fallenstellerei zurück.
Um Vögel zu fangen, wurden Baumäste mit Pech bestrichen. Landeten nun die armen Tiere auf einem solchen Ast, klebten sie fest und waren so leichte Beute des Fallenstellers. Das bemitleidenswerte Flattern und Rufen dieser Vögel lebt in unserer Redensart fort.
Ein Pfundskerl
In den Zeitungen konnten wir die Schlagzeile lesen: „ Deutschland hat die meisten Pfundskerle“. Zwei Drittel aller deutschen Männer sind zu dick.
Um ein Pfundskerl zu sein, braucht man aber keinen dicken Bauch. Ein Pfundskerl ist ein fröhlicher, gutgelaunter und hilfsbereiter Mann, auf den man sich immer verlassen kann - ein ganz hervorragendes Exemplar seines Geschlechts. Der Pfundskerl kam um ca. Jahr 1900 zu seinem Namen, als in Berlin die Jugendsprache einen neuen Modeausdruck erfand: „ Pfundig “, was so viel wie „klass“ bedeutet.
Ein salomonisches Urteil
Ein salomonisches urteil ist ein besonders ausgewogenes Urteil. Ein Urteil, dass in unserer Rechtssprechung leider viel zu selten vorkommt. Den Namen hat unser Urteil von jüdischen König Salomon.
Im Alten ‚Testament, im ersten Buch der Könige, wird von seinem Reichtum und seiner großen Weisheit berichtet. Berühmt ist sein Urteil bei einem Streit zwischen zwei Mütter um ein Kind.
Leider muss die historische Existenz der Person Salomon bezweifelt werden, denn bisher konnte sein so mächtiger Palast archäologisch nicht nachgewiesen werden.
Elefant im Porzellanladen
Benimmt sich jemand wie ein Elefant im Porzellanladen, so richtet man durch seine unbeholfene Art Schlimmes an. Auch in dieser Redensart werden einmal wieder einem Tier schlechte Eigenschaften angedichtet, die es gar nicht hat.
Der Elefant ist Wirklichkeit ein sehr vorsichtiges und intelligentes Tier. Man geht sogar davon aus, dass ein Elefant ein „Ich - Bewusstsein“ hat.
Als der Volksmund diese Redensart erfand, war davon nichts bekannt. So war es eine lustvolle Vorstellung, dieses schwere, urweltliche Tier durch einen laden mit den feinen, zerbrechlichen Sachen marschieren zu lassen.
Ein Verhalten wie ein Backfisch
Ein Verhalten wie ein Backfisch legt meist eine junge Frau an den Tag. Sie ist kein mehr, aber auch noch keine Frau. Man nimmt sie einfach nicht richtig ernst.
Der Ausdruck „Backfisch“ kommt aus dem Englischen. Der „ Backfish “ ist ein Fisch, der nach dem Fang als zu jung und zu klein betrachtet wird und dann zurück ins Meer - Englisch „back“ - geworfen wird.
Es fällt einem wie Schuppen von den Augen
Fallen jemandem die besagten Schuppen von den Augen, sieht er auf einmal klar und sieht die Gesamtheit eines Problems in seiner Ganzheit.
Diese Redensart geht auf das Neue Testament zurück.: Apostelgeschichte des Lukas 9,18 )
Saulus von Taurus wurde durch den Jünger Hananias von seiner vorübergehenden Blindheit geheilt: „Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen und er wurde wieder sehend.“
Daraufhin ließ sich Saulus als Christ taufen. Später nahm er den Namen Paulus und wurde neben Simon Petrus einer der bedeutendsten Apostel.
Die grüne Minna
Schon zu Zeiten, als die Erkennungsfarbe der Polizei noch nicht grün war, wurde der Dienstwagen der Polizei vielerorts als „Grüne Minna“ bezeichnet.
Der Name entstand bereits Mitte des 19. Jahrhunderts. 1866 bekam die Berliner Schutzmannschaft. ein Vorläufer der heutigen Polizei - ein grüner, geschlossenes Pferdefuhrwerk für den Gefangenentransport.
Wenig später hieß das Gefährt im Volksmund „Grüne Minna“. Der Name Minna geht auf das jiddische „meanne sein“ zurück, was demütigen und peinigen bedeutet.
Der Transport durch die Stadt war für den Gefangenen eine demütigende Sache.
Etwas in trockene Tücher bringen
Reformen, Gesetze und Verträge, all das soll so schnell wie möglich in trockene Tücher gebracht werden. Die Verhandlungen sollen beendet und die Ergebnisse abgezeichnet werden.
Die Politiker und Unternehmensführer, die gerne diese Redensart gebrauchen, haben wohl im Hinterkopf, dass die Verhandlungen einer Schwangerschaft und die Vertragsunterzeichnung einer Geburt gleich kommen.
Das menschliche Baby wird - nachdem es gesäubert und untersucht wurde - in vorgewärmte, trockene Tücher gelegt.
Etwas über den Daumen peilen
Peilt man etwas über den Daumen, so nimmt man eine ungefähre Entfernungs- oder Mengeneinschätzung vor. Bei dem so genannten „Daumensprung“ streckt man den Arm aus, hebt dem Daumen und peilt mit dem rechten offenen Auge über den Daumen zum Beispiel ein Gebäude an.
Das linke Auge bleibt geschlossen. Blickt man nun mit dem offenen linken Auge über den Daumen, ist der Daumen nach rechts gesprungen.
Wie oft „ passt der Daumensprung ins Gebäude “? Diese Zahl mit zehn multipliziert - und sie wissen, wie weit das Gebäude ungefähr entfernt ist.
Flegel
Unser Ausdruck ein eine Beleidigung, die fast ausgestorben ist. Ein Flegel ist ein unbeholfener Mensch: jemand, der sich nicht zu benehmen weiß.
Das Wort selbst geht auf einen Dreschflegel zurück, mit dem früher das Korn gedroschen wurde.
Interessanterweise kennt man auch den Ausdruck „Flegeljahre“ kaum noch. Heute nennen wir diese Zeit: Pubertät.
Frosch im Hals
Wenn die Zeit des Winters und somit der Erkältungen jeder Jahr wieder kommt, hat wohl jeder von uns schon einmal einen „Frosch im Hals“ gehabt. Der Hals tut weh und man hat Schmerzen beim Schlucken. Beim Sprechen muss man sich dauernd räuspern.
Schuld daran ist eine kleine Geschwulst im Hals, die medizinisch „Ranula“ heißt: die Fröschleingeschwulst.
Diesen Namen trägt sie, da sie dem Halssack des Frosches ähnelt. Vielleicht leitet sich dieser Begriff aber auch über den grünen Schleim ab, der häufig beim Husten entsteht.
Für jemanden in die Bresche springen
Springt man für jemanden in die Bresche, tritt man für ihn ein, man verteidigt ihn oder man übernimmt sogar für ihn eine unangenehme Aufgabe.
Wurde in alten Zeiten eine Burg belagert und die Angreife konnten die Burgmauer beschädigen, hatten sie eine Bresche, einen Bruch, in die Mauer geschlagen. Diese Bresche mussten die Burgbewohner natürlich besonders verteidigen. Wurde nun ein Verteidiger verletzt oder gar getötet, musste sofort der nächste Verteidiger an seiner Stelle in diese Bresche springen.
Helau und Alaaf
Die mit Abstand bekanntesten Narrenrufe kommen aus den Hochburgen des Karnevals. Was den Mainzern und Düsseldorfern ihr „Helau“, ist den Kölnern ihr „Alaaf“. Die Herkunft des Wortes „Helau“ ist nicht eindeutig geklärt.
Man vermutet, dass es eine Veralberung des christlichen „Halleluja“ ist, da das ganze närrische treiben auch wie ein Gegenkonzept zum christlichen Alltag erscheint.
Das Kölner „Alaaf“ geht auf einen mittelalterlichen Trinkspruch „all af“ zurück, was so viel heißt wie „alles austrinken“. Heute bedeutet „Kölle alaaf“ aber eher: Köln vor allen anderen.
Sein Licht nicht unter den Scheffel stellen
Glauben wir, dass ein Mensch große Fähigkeiten hat, diese aber aus Bescheidenheit nicht einsetzt, so rufen wir ihm diesen Spruch zu.
Die Redensart geht auf die Bibel zurück. Matthäus Evanglium 5,1415 sagt Jesus zu seinen Jüngern: „ Ihr seid das Licht der Welt. (…). Man zündet nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter.“
Ein Scheffel war ein Hohlmaß zum Getreidemessen. Zur Zeit Jesu fasste ein Scheffel circa 9 Liter.
Stein und Bein schwören
„ Ich schwöre Stein du Bein, dass ich das nicht war.“ Dieser Satz klingt doch in den Ohren, als hätten wir ihn eben erst gehört. Doch was will uns der jenige damit sagen ? Mit diesem Schwur soll der Aussage ein ganz besonderer Nachdruck verleihen werden.
Die Wendung ist seit dem frühen 16. Jh. belegt, und zwar bei Hans Sachs. Sie ist vielfach auf alte Rechtsbräuche zurückgeführt worden.
So
soll der Stein, den man beim Schwur berührt, einem heidnischen
heiligen Stein und später dem Altarstein entsprechen, Bein
(Gebein) den Reliquien eines Heiligen. Letzteres ist seit dem 6. Jh.
im Lex Allemannorum und auch im Parzival (um 1200)
belegt. Die Kombination von Stein und Bein beim Schwur hätte
dann durch die Berücksichtigung heidnischer und christlicher
Schwurbräuche eine verdoppelnde Intensivierung bedeutet.
Diese
Deutung ist aber wegen des späten Erscheinens der Redewendung
und durch das Fehlen der Präposition (bei oder auf
Stein und Bein schwören, ähnlich wie in der Formel beim
Barte des Propheten) umstritten. Stein und Bein tauchen
nämlich schon weit früher formelhaft verbunden auf, etwa in
der ersten Hälfte des 13. Jh. bei dem schwäbischen Dichter
Freidank: "Die Zunge hat kein Bein / und bricht doch Stein und
Bein."
Diese Wendung tadelt die böse Zunge und geht auf ein lateinisches Vorbild zurück (osse caret lingua, secat os tamen ipsa maligna). Stein und Bein stammen also wahrscheinlich nicht aus dem Bereich des Rechtswesens, sondern sind als Sinnbilder der Härte und Bruchfestigkeit allgemein zur Verstärkung einer Aussage oder eines sprachlichen Bildes genutzt worden.
( Quelle: Kukuk - Thomas von Gleni - home.arcor. de 2007 08 23 )
In der Gosse landen
Arbeitslos, Hatz IV - und schon treibt einem die Angst um, in der Gosse zu landen. In der Gosse lebt eine Ansammlung von asozialen und lichtscheuen Gestalten. Ist man dort gelandet, weiß man, dass man nicht tiefer fallen kann.
Im Mittelalter gab es in der Straßenmitte eine Abwasserrinne, die Gosse. Alles Wasser wurde auf die Strasse geschüttet und lief in der Gosse zusammen. Die Geruchsbelästigung war gewaltig. Schon damals gab es Obdachlose, die auf der Straße lebten mussten. Deren soziales Umfeld war die Gosse.
Jemand eine Zigarre verpassen
Bekommt jemand eine Zigarre verpasst, so wird jemand schwer getadelt oder bekommt schlimmste Vorhaltungen gemacht. Dabei ist zu beobachten, dass meistens ein Vorgesetzter dem Untergebenen einen solchen Tadel verabreicht.
Gleichgestellte kritisieren sich auf andere Weise. In der Tat geht diese Redewendung auf stilvolles Tadeln in der Kaiserlich Deutschen Marine zurück.
Hatte der Kommandant an einem Offizier etwas auszusetzen, bestellte er ihn zu sich und bot ihm zuerst einmal eine Zigarre an.
Jemandem die Leviten lesen
Bekommt jemand die Leviten gelesen, so hat er etwas angestellt und bekommt nun dafür eine grundsätzliche Strafpredigt gehalten. Unsere Redensart stammt aus dem Mönchswesen. Schon im 8. Jahrhundert gehörte bei den Benediktiner-Mönchen gemeinsames Speisen, Singen und beten zum Ordensleben.
Dabei wurde aus der Bibel vorgelesen, sehr oft aus dem 3. Buch Mosers, auch Levitikus genannt, da es sich überwiegend mit Verhaltensmaßregeln für „ Leviten “ ( Priester) beschäftigt.
Jemandem ein Schnippchen schlagen
Im Mittelalter schnippte man mit dem Mittelfinger und Daumen, um jemanden seine Verachtung Ausdruck zu verleihen. Auch heute noch gibt es Mensche, die mit diesem Schnippen nach der Bedienung verlangen.
In der heutigen Umgangssprache wird unsere Redensart verwendet, wenn wir jemanden reingelegt haben. Oder wenn es uns gelang, sein Vorhaben zu vereitelt.
Jemanden die Stange halten
Hält man jemanden sie Stange, so ergreift man in der heutigen Zeit seine Partei und unterstützt ihn in allen Belangen. In alten Zeiten hingegen konnte es passieren, dass ein Rechtsstreit durch einen Zweikampf der beiden Rechtsparteien entschieden werden sollte. Jedem Kämpfer stand ein Sekundant zur Seite.
Erklärte sich ein Kämpfer für besiegt, so hielt der Sekundant eine Stange schützend vor oder über ihn. Ähnliches kennen wir aus dem Boxsport, bei dem zum Zeichen der Aufgabe das Handtuch geworfen wird.
Jemanden veräppeln
Veräppeln wir jemanden, erzählen wir einer Person etwas Unwahres und versuchen sie so zu veralbern.
Der Ausdruck „veräppeln“ hat allerdings nichts mit dem Apfel oder den “Äppeln“ zu tun, sondern mit dem jiddischen „eppel“ was „nichts“ bedeutet. Unser Gegenüber bekommt also eine „Nichtigkeit“ erzählt, etwas das „nicht“ stimmt
Jemandem etwas abknöpfen
Jedes Jahr aufs Neue überlegen unsere Politiker wie sie uns, den Bürgern, noch etwas mehr von unserem Geld abknöpfen können. Unsere Redensart stammt aus der Ganovensprache.
Früher war die Kleidung der reichen Damen und Herren oft mit silbernen oder goldenen Knöpfen verziert. Wurde nun einer dieser Reichen überfallen, bekam er nicht nur sein Geld abgenommen, sondern auch seine wertvollen Knöpfe abgeknöpft.
Jemandem etwas kredenzen
Kredenzen wir jemanden zum Beispiel ein Glas Wein so präsentieren und servieren wir es der Person auf einer besonders feierlichen Art und Weise.
Erstaunlicherweise kommt „Kredenzen“ vom lateinische Wort „credere“, was so viel wie Vertrauen oder etwas „Glauben“ bedeutet. Wurde im Mittelalter hochgestellten Gästen eine Speise „kredenzt“, so konnten sie darauf vertrauen, dass diese Speise vom Vorkoster überprüft war.
Jemandem in die Parade fahren
Fährt man jemandem in die Parade, so tritt man dem Kontrahenten mit besonders schlagfertigen Argumenten gegenüber. Oft kann man damit sein Vorhaben verhindern.
Die Redensart stammt ursprünglich aus der Fechtersprache. Die Parade ist beim Fechten eine Abwehrhaltung man pariert einen Schlag oder Stich.
Fährt man jemandem in die Parade, durchbricht man seine Deckung. So erklärt sich auch die Torwartparade als besondere Abwehrleistung.
Jemanden in Schach halten
Hält man jemanden in Schach, so verhindert durch eine permanente Androhung von Gewalt, zum Beispiel durch Schusswaffen, dass der Kontrahent fliehen oder selbst gefährlich werden kann.
Die Redewendung kommt vom Schachspiel. Bietet man des Gegners König Schach, So ist dass immer nur eine Androhung, niemals eine Vollstreckung.
Der König muss zunächst fliehen. Folgt nun eine Schachandrohung nach der anderen, wird er in Schach gehalten. Die Möglichkeit der Gegenoffensive wird so vereitelt und das Matt ist nicht weit.
Jemandem nicht das Wasser reichen können
Diese Redensart geht auf das Mittelalter zurück. Selbst bei höher gestellten Personen wurde hauptsächlich mit den Fingern gegessen. Die höher gestellten Diener reichten ihren Herrschaften und deren Gästen kleine Schalen mit Wasser, damit sie sich die Finger reinigen können.
Andere Teile der Dienerschaft waren nicht gut genug, das Wasser reichen zu können. Wenn wir heute zwei Personen auf Grund ihrer Fähigkeiten vergleichen, sagt unsere Redensart aus, dass eine Person mit der andere nicht mithalten kann.
Jemand um die Ecke bringen
Diese Redensart stammt aus der Ganovensprache. „ Jemand um die Ecke bringen“ bedeutet, jemanden umzubringen und geht auf die alte Verbrechertradition zurück, an dunklen Straßenecken seinem Opfer aufzulauern.
Sodann wurde das Opfer in eine noch dunklere Seitenstrasse gezogen, wo man es in aller Ruhe ausrauben konnte. Hierbei geschah leider oft auch noch schlimmeres.
Immer der Nase nach
Geben wir heute jemanden eine Richtungsanweisung, so meinen wir damit: „Immer geradeaus. “
Fragten Händler und Gaukler nach dem Weg zur nächsten Burg und dem dazu gehörigen Markt, war der Ausspruch wörtlich gemeint. Denn bei den meisten Burgen wurden die Abwässer direkt in den Burggraben geschüttet.
Ein bestialischer Gestank umwehte die Burgen und das fahrende Volk musste sich auf seinen Geruchssinn verlassen, um ans Ziel zu kommen.
Kalte Füße bekommen
Bekommt man kalte Füße, möchte eine laufende Sache am liebsten abbrechen. Für diese Redewendung gibt es zwei Erklärungen:
Erstens: Man bricht den winterlichen Spaziergang ab, weil man kalte Füße bekommen hat und man sich keine Erkältung zuziehen möchte
Die Zweite Erklärung stammt aus der Ganovensprache und bezeichnet eine Ausrede am Spieltisch, um das Spiel abzubrechen und so einen Gewinn zu sichern oder einen Verlust zu begrenzen.
Kaventsmann
Der Ausdruck „ Kaventsmann“ wird heutzutage meistens für große Tiere oder für große, schwere Gegenstände verwendet. Das Wort selbst geht auf den ( kirchlichen) Konvent zurück - den Mönch.
Hier stellte man sich einen schweren dicken Mann vor: Beleibtheit war ein Zeichen von Macht und Wohlergehen. Nicht so gemütlich kommt diese andere Anwendung des Begriffes daher. Hier ist nämlich der „ Kaventsmann“ ein Ausdruck der Seeleute für eine besonders große, dicke Monsterwelle.
Klar wie Kloßbrühe
Findet man etwas klar wie Kloßbrühe, so ist diese Sache eindeutig und nicht misszuverstehen. Sieht man sich dann aber beim Kochen so eine Kloßbrühe an, so kann von Klarheit keine Rede sein.
Bisher dachte man, der Vergleich sei ironisch gemeint. Da unsere Redensart aber ohne jeden ironischen Hintergrund gebraucht wird, kann es nur eine andere Erklärung geben:
Anstelle von Kloßbrühe muss es eigentlich „Klosterbrühe“ heißen. Die Klosterbrühe war eine Suppe der barmherzigen Mönche für die Armen. Diese enthielt nur sehr wenig Beilagen war somit eine klare Sache.
Knall auf Fall
Ereignet sich etwas „Knall auf Fall“, so passiert etwas urplötzlich, eigentlich sehr überraschend. Der Ausspruch kommt ursprünglich aus der Jägersprache. Hier hat er nichts Überraschendes, sondern beschreibt etwas nach dem Ursache-Wirkungsprinzip.
Auf den Schuss - Knall - folgt im fast selben Moment der Fall des Tieres, sofern es getroffen wurde.
Krokodilstränen weinen
Wenn wir den Eindruck haben, jemand spielt uns eine falsche Betroffenheit vor, so sprechen wir davon, dass diese Person Krokodilstränen vergisst.
Der Ausdruck geht auf eine körperliche Besonderheit der Krokodile zurück.
Sperren sie ihr Maul weit auf, um sich einen besonders großen Happen von Nahrung zu gönnen, drückt der Kiefer auf die Tränendrüsen und sie sondern Krokodilstränen ab. So erscheint es, als beweinten sie ihr Opfer.
Lunte riechen
Hast jemand das Gefühl, Lunte zu riechen, wittert er - ja riecht er - eine kommende Gefahr.
Der Ausdruck kommt aus der Ganovensprache und geht ursprünglich auf das Zünden einer Kanone zurück.
Die Lunte, eine langsam glimmende Zündschnur wurde entzündet und brachte dann die Ladung der Kanone zur Explosion.
Den stechenden Geruch der Lunte konnte man. Je nach dem wie der Wind stand, schon vorher riechen. So hatte man eventuelle noch ein wenig Zeit sich in Sicherheit zu bringen.
Mach Dich nicht mausig
Sagt man diese Redensart zu jemandem, so meint man, dass sich diese Person nicht so anstellen soll bzw. nicht so frech und vorlaut sein soll.
Was at das alles mit der kleinen Maus zu tun, die eher ein scheues Nagetier ist ? Gar nichts !
Diese Redewendung geht auf das Verhalten von Jagdfalken während Ihres Federwechsels, der Mauser, zurück. In dieser Zeit sind die Vögel besonders schwierig, sehr lebhaft und angriffslustig.
Mach keinen Firlefanz
Gibt man jemanden diese Redenart mit auf dem Weg, meint man: Die Person soll keinen Unsinn machen, keinen dummen Mist machen, soll sich nicht närrisch verhalten.
Unsinn, dummen Mist, Narreteien und vieles mehr sind vereint in dem Wort „ Firlefanz“.
Das Wort selbst geht auf den mittelalterlichen französischen Tanz „Virelai“ zurück, der ein besonders ausgelassener Ringel- und Kreiseltanz war. Und so wurde aus dem „Virelai-Tanz“ das Wort „Firlefanz“.
Matthäus am letzten
Zur Monatsmitte ist schon für viele „ Matthäus am letzten “: Unser Gehalt ist verbraucht und der Dispokredit muss uns retten. Unsere Redensart geht auf Martin Luther zurück.
Er zitiert in seinem Katechismus aus dem Matthäus-Evangelium: „ Da unser Herr Jesus Christus
spricht Matthäus am letzten:
Geht hin in alle Welt (…).
Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende “
Ins heutige Deutsch übersetzt: Jesus sagt die Worte im Matthäus-Evangelium als Letztes.
Mit jemandem Tuchfühlung aufnehmen
In jeder Liebesbeziehung gibt es eine Phase, in der man mit seinem Partner zum ersten Mal Tuchfühlung aufnehmen möchte. Obwohl es einem dabei nicht um das Befühlen der schönen Kleider des Partners geht.
Diese Redensart stammt aus der Soldatensprache. Bilden die Soldaten ein Spalier, so sollen sie so eng aneinander stehen, dass sie das Uniformtuch des Nebenmanns fühlen können.
Mit offenem Visier kämpfen
Kämpft man in einer Auseinandersetzung mit offenem Visier, so legt man seine Absichten offen und ehrlich dar. Die mittelalterlichen Ritter schützten während eines Kampfes ihr Gesicht durch das heruntergeklappte Visier.
Der Gegner war nun nicht mehr in der Lage, die Gemütsregungen im Gesicht des Gegners zu erkennen.
Die Normalität für einen Ritter war der Kampf mit dem schützenden Visier. Umso mehr betont unsere Redensart die Besonderheit, sich seinem Kontrahenten schutzlos zu zeigen.
Mit seinen Pfunden wuchern
Diese Redewendung geht auf das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden zurück.
( Lukas Evangelium Kap. 19, Vers. 12 - 28). Zehn Knechte bekommen von einem Fürsten jeweils 1 Pfund ( alte Währungseinheit ) anvertraut. Der Fürst ergibt sich auf einen Eroberungsfeldzug und in der Zwischenzeit sollen die Knechte das Geld verwalten und mehren.
Diesen Vorgang bezeichnete man damals als „wuchern“ - ohne den negativen Beigeschmack, den das Wort heute hat. Mit seinen Pfunden wuchern meint, dass man seine Talente einsetzt und auch nutzt.
Nach jemandes Pfeife tanzen
Wenn man nach jemandes Pfeife tanzt, ordnet man sch ihm bedingungslos unter und richt sich in allen Dingen nach ihm. Über die Herkunft dieser Redewendung gibt es verschiedene Meinungen:
Auf dem Blocksberg im Harz tanzten die Hexen nach des Teufels Pfeife. Der Rattenfänger von Hameln ließ erst die Ratten und später - um seien Lohn betrogen - die Kinder nach seiner Pfeife tanzen.
Die einfachste Erklärung wäre, dass die Flöte oder Pfeife früher ein häufig verwendetes Musikinstrument war, nach der sich alle Tänzerinnen und Tänzer richteten.
Nägel mit Köpfen machen
Wenn wir Nägel mit Köpfen machen wollen, dann wollen wir eine Sache richtig angehen oder eine Sache zu einem guten Abschluss bringen. Seit der Mensch mit Metall umgeht, also seit der Bronzezeit, gibt es Nägel.
Nägel haben immer einen Kopf. Ohne diesen Kopf könnte der Nagel seine vordringlichste Aufgabe, zwei Materialien miteinander zu verbinden, nicht erfüllen. Benutzen wir unsere Redensart, so drücken wir aus, dass das, was vorher passiert ist, so unnormal ist, wie Nägel ohne Köpfe.
Narhallamarsch
Der Narhallamarsch ist das wichtigste Musikstück in der Karnevalszeit. Bei Karnevalssitzungen wird er traditionsgemäß als Ein- und Auszugsmarsch der närrischen Bühnenakteure gespielt. Der ursprüngliche Marsch wurde von dem französischen ‚Komponisten Adolphe Adam ( 1803 - 1856 ) geschrieben.
Der Kapellmeister Karl Zulehner ließ sich vom französischen Original inspirieren und schrieb 1843 den „Jocus-Marsch“, den späteren „Narhallamarsch“. Das Wort „Narhalla“ ist eine Kombination aus „Narr“ und“ Walhalla“, der germanmythischen Ruhmeshalle.
Nelkensamstag, Veilchendienstag
Die Fastnachtswoche beginnt mit dem „schmutzigen Donnerstag“, dem Donnerstag vor Aschermittwoch. An diesem Tag wurde früher noch einmal geschlachtet. Ein paar Tage später wäre das Schlachtfest wegen der zeitlichen Nähe zur Fastenzeit sinnlos gewesen.
Die eigentlichen Höhepunkte der Fastnachtswoche sind der Nelkensamstag, der Tulpensonntag, der Rosenmontag und der Veilchendienstag mit ihren regionalen Umzügen. Eine Erklärung für die Herkunft der Blumennamen könnten heidnische Frühlingsfeste sein, die in der heutigen Fastnacht noch durchschimmern.
Nicht alle Tassen im Schrank
Hat jemand nicht alle Tassen im Schrank, so finden wir, dass die betreffende Person nicht ganz klar bei Verstand ist. Der Vorwurf meint im übertragenden Sinn, dass dieser Jemand nicht alle 5 Sinne beisammen hat.
So ist unser Wahrnehmungsgleichgewicht schwer gestört, wenn uns nur einer dieser Sinne - Hören, Sehen, Riechen, Schmecken, Fühlen - fehlen würde.
Unsere Redensart hat auch nicht mit der Tasse als Trickgefäß zu tun, sondern kommt wahrscheinlich vom jiddischen Wort „ toshia “, was übersetzt „Verstand“ bedeutet.
Nur über meine Leiche
Mit diesem Ausspruch bekräftigen wir, dass wir entschieden gegen ein Vorhaben sind und dass wir alles tun würden, es zu verhindern. Diese Redensart geht auf das Drama „ Hedwig“ von Carl Theodor Körner ( 1791 - 1813) zurück.
Die Titelheldin schleudert dem Bösewicht Rudolf entgegen: „ Nur über meine Leiche geht der Weg.“ Heute kennt kaum noch jemand den Autor Körner. In der Vergangenheit wurde sein Leben als Schriftsteller und Soldat jedoch als Vorbildlich empfunden. Deswegen standen seine Werke auf den Lehrplänen des Deutschen Bundes und später auch des Deutschen Reiches.
Oberwasser bekommen
Die Redensart beschreibt, dass jemand langsam einen Vorteil gewinnt oder persönlich in eine bessere Lage kommt. Oberwasser nennt man das gestaute Wasser oberhalb eines Mühlrades.
Das abfließende Wasser unterhalb des Mühlrades war das Unterwasser. Leitete man das Oberwasser auf das Mühlrad, bekam das Mühlrad Oberwasser und setzte sich langsam in Bewegung.
Der Arbeitsgang des Mahlens konnte beginnen. Etwas Statisches hatte sich durch das Oberwasser in etwas Dynamisches verwandelt.
Ohne großen Aufhebens
Es war im 17. Jahrhundert bei großen Schaugefechten durchaus üblich, die Degen in einer Art immer wieder kehrenden Zeremonie mit angeberischen Worten aufzuheben.
Dieses wurde von den eigentlichen Kämpfern jedoch als übertrieben und völlig überflüssig angesehen. So wurde im Laufe der Zeit auf dieses Ritual wieder verzichtet. Die Waffen wurden jetzt wieder „ohne großes Aufheben“ zu sich genommen.
Heute wird vielfach die Wendung als „nicht viel Aufheben machen„ in abgewandelter Form noch verwendet.
Pfui Teufel
Ist eine Sache oder auch ein Verhalten von besonderem Ekel, sagen wir schnell: „Pfui Teufel“ und spucken zur Verstärkung der Worte auch gern dabei auf den Boden.
Das Wort „pfui“ kommt aus der Kindersprache und gibt lautmalerisch das Geräusch des Ausspuckens wieder. Ähnlich das Wort „ Toi „-siehe Redenwendung „Toi,Toi, Toi“.
So - glaubt man wenigstens - kann man den Kleinen auf dem schnellsten Weg vermittelt, das wirklich eklig ist und was nicht.
Den Begriff „Pfui“ verwenden wir ja nicht nur im Umgang mit kleinen Kindern, sondern auch in unserer Sprache im Umgang mit Hunden. Das Ziel soll das gleiche sein. Wir möchten dem Hund mitteilen, was er nicht soll und was wir uns von ihm wünschen.
Der Zusatz „ Teufel“ soll den Ausdruck „Pfui“ noch um ein vielfaches Verstärken. Die Sache oder das Verhalten ist eben nicht nur „Pfui“, sondern „Pfui Teufel“, schlimmer als schlimm schon ist.
Quacksalber
Wenn wir krank sind und einen Arzt aufsuchen ,so hoffen wir, dass wir nicht in die Hände eines Quacksalbers geraten; also in die Hände eines Arztes, der sein Handwerk nicht richtig versteht und zu fragwürdigen Methoden greift.
Das Wort setzt sich aus „quacken“ = schreien und „Salber“ = Salbenverkäufer oder Arzt zusammen. Im Mittelalter war der Quacksalber ein Bestandteil des fahrenden Volkes. Auf den Marktplätzen bot er seine Dienste mit lautem, sich selbst lobendem Geschrei an.
Rabatz machen
Wenn jemand Rabatz macht, so macht e er einen ohrenbetäubenden Lärm, bzw. Er lehnt eine getroffene Entscheidung ab und wehrt sich wortreich dagegen.
Ursprünglich kommt das Wort auf der Seemannssprache. Lautmalerisch deutet „Rabatz“ auf einen großen Krach hin und den machte die Ankerkette, wenn der Anker gesetzt oder eingeholt wurde. Das hieß: „Rabatz im Kettenkasten.“
Rabeneltern
Oft ist in letzter Zeit von menschlichen Rabeneltern die Rede. Doch diese negative Beurteilung der Rabeneltern geht auf eine missverständliche Beobachtung zurück.
Junge Raben verlassen aus eigenem Antrieb ihr Nest, bevor sie richtig fliegen können. Sie erscheinen dem Betrachter sehr ungeholfen und früher dachte man, die Rabeneltern würden ihre Jungen einfach aus dem Nest werfen.
Im Gegenteil: Raben füttern und behüten ihre jungen Nestflüchter noch einige Wochen lang.
Rosemontag
Es existieren zwei Namenserklärungen.
Erste Erklärung: Der Name hat nichts mit Rosen zu tun, sondern mit den „ rasenden Narren, der „Montag des Rasens“ - der „ Rasen - Montag “ also.
Die zweite Erklärung ist historischer Art. 1822 wurde in Köln das „(Karnevals- ) Festordnende Comitee“ gegründet. Die jährliche Hauptversammlung fand immer am Montag nach dem so genannten „ Rosensonntag “ ( 4. Fastensonntag) statt.
Das Comitee wurde bald Rosenmontagsgesellschaft genannten und der Volksmund transportierte den Namen in die Narrenzeit.
Ruck, zuck und fertig ist die Laube
Wenn uns eine meistens handwerkliche Arbeit so richtig schnell und gut von der Hand geht, sagen wir gern zu uns:
„Ruch, zuck und fertig ist die Laube.“ Wir freuen uns über uns selbst und in uns kommt ein wenig Jubelstimmung auf.
Diese Redewendung kommt aus dem Berlinerischen. Für die Großstädter war es nicht früher, sondern auch noch heute, ein großes Glück, einen Kleingarten zu besitzen. Auf diesem Kleingarten musste unbedingt ein kleines Häuschen, eine (Garten-) Laube, stehen.
Es handelt sich bei diesen Lauben, oder auch „Datschen“ genannt, um kleine und einfache Holzhäuschen, meistens zu Selbstaufbau.
Also, vorgefertigtes Material kaufen, zum Kleingarten hin, auspacken, aufbauen und „ ruck, zuck und fertig die Laube.“
Schlag ins Wasser
War ein Vorhaben besonders erfolglos, so war es wie ein Schlag ins Wasser. Die Redensart ist sinnbildlich zu verstehen und jeder weiß aus eigener Erfahrung, worum es geht.
Wir schlagen ins Wasser, das Wasser spritzt hoch, es schlägt Wellen, aber nach kürzester Zeit ist das Wasser so glatt wie zuvor. Nichts haben wir verändert, nichts haben wir erreicht.
Schmiere stehen
Zwei Gangster brechen in dem Laden ein, und einer steht Schmiere. Ja, diesen Ausdruck kennen wir aus der Sprache der Gauner. Der wahre Ursprung dieses Wortes liegt aber wohl in jiddischen. Es geht auf das Wort „Schmiro“ zurück, was so viel wie Wache heißt. Aus „ Schmiro „ wurde dann „ Schmehre“ und aufgrund der Aussprache dann „Schmiere“. Wer also Schmiere - oder Wache steht - hat die Aufgabe, den gerade auf frischem Beutezug befindlichen Gangstern rechtzeitig zu warnen, wenn jemand - von der Polizei kommt. ( Axel Kukuk 2009 09 30 )
Spießbürger
Spießbürger sind kleingeistige Menschen mit zurückgebliebenen Wertvorstellungen: kurz: Sie sind spießig.
Die historische Bedeutung des Ausdrucks ist keinesfalls so herabsetzend. Jeder Bürger in einer mittelalterlichen Stadt hatte die Pflicht, im Verteidigungsfall eine Waffe zur Hand zu nehmen und die Stadt zu verteidigen.
Da die meisten Bürger keine Zeit hatten, die Kunst des Schwertkampfes zu erlernen, mussten sie sich mit dem rustikalen Spieß begnügen.
Schwein gehabt
Hat jemand wie wir meinen, unverdienter Maßen besonders viel Glück, so sagen wir von dieser Person, sie hat Schwein gehabt.
Erklärung für dieser Begriff ist wohl, dass ein Schwein wein Glücksymbol ist. Zur Jahres wende wird es vielfach verschenkt, zwar nicht lebendig, aber z. B. in Form von Marzipan.
Schon bei den alten Griechen, Römern und Germanen war das Schwein ein Statussymbol. Wer viele Schweine hatte, hatte somit viel Nahrung, galt als reich und hatte viel Glück.
Seine Worte auf die Goldwaage legen
Legt man seine Worte auf die Goldwaage, so prüft man sie auf ihre Wichtigkeit und Wirkung hin. Eine Goldwaage ist eine Waage, die im Bereich von 200g - 500g wiegt und bis auf 0,1g genau ist.
Da in unserer Redewendung von einer Goldwaage die rede ist, betont sie die hohe Wertigkeit des gesprochenen Wortes. Zum ersten mal findet man diese Redewendung im Alten Testament im Buch Jesus Sirach 28,29:
„ Du wägst Dein Silber und Gold, bevor Du es aufbewahrst, warum wägst du nicht auch deine Worte auf der Goldwaage ? “
Sich etwas ans Bein binden
Binden wir uns etwas ans Bein, so übernehmen wir eine zusätzliche unangenehme Aufgabe oder die Verantwortung für etwas gleichfalls Unangenehmes. Wir selbst schränken unsere Bewegungsfreiheit ein.
In früheren Zeiten band der Bauer den Hunden oder den Rindern Klötze ans Bein, um das Fortlaufen der Tiere zu verhindern.
Strafgefangene bekamen aus dem gleichen Grund sogar eine Eisenkugel ans Bein geschmiedet.
Sich um Kopf und Kragen reden
Wenn der Ex-RAF-Mann Christian Klar kurz vor seiner eventuellen Begnadigung von „Blockwarte“ und vom Untergang des Kapitalismus spricht, so hat er sich um Kopf und Kragen geredet. In diesem fall und wie auch sonst gilt dieses natürlich nur noch im übertragenen Sinne. Früher war dieses Sprichwort allerdings wörtlich zu nehmen.
In der Tat ging es früher bei unserer Redewendung letztlich um eine Hinrichtung durch den Strang oder das Beil, als Strafe für lästerliche reden. Das Wort Kragen benutze man früher im übertragenen Sinne auch für den Hals.
Silvester feiern
Der letzte Tag eines Jahres ist nach dem Papst Silvester dem Ersten benannt. Er verstarb am 312. Dezember 335. In seiner Amtszeit als Papst ( 314 - 335 ) gewährte der römische Kaiser Konstantin ( 280 - 337 ) den Christen Religionsfreiheit und beendete damit die Christenverfolgung.
Die Kirche wählte den Namen des Papstes für den letzten Tag des Jahres aus und beendete damit die Christenverfolgung.
Die Kirche wählte den Namen des Papstes Silvester für den letzten Tag des Jahres aus, um aus der heidnischen Geisternacht ein Kirchenfest zu machen. Mit viel Lärm und Alkohol versuchen ja wir auch heute noch, die bösen Geister zu vertreiben.
Schuster, bleib bei Deinen Rappen
Der griechische Maler Apelles ( 4. Jahrhundert vor Chr. ) galt als größter Meister seiner Zeit und hatte als einziger das Recht, Alexander den Großen zu portraitieren. Eines Tages wies ihn ein einfacher Schuster darauf hin, dass bei einem Bild die Schuhe ungenau gemalt seien.
Apelles korrigierte daraufhin das Gemälde, aber der Schuster war noch immer nicht zufrieden und schlug weitere Änderungen vor. Da entfuhr es dem Meister: „Schuster, nicht über den Schuh hinaus“.
Die abgewandelte Redewendung betrifft heute jeden Menschen, die sich auf einem Gebiet betätigen wollen, von dem sie keine Ahnung haben.
Sich auf die Lauer legen
Legen wir uns auf die Lauer, so beobachten wir jemanden heimlich, aber mit höchst angespannter Aufmerksamkeit. Der Ausdruck entstammt der Ganovensprache.
Das Wort „Lauer“ heißt so viel wie „Hinterhalt“; Fahrende Händler, Reisende und Pilger wurden im Mittelalter oft unterwegs überfallen und ausgeraubt.
Die mittelalterliche Tradition des „Auflauerns“ setzen heute die „Stalker“ mit andere zielen fort. „To stalk somebody“ bedeutet: „Jemanden belauern“.
Die meisten Opfer sind Prominente, die sich der Daueraufmerksamkeit der „Stalker“ kaum erwehren können.
Spinne am Morgen, Kummer und Sorgen,
Spinne am Abend, erquickend und labend
Dieses Sprichwort ließ uns schon in frühen Kindheitstagen rätseln. Was sollte denn schon gut sein an einem Kontakt mit Spinnen am Abend ?
Mit dem Tier, der Spinne hat dieses Sprichwort nichts zu tun, sondern mit der urtümlichen Tätigkeit des „Flachs-zu-Garn-Spinnens“.
Musste man am Morgen zu Broterwerb „spinnen“, verdiente man wenig und Kummer und Sorgen standen ins Haus. Konnte man hingegen am Abend spinnen, so war es in der Tat „ erquickend und labend.“
Toi,toi, toi
Kurz vor dem Auftritt umarmen sich die Schauspieler und wünschen sich mit dem Ausruf „ Toi, toi, toi “ viel Glück und Erfolg.
Ursprünglich war dieses ein Abwehrzauber gegen den Neid der bösen Geister. Man glaubte, dass die bösen Geister einem etwas Schreckliches zufügen würden, sowie man etwas Gutes erreicht hat oder bekommen hätte. Deswegen wurde jedem Glückwunsch ein ‚“unberufen “ angefügt.
Diese Schutzformel wurde mit einem dreimaligen Ausspucken verstärkt. Das „toi,toi,toi“ ahmt lautmalerisch das Spucken nach und ist alles, was von der Glückwunschprozedur übrig geblieben ist.
Tohowabohu
Vom Lautmalerischen her würde man die Herkunft dieses Ausdruckes im indonesischen oder afrikanischen Sprachraum vermuten.
Aber, wie so viele geht er auf die Bibel zurück. In der Schöpfungsgeschichte steht geschrieben: „Und die Erde war wüst und leer “ ( 1. Mose 1, Vers 2 ). In Hebräischen heißt „wüst und leer“ bzw. „ Wüste und Öde “ übersetzt „ tohu va vohu“. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet man mit „Tohowabohu“ ein kaum zu überbietendes Durcheinander.
Treulose Tomate
Nennt man eine Person eine treulose Tomate, so fühlt man sich von ihr vernachlässigt. Diese Redensart geht auf die lange enttäuschende Liebe der Deutschen zur Tomate zurück.
Die Tomate wurde von Christoph Kolumbus 1498 aus Mittel- oder Südamerika nach Europa gebracht. Sie war natürlich ein ganz anderes Klima gewohnt als es Deutschland zu bieten hatte.
Trotzdem waren die Liebe und die Mühe, sie hier anzupflanzen riesengroß. Doch die Tomate dankte es nicht. Erst in den letzten zwei vergangenen Jahrhunderten gedieh die Tomate auch bei uns.
Treppenwitz der Geschichte
Wer kennt das nicht….. die besten Antworten fallen einem immer zu spät ein. Erst beim Herausgehen oder auf der Treppe, weiß man, was man hätte sagen sollen. Damit ist das Phänomen des Treppenwitzes beschrieben.
Der Ausdruck: „ Treppenwitz der Weltgeschichte“ geht auf den gleichnamigen Bestseller von William L. Hartslet zurück.
Unter aller Kanone
Findet man ein Verhalten oder eine Leistung „ unter aller Kanone “, so meint man, dass das Verhalten oder die Leistung nicht schlimmer sein kann.
Der Redewendung liegt das lateinische „sub omni canone ( unterhalb jeden Maßstabes ) zu Grunde. Wird eine Dissertation damit bewertet, ist es eine ungenügende Leistung. Umgangssprachlich ist aus „ unterhalb jedes Kanons ( Maßstabes, Regel, Norm )“ - „unter aller Kanone“ geworden.
Über die Wupper gehen
Für diese Redensart gibt es zwei Erklärungen.
Die eine ist: Das Wuppertaler Amtsgericht liegt auf der Insel inmitten der Wupper. Wer also zum Beispiel insolvent ist um die Eidesstattliche Versicherung abgeben musste, ging also über die Wupper.
2. Erklärung: Bis in die Mitte des 17./ 18. Jahrhunderts reichte Preußen bis an die Wupper heran. Um der preußischen Zwangsrekrutierung zu entgehen, musste man über die Wupper gehen und war dann im Nichtpreußischem Ausland.
Valentinstag
Der Valentinstag ist ein Fest er Liebe und der Liebenden. Das Brauchtum, geliebte Menschen zu beschenken, geht auf die Sage des Heiligen Valentin von Terni zurück. Er was Bischof der italienischen Stadt Terni ( damals: Interamna ) im 3. Jahrhundert nach Christus.
Es war noch die Zeit der Christenverfolgung. Valentin war der Bischoff im Untergrund und doch verheiratete er viele Liebende nach dem christlichen Ritus.
Der Sage nach wurden die Liebenden von ihm mit Blumen aus seinem Garten beschenkt. Am 14.Februar 269 wurde Bischof Valentin wegen seines christlichen Glaubens enthauptet.
Vaterlandslose Gesellen
Als vaterlandslose Gesellen bezeichnet man Menschen, die an nichts mehr glauben und keine Grundsätze mehr haben. Unter Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941) wurden die Sozialdemokraten als „vaterlandslose Gesellen“ beschimpft.
Stand doch im „Manifest der Kommunistischen Partei“, 1848 von Karl Marx und Friedrich Engels verfasst: „ Den Kommunisten ist ferner vorgeworfen worden sie wollten das Vaterland, die Nationen abschaffen - Die Arbeiter haben kein Vaterladen. Man kann Ihnen nicht nehmen, was sie nicht haben.“
Stehaufmännchen
Bezeichnen wir jemanden als Stehaufmännchen, so hat sich diese Person trotz schwerer Krankheit persönlicher oder wirtschaftlicher Krisen wieder erholt und das, obwohl zuvor ein Rückschlag dem anderen folgte.
Unser Ausdruck geht auf ein altes Kinderspielzeug zurück. Eine puppe hat in einen rund geformten Puppenfuß ein Bleigewicht. Drück man die Puppe, egal nach welcher Seite, schnellt sie im nächsten Moment wieder in ihre Ausgangslage.
Viel Aufhebens um etwas machen
Finden wir eine Sache besonders wichtig, so versuchen wir, sie auf jede Art und Weise hervorzuheben. Wir machen viel Aufhebens um sie. Diese Redensart geht auf einen alten Brauch beim mittelalterlichen Schaufechten zurück.
Die gegnerischen Waffen lagen zunächst auf dem Boden. Schon dort konnten sie vom sachkundigen Publikum begutachtet werden. Dann wurden sie aufgehoben und dem Publikum wortreich präsentiert. Hatten dann die beiden Kämpfer die Waffen in den Händen, war die Prozedur des Aufhebens beendet.
Von der Pike auf lernen
Diese Redensart meint, dass man etwas von Grund auf lernt. Im Mittelalter bestand ein Teil des Heeres aus Pikenieren, beziehungsweise Landsknechten. Ihre Waffe was die Pike, ein Kampfspieß.
Dieser Spieß wurde als Abwehrwaffe gegen Reiter eingesetzt und musste demnach länger sein als die Lanze des Reiters, also zwischen 3,50 m und 6 Metern.
Natürlich musste der Umgang mit dieser Waffe gründlich gelernt werden. Die Kartenfarbe „Pik“ erinnert noch heute an diese Waffe.
Mit Haken und Ösen
Kämpft eine Sportmannschaft mit allen erlaubten und unerlaubten Tricks, so kämpft sie mit Haken und Ösen.
Die Redensart geht auf die altertümliche Weise zurück, mit der man eine Jacke schließen konnte. Bevor es Knöpfe gab, hatte man auf der einen Jackenseite Haken, die man in die Ösen auf der anderen Jackenseite einhängte.
Die eine oder andere Trachtenjacke hat heute noch Haken und Ösen. Auch die Amisch-People in Amerika benutzen nach wie vor dieses alte Schließsystem.
Schimpfen wie ein Rohrspatz
Wenn jemand so vor sich hinschimpft und sich vor Erregung gar nicht mehr beruhigen kann, dann sagen wir: „Der schimpft wie ein Rohrspatz“. Woher kommt diese Redewendung ?
Der „Rohrspatz“ ist die volkstümliche Bezeichnung für die „Rohrammer“. Die Rohrammer siedelt vorzugsweise in der Nähe von Seen und Flüssen. Diese Gattung der Vögel gehören eher zu den unruhigen Vogelarten, ihr stotternder und schnatternder Gesang und ihre Warn- und Zankrufe haben diese Redewendung begründet. ( Axel Kukuk 12009 09 20)
Was für ein Gewäsch
Wir hören etwas fürchterlich Dummes von jemandem,
„Was für ein Gewäsch“ entgegnen wir.
Dieser Ausspruch kommt von den Waschfrauen im Mittelalter. Es war damals üblich, die eigene oder auch fremde Wäsche in einem Bach oder in einem Flusslauf zu waschen. Natürlich wurde dabei viel getratscht, auch dummes Zeug erzählt und ordentlich geschludert. Das bezeichnete man dann als „dummes Gewäsch“.
Welch ein Glanz in meiner Hütte
Bekommen wir unerwarteten Besuch, so drücken wir unsere Freude durch Schmeichelei aus.
Unser Ausruf stammt in leicht abgewandelter Form aus Friedrich Schillers ( 1759 - 1805 ) Drama „ Die Jungfrau von Orleans“ : „Wir kommt mir solcher Glanz in meine Hütte ? “, fragt sich unruhig der Vater von Johanna, der Jungfrau von Orleans. Er hat sie in seinen Träumen auf dem Königsthron gesehen und sorgt sich um sie.
Wer A sagt, muss auch B sagen
Wer diesen Satz sagt, meint: Wenn man etwas begonnen hat, muss man auch den nächsten Schritt machen. Es gibt für diese Redensart zwei Erklärungen:
Die erste lautet: Sagt man das Alphabet auf, folgt dem „A“ und weigerlich das „B“.
Die zweite Erklärung geht auf das altdeutsche Rechtswesen zurück. Erhob der Beklagte Gegenklage, musste der Kläger sich dazu äußern. Das nannte man „ Besagen „. Wer als „A“klagt, muss eventuell auch „B“esagen.
Wie ein Affe auf dem Schleifstein
Setzt man sich auf ein Mountainbike, den Lenker möglichst weit nach unten, den Sattel möglichst weit nach oben, dann weiß man, wie sich der besagte Affe fühlt.
Man wendet die Redewendung an, wenn jemand irgendwie krumm und verkrampft sitzt und augenscheinlich kein Vergnügen dabei empfindet.
Die Herkunft dieser Redewendung geht auf das fahrende Handwerk der Scherenschleifer zurück, die oft ein en lebenden Affen zur Belustigung der Leute mitführten.
Wie ein Lauffeuer
Ein Gerücht sowie eine gute oder schlechte Nachricht verbreiten sich oft mit der Geschwindigkeit eines Lauffeuers. Das Lauffeuer ist ein Bodenbrand auf freier Fläche.
Das Feuer nährt sich von trockenem Gras, Gestrüpp und sonstigem Bodenbewuchs. Es breitet sich rasend schnell aus, je nachdem wie der Wind steht. Der Wind treibt die Funken vor sich her und das Feuer wird immer wieder neu entfacht.
Weiß der Geier
Diese Redewendung bezieht auf die Unfähigkeit Fragen nach einem Ort oder dem Grunde nach zu beantworten.
„Weiß doch der Geier, wo die Schlüssel sind“ oder „Weiß der Geier, wo Du die Rechnungen gelassen hast.“
Es scheint so, dass Geier in der freien Natur immer noch ein kleines Stückchen Aas ( Nahrung ) finden, wenn sie nur lange genug suchen. ( Axel Kukuk 2009 09 19)
Weiß der Henker
Diese sehr saloppe Redewendung wird im Sinne vom „Ich weiß es doch nicht“ verwendet; oder eben „Ich habe die Sache doch niemandem erzählt, weiß der Henker, von wem die andere diese Informationen haben.“
Der Bezug zum Henker des Mittelalters lässt sich wohl nur so erklären, dass Deliquenten kurz dem Tode dem Henken noch die absolut letzte Wahrheit anvertraut haben, so im Sinne von „Ich war es doch“. Somit verfügt der Henker durchaus über ein Wissen, was der zum Tode verurteilte mit ins Grab nahm. „Weiß der Henker“ meint also. „Wenn es einer wissen kann, dann nur noch der Henker. Alle andere können das nicht wissen.“ ( Axel Kukuk 2009 09 19)
Weiß der Himmel
Dieser Ausspruch wird umgangssprachlich gebraucht im Sinne von „wahrhaftig“ oder “gewiss“. „Weiß der Himmel, was für eine gute Leistung“. Gemeint ist wohl, das sich der gerade erlebte Zustand oder das gerade erlebte Verhalten nicht mit menschlichem Gedankengut erklären lässt. Und wenn wir es nicht wissen, dann weiß es doch der Himmel. Himmel dürfte auch eine sprachgebräuchliche Abwandlung von Gott sein. ( Axel Kukuk 2009 09 19 )
Weiß der Kuckuck
Sagt man: „ Weiß der Kuckuck, wie dass weiter gehen soll“, weiß man es selbst nicht und hat auch keine Vorstellung davon.
In früheren Jahren sprach man aus Angst den Namen des Teufels nicht aus. Allein die Nennung hätte ihn schön beschwören können.
Damit die Redenswart sowie diverse andere Flüche aber die richtige Würze behielten, musste der Kuckuck mit seinem Namen herhalten. Sein Ruf war ja schon ruiniert - als der Vogel, der ja seine Eier in fremde Nester legt.
Wer es glaubt, wird seelig
Wie auch viele andere, geht auch diese Redewendung auf die Bibel zurück. Im Markus Evangelium ( Kap. 16, Vers 16 ) sagt der wieder auferstandene Jesus zu seinen Jüngern: „Wer das glaubet und getauft wird, der wird selig werden, wer aber nicht glaubet, der wird verdammt werden.“
Zuerst fällt auf, dass das Wort „seelig“ nichts mit dem seelischen Wohlbefinden zu tun hat. Das Wort stammt vom mittel-hochdeutschen „ saelic“ und bedeutet „glücklich“. Heute gebrauchen wir den Spruch mit einem ironischen Unterton. Wenn einer etwas erzählt, was wir selbst überhaupt nicht glauben können, der wird bestimmt seelig ( Axel Kukuk 2007 08 30 )
Wo ist der Pferdefuß ?
Sind wir auf der Suche nach einem Pferdefuß, so versuchen wir zum Beispiel herauszufinden, wo bei der von unserem Geldberater empfohlenen Geldanlage das Risiko ist.
Wir suchen nicht nach dem Pferdefuß, weil die Geldanlage Hand und Fuß haben sollte, sondern wir vermuten eine wahre Teufelei hinter dieser Geldanlage.
Den denn Teufel kann sich verkleiden wie er will, an seinem Pferdefuß erkennt man ihn immer.
Zieh Leine
Rufen wir jemandem zu: „Zieh Leine“, so soll diese so angesprochene Person abhauen, sich also schnell davon machen.
Diese Redensart stammt aus der Zeit der alten Binnenschifffahrt. Stromaufwärts mussten die Schiffe vom Land aus mit Seilen gezogen werden, was man treideln nannte.
Das Ziehen besorgten entweder Treidelknechte oder Pferde. Bei einer Schiffsladung von bis zu 15 ‚Tonnen mussten ca. 10 Mann oder ein Pferd das Schiff ziehen. Die Zugknechte zogen an der Zugleine und bewirkten, dass das Schiff vorwärts kam.
Zielwasser getrunken haben
Das „Zielwasser“ ist ein scherzhafter Ausdruck für einen Schnaps, der beim Preisschießen gern so ganz nebenbei und zur Gemütlichkeit verabreicht wird. Heutzutage wird dieser Begriff aber auch zum Beispiel von Kommentatoren eine Fußballspiels benutzt: „ Der Spieler hatte wohl kein Zielwasser getrunken. Zweimal hatte er die Chance, einen Elfmeter zu versenken, doch beides Mal traf er nicht“.
Zipperlein haben
Kränkelt jemand oder ist jemand besonders wehleidig, so sprechen wir davon, dass die Person das Zipperlein hat.
Zipperlein ist der mitttelalterliche Ausdruck für Gicht. Im Mittelalter war Gicht eine Krankheit der Reichen.
Heut kann man sich diese Krankheit „leisten“. Sie gilt mittlerweile als Wohltandskrankheit. Hervorgerufen wird die durch zu hohen Fleischkonsum, von allem von Schweinefleisch und Innereien.
Zu Kreuze kriechen
Im Mittelalter war es Brauch, am Gründonnerstag oder Karfreitag als Zeichen besonderen Buße auf den Knien zum Kirchkreuz zu kriechen. Das wurde als Geste der Demut gegenüber der Kirche bzw. Jesus Christus gesehen.
In unserer Zeit hat sich diese Demut in etwas Demütigendes gewandelt. Kriecht an heute zu Kreuze, so gibt man unter demütigenden Umständen nach.
Zu Potte kommen
Mit der Aufforderung: „ Jetzt komm mal zu Potte “ möchte man erreichen, dass endlich etwas abgeschlossen oder fertig wird.
Ursprünglich geht diese Redewendung auf etwas zurück, was heute kaum noch jemand kennt,. Den Nachttopf, auch Pott genannt.
Hatte man seine Notdurft verrichtet, so hatte man letztlich auch etwas fertig gemacht, man war zu Potte gekommen.
Zustände wie im alten Rom
Der junge Chef ist von morgens bis abends völlig betrunken, der Nachbar schießt mit der Schrotflinte auf jeden Hund, die Sekretärin schläft mit jedem Vorgesetzten. „ Das sind Zustände wie im altem Rom !“
Über die Jahrhunderte verkam das alte Rom moralisch mehr und mehr. „ 0 Zeiten, 0 Sitten “ klagte Cicero (106 - 43 v. Chr.). Jahre später äußerte sich Tacitus ( 55 - 120 n. Chr. ) ähnlich:
„In Rom fließen alle Sünden und Laster zusammen, um verherrlicht zu werden.“
Rom sank so weit herab, dass nur noch ganz besondere Skandale Aufsehen erregten. So war zum Beispiel Messalina ( 25-48 n. Chr.) Kaiserin, Dirne und Bordellbesitzerin in einer Person.
Heute beklagen wir mit dieser Redensart unmöglich und unhaltbare Zustände.
Zwei linke Hände haben
Wir leben in einer Gesellschaft der Rechtshänder. Wer etwas mit der linken Hand macht,… das kann ja nicht gelingen. Wer aber nun in dieser Gedankenwelt zwei linke Hände hat, der ist handwerklich ein totaler Versager.
Diese Redewendung geht eben darauf zurück, dass nur die rechte Hand, die “gute Hand“ ist. Sie ist halt bei den meisten Menschen geschickter. Mit der rechten Hand sagt man sich Guten Tag, mit der linken Hand wischt man sich den Hintern ab. ( Axel Kukuk 2008 08 30 )
Zwischen Tür und Angel
Bekommen wir etwas zwischen Tür und Angel mitgeteilt, so erfahren wir es fast nebenher. Unsere Redensart ist sinnbildlich zu verstehen. Die Zapfen an der Tür, mit der sie am Rahmen im Scharbier hängt, nennt man „Angeln“. Fast jede Haustür geht nach innen auf.
Kurt bevor die Tür nun geschlossen wird, können wir von außen noch einen Blick auf Tür und Angel nehmen und im nächsten Augenblick schon nicht mehr. In diesem extrem kurzen Zeitraum bekommen wir nun etwas mitgeteilt - können oder sollen wir das wirklich wahrnehmen ?